Expertenkommission mahnt: Für die Energiewende braucht es mehr Entschlossenheit - und ein modernes Marktdesign
Ein Strommarkt für ein erneuerbares Energiesystem
Das deutsche Stromsystem hat einen historischen Wandel erreicht: Bereits heute stammen mehr als 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Aus Sicht der Kommission erfordert diese neue Realität ein Marktdesign, das flexible, systemdienliche Entscheidungen belohnt und klare Preissignale setzt.
„Die Energiewende kommt voran, doch der aktuelle Monitoringbericht zeigt: Insbesondere bei Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Energieeffizienz bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen“, betont der Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Andreas Löschel. Es gehe nun um „Entschlossenheit“ und verlässliche Rahmenbedingungen – nicht um einzelne kleinteilige Maßnahmen.
Energiepreise: Voraussetzung für Akzeptanz und wirtschaftliche Stabilität
Zentral für das Gelingen der Energiewende bleibt laut Bericht die Bezahlbarkeit von Energie. Nur wenn Haushalte und Betriebe nicht überfordert werden, könne die Akzeptanz für weitreichende Umstellungen erhalten bleiben. Die Expert:innen plädieren deshalb dafür, zunächst Maßnahmen umzusetzen, die die Systemkosten senken, bevor staatliche Entlastungen greifen.
Regionale Marktpreise als Schlüssel für Effizienz
Angesichts der stark variierenden Standortbedingungen innerhalb Deutschlands hält die Kommission regional differenzierte Börsenstrompreise für notwendig. Diese könnten Investitionen dorthin lenken, wo Kapazitäten volkswirtschaftlich sinnvoll sind, und gleichzeitig Fehlanreize vermeiden.
„Um die Energiewende effizient voranzutreiben und die Kosten im Rahmen zu halten, ist es entscheidend, stärker auf Marktsignale zu setzen“, unterstreicht Prof. Dr. Veronika Grimm. Dazu zähle sowohl ein weiterentwickeltes Strommarktdesign als auch eine konsequente Bepreisung von Emissionen.
Umgang mit Erdgas: Strategie für den Rückbau fehlt
Mit Blick auf den fossilen Teil des Energiesystems fordert die Kommission ein deutlich klareres Konzept für den Ausstieg aus Erdgas und Mineralöl. Da die Nachfrage in den kommenden Jahrzehnten massiv sinken werde, müssten Infrastruktur und Versorgungssicherheit gleichzeitig neu gedacht werden.
„Vor dem Hintergrund der klimapolitischen Ziele ist es notwendig, den Erdgasverbrauch in Deutschland zu reduzieren und längerfristig auf null zurückzuführen“, erklärt Dr. Felix Chr. Matthes. Eine integrierte Strategie, die auch Wasserstoff und die Transformation der Mineralölwirtschaft einbezieht, sei derzeit jedoch „nicht erkennbar“.
Erneuerbare Energien: ambitionierter Ausbau, neue Systemphase
Positiv bewertet die Kommission den dynamischen Ausbau der erneuerbaren Energien. Doch mit dem Erreichen eines Anteils von bald zwei Dritteln an der Stromproduktion trete das Energiesystem in eine Phase ein, in der Elektrifizierung und Systemintegration entscheidend werden.
„Stärkere Anreize für systemdienliche Investitionen und einen flexiblen Betrieb von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern sind jetzt notwendig“, betont Prof. Dr. Anke Weidlich. Nur so ließen sich weitere Sektoren – Wärme, Verkehr, Industrie – erfolgreich elektrifizieren und in ein stabiles Gesamtsystem integrieren.