EU-Strategie zur Tierhaltung: Umweltorganisationen kritisieren fehlenden Kurswechsel
Das EEB, das größte Netzwerk von Umweltorganisationen Europas, kritisiert, dass die Kommission keine schlüssige Vision für ein nachhaltiges und widerstandsfähiges Proteinsystem vorlege. Stattdessen übernehme sie zentrale Argumentationslinien der Agrarindustrie und reagiere nur unzureichend auf die drängenden Herausforderungen der Tierhaltung. Dadurch fehle ein klarer Fahrplan, um die Klima-, Gesundheits-, Tierschutz- und Entwicklungsziele der Europäischen Union zu erreichen.
Isabel Paliotta, Referentin für nachhaltige Ernährungssysteme beim EEB, wirft der Kommission vor, ein positives Bild einer Branche zu zeichnen, die zunehmend von großen Agrarkonzernen dominiert werde. Diese würden von einem System profitieren, das gleichzeitig erhebliche Umweltbelastungen verursache.
Nach Ansicht des EEB hätte Europa eine Strategie benötigt, die Landwirten wirtschaftliche Perspektiven eröffnet, den ländlichen Raum stärkt, den Tierschutz verbessert und gleichzeitig Luft-, Boden- und Gewässerverschmutzung reduziert. Stattdessen enthalte das Papier überwiegend allgemeine Absichtserklärungen und wenige konkrete Maßnahmen, die landwirtschaftlichen Betrieben bei der notwendigen Transformation helfen könnten.
Die Umweltorganisation verweist darauf, dass sich die Tierhaltung in Europa zunehmend auf wenige große Industrieanlagen konzentriere. Diese Entwicklung führe zu einer steigenden Belastung von Böden, Gewässern und Luft und erhöhe den Druck auf ländliche Gemeinden und natürliche Ökosysteme.
Zudem seien intensive Tierhaltungssysteme mit einem erhöhten Risiko für Infektionskrankheiten sowie einer zunehmenden Nitratbelastung des Grundwassers verbunden. Das EEB fordert deshalb einen grundlegenden Umbau der europäischen Tierhaltung. Dazu gehöre eine Verringerung der Tierbestände insgesamt sowie der Übergang von intensiven Stallhaltungssystemen zu extensiveren und tiergerechteren Haltungsformen.
Methanemissionen im Fokus
Besonders kritisch bewertet das EEB die Aussagen der Kommission zu Methanemissionen aus der Landwirtschaft. Die Organisation befürchtet, dass die EU der Darstellung der Agrarindustrie folge, wonach sogenanntes „biogenes Methan“ eine Sonderrolle einnehme. Diese Argumentation werde häufig genutzt, um notwendige Emissionsreduktionen zu verzögern.
Methan trägt nicht nur erheblich zur Erderwärmung bei, sondern fördert auch die Bildung bodennahen Ozons. Gerade während Hitzewellen verschlechtere dieses die Luftqualität erheblich und gefährde sowohl die menschliche Gesundheit als auch Ökosysteme.
Zwar erkenne die Kommission grundsätzlich die Notwendigkeit an, Emissionen zu senken. Nach Ansicht des EEB fehle es jedoch an verbindlichen Reduktionszielen für die Landwirtschaft. Stattdessen setze die Strategie vor allem auf bessere Datenerfassung und technische Lösungen, deren Nutzen aus Sicht der Umweltorganisation überschätzt werde.
Mathieu Mal, Referent für Landwirtschaft und Klima beim EEB, betont, Methan müsse aufgrund seiner starken Klimawirkung vorrangig reduziert werden. Industriegetriebene Narrative dürften den notwendigen Klimaschutz nicht ausbremsen.
Insgesamt kommt das EEB zu dem Schluss, dass die neue Tierhaltungsstrategie keinen überzeugenden Weg aus der Krise des Sektors aufzeigt. Statt einen grundlegenden Wandel einzuleiten, verteidige sie weitgehend den bestehenden Status quo und lasse offen, wie die Landwirtschaft künftig ihren Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Gesundheitszielen der Europäischen Union leisten soll.