EU setzt auf Elektrifizierung: Neuer Aktionsplan soll fossile Heizungen verdrängen
Kernstück des Plans ist ein verbindliches Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040, das künftig im EU-Recht verankert werden soll. Gleichzeitig will die Kommission Strom gegenüber fossilen Energieträgern attraktiver machen. Dazu sind eine Reform der Energiesteuern sowie Maßnahmen vorgesehen, um den Preisunterschied zwischen Strom und Erdgas zu verringern.
Darüber hinaus plant die EU einen Rechtsrahmen, der es den Mitgliedstaaten ermöglicht, die Mehrwertsteuer auf Elektrifizierungstechnologien wie Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher zu senken.
Ein zentraler Bestandteil des Aktionsplans ist eine neue Strategie für Heizen und Kühlen. Die Kommission will die Zahl der jährlich installierten Wärmepumpen bis 2030 gegenüber dem Niveau von 2025 nahezu verdoppeln. Ergänzend soll bis 2027 ein europäischer Mechanismus für saubere Wärme entwickelt werden, der Investitionen erleichtert und insbesondere die hohen Anschaffungskosten für Haushalte senken soll.
Zudem sollen Mittel aus dem europäischen Emissionshandel (ETS2) sowie dem Sozialen Klimafonds verstärkt genutzt werden, um einkommensschwache Haushalte beim Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme zu unterstützen.
Der Europäische Umweltbüro (EEB) bewertet den Aktionsplan grundsätzlich positiv. Besonders hervorgehoben wird, dass die Kommission den Austausch fossiler Heizungen nicht allein auf Wärmepumpen reduziert, sondern auf integrierte Lösungen setzt. Dazu gehören energetische Gebäudesanierungen, erneuerbare Energien, Stromspeicher und flexible Energiesysteme.
Auch Geschäftsmodelle, bei denen für Haushalte keine hohen Anfangsinvestitionen erforderlich sind, werden als wichtiger Schritt angesehen, um klimafreundliches Heizen breiter zugänglich zu machen.
Kritik an Kältemitteln
Kritik übt das EEB jedoch an der fehlenden Ausrichtung auf besonders zukunftssichere Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln. Diese seien bereits verfügbar und würden langfristig Vorteile bieten, da sie nicht von möglichen künftigen Verschärfungen bei PFAS- oder F-Gas-Regelungen betroffen wären.
Der Aktionsplan sieht außerdem eine stärkere Unterstützung von Städten und Gemeinden bei der Planung klimafreundlicher Wärme- und Kühlsysteme vor. Programme wie die European City Facility sollen dabei helfen. Nach Einschätzung des EEB reichen die vorgesehenen Mittel allerdings noch nicht aus, um die große Zahl europäischer Kommunen wirksam zu unterstützen.
Mit dem Elektrifizierungsplan macht die Europäische Kommission deutlich, dass der Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung allein nicht genügt. Erst wenn auch Heizung, Verkehr und Industrie konsequent auf sauberen Strom umgestellt werden, kann Europa seine Klimaziele erreichen. Umweltorganisationen sehen den neuen Aktionsplan deshalb als wichtigen Schritt – fordern jedoch ehrgeizigere Ziele und eine konsequentere Ausrichtung auf besonders nachhaltige Technologien.
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