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EU-Kommission bremst Verbrenner-Aus: Breite Kritik an neuem Autopaket

16.12.2025

Mit ihrem neuen „Automobilpaket für einen sauberen und wettbewerbsfähigen Sektor“ sorgt die Europäische Kommission für heftige Kontroversen

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© Neri Vill Pixabay.com
Brüssel/Wien  –. Während Brüssel von mehr Flexibilität, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit spricht, warnen Umweltorganisationen, Mobilitätsverbände und auch manche Politiker:innen vor einem massiven Rückschritt beim Klimaschutz, einem industriepolitischen Fehlanreiz und dem Verlust europäischer Arbeitsplätze.


Abschied vom klaren Schnitt 2035  

Kern des Pakets ist die Abkehr vom bisher fixierten Zulassungsstopp für neue Pkw mit Verbrennungsmotor ab 2035. Statt eines vollständigen Umstiegs auf emissionsfreie Fahrzeuge sollen die CO₂-Emissionen von Neuwagen bis dahin nur noch um 90 Prozent sinken. Die restlichen zehn Prozent dürfen durch Kompensationen,  etwa mit CO₂-armem Stahl aus der EU, E-Fuels oder Biokraftstoffen,   ausgeglichen werden.

Kritiker:innen warnen, dass dies faktisch ein Weiterleben des Verbrennungsmotors über 2035 hinaus bedeutet. Nach Berechnungen könnte nahezu jedes vierte ab 2035 neu zugelassene Auto weiterhin mit Verbrennungstechnologie unterwegs sein. Die Folge seien verlorene Investitions- und Planungssicherheit, ein schwächeres Innovationssignal und zusätzliche Unsicherheit für Konsument:innen. 

„Mobilitätswende kommt – die Frage ist, wer profitiert“
 

Die grüne EU-Abgeordnete Lena Schilling spricht von einer politisch motivierten Kehrtwende auf Druck der konservativen EVP rund um Manfred Weber. „Dieser Vorschlag ist nicht nur ökologischer Unsinn, sondern ein Angriff auf die europäische Industrie“, so Schilling. Während China die Elektromobilität konsequent ausrolle, bremse Europa sich selbst aus. Prognosen zufolge könnten durch ein Aufweichen des Verbrenner-Aus bis zu eine Million Arbeitsplätze in der europäischen Auto- und Batterieindustrie gefährdet sein.

„Die Mobilitätswende kommt. Die Frage ist, ob sie europäische Arbeitsplätze rettet oder verspielt“, so Schilling. Selbst Hersteller wie Volvo hätten mehrfach betont, dass eine Pause beim 2035-Ziel eine schlechte Idee sei. 


„Europas Zukunft fährt nicht rückwärts“

Auch der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) warnt ein dringlich vor einem politischen Zickzackkurs. „Die E-Mobilität ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern Realität“, sagt BEÖ-Vorsitzender Andreas Reinhardt. Wer jetzt an den Zielen rüttele, gefährde Milliardeninvestitionen, verunsichere Unternehmen, Kommunen und Konsument:innen – und verspiele Vertrauen.

Österreich verfüge mittlerweile über rund 35.000 öffentliche Ladepunkte, knapp 40 Prozent davon betrieben von BEÖ-Mitgliedern. Jahrelange Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzausbau und Digitalisierung hätten Elektromobilität alltagstauglich gemacht. Ein politischer Rückschritt benachteilige nun genau jene, die früh Verantwortung übernommen haben.

Besonders kritisch sieht der BEÖ den Verweis auf „Technologieoffenheit“. Synthetische Kraftstoffe und Biokraftstoffe seien teuer, ineffizient und auf absehbare Zeit nicht in ausreichenden Mengen verfügbar. „Wer heute von Technologieoffenheit spricht, meint oft Technologieverschleppung“, so Reinhardt.
 

Elektromobilität als Energie- und Standortpolitik


Der BEÖ betont zudem die Bedeutung  vobn  Elektromobilität für die Energieunabhängigkeit Europas. Elektrofahrzeuge könnten überschüssigen Strom aus Photovoltaik und Wind speichern, Netze stabilisieren und langfristig sogar zur Grundversorgung beitragen. Jeder verzögerte Umstieg erhöhe hingegen die Abhängigkeit von teuren Erdölimporten.

Ähnlich argumentiert der VCÖ. Die Mobilitätsorganisation bezeichnet die Kehrtwende der EU-Kommission als Rückschritt aus Energie-, Wirtschafts- und Umweltsicht. Länder wie Norwegen (95 Prozent Elektroanteil bei Neuwagen) oder Dänemark (67 Prozent) zeigten bereits heute, dass 100 Prozent abgasfreie Neuwagen deutlich vor 2035 erreichbar seien. Österreich könne dank erneuerbarer Energien den Strom für E-Autos selbst erzeugen, während allein im Vorjahr mehr als neun Milliarden Euro für Erdölimporte ins Ausland flossen.

Kritik auch aus Wien und dem Nationalrat

Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky spricht von einem „Schlingerkurs“, der Klima und Wirtschaft ein Schleudertrauma verpasse. „Wer sich an den Verbrenner klammert, verbrennt sich die Finger“, so Czernohorszky. Die Zukunft der Mobilität liege im öffentlichen Verkehr, im Radverkehr und in elektrischen Antrieben – nicht in Lockerungen für überholte Technologien.

Auch Elisabeth Götze, Wirtschaftssprecherin der Grünen im Nationalrat, warnt vor wirtschaftspolitischem Kurzschluss. Widersprüchliche Signale aus der Politik verunsicherten Unternehmen, die längst Milliarden in alternative Antriebe investiert hätten. Statt einer teuren Doppelstrategie müsse die Transformation konsequent beschleunigt werden. 

Breite Front gegen das Aufweichen

Neben Greenpeace, BEÖ und VCÖ äußern sich auch zahlreiche Ökonom:innen kritisch. Die deutsche Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt, ein Aufschub des Verbrenner-Aus werde Arbeitsplätze nicht retten, sondern gefährden. Kurzfristige Vorteile seien trügerisch,  ähnlich wie beim Festhalten an Tastenhandys im Zeitalter der Smartphones.

Ob das Autopaket der EU-Kommission tatsächlich Wettbewerbsfähigkeit stärkt oder Europa im globalen Rennen um die Mobilität der Zukunft weiter zurückfallen lässt, wird nun in den anstehenden Verhandlungen im EU-Parlament und im Rat entschieden. Klar ist bereits jetzt: Der Widerstand gegen das Aufweichen des Verbrenner-Aus ist breit und laut -  und  er kommt längst nicht mehr nur von Umweltorganisationen.

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