ESSBAR: Balkongärten kühlen die Stadt
ESSBAR: Essbare Balkongärten für den Bestand
Einen vielversprechenden Ansatz verfolgt das Forschungsprojekt ESSBAR – Essbare BAlkongärten für Retrofit. Ziel ist es, nachrüstbare Balkonsysteme mit vertikalen Begrünungselementen zu entwickeln, die nicht nur kühlen, sondern auch Lebensqualität und Selbstversorgung fördern.
Am Beispiel eines mehrgeschoßigen Wohnbaus in der Karmarschgasse 59-63 (Wien-Favoriten) wurde erstmals gezeigt, wie diese Lösung in der Praxis funktioniert. Die vorgefertigten Balkone lassen sich schnell an bestehende Fassaden montieren und sind direkt an ein Regenwassermanagement-System mit 15.000-Liter-Tank angeschlossen. Das Wasser versorgt die Vertikalbeete, in denen ganzjährig Gemüse, Kräuter und Salate wachsen können.
Die begleitenden Simulationen am Demo-Objekt zeigen: Das System verbessert acht von zwölf Indikatoren zur Beschreibung des Mikroklimas. Das bedeutet konkret: spürbare Abkühlung durch Beschattung und Verdunstung, weniger urbane Hitzeinseln, mehr thermischer Komfort für die Bewohner:innen. Gleichzeitig wird Trinkwasser eingespart und die Kanalisation bei Starkregen entlastet.
Damit vereint das Projekt mehrere Aspekte der Klimawandelanpassung:
Kühlwirkung durch Begrünung und Beschattung
Wasserspeicherung und Regenwassernutzung
Schaffung von Außenräumen mit hoher Aufenthaltsqualität
Förderung der Biodiversität im städtischen Raum
Gesundheit und Ernährung durch essbare Pflanzen
Die Umsetzung erfordert eine komplexe Systemintegration, vom Balkonbau über die Vertikalbeete bis zum Wassermanagement. Dafür wurde zunächst ein Funktionsmuster entwickelt und wissenschaftlich untersucht, bevor das Demo-Projekt in Wien umgesetzt wurde. Besonders wichtig: Die aktive Einbindung der Bewohner:innen, die von Beginn an in den Entwicklungsprozess einbezogen wurden.
Mit ESSBAR entsteht nicht nur eine innovative Sanierungslösung, sondern auch ein Modell, das skalierbar ist und für viele weitere Wohnbauten angewandt werden kann. Die Kombination aus Klimaanpassung, Ressourcenschonung und sozialem Mehrwert macht das Projekt zu einem Leuchtturm für die Stadt der Zukunft.
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