Erlebnisbericht aus der Lobau–Besetzungszone
In der Nacht von 27. auf 28. November haben wir das Lobau–Camp vor Ort erkundet und einige AktivistInnen bei Ihrer nervenaufreibenden und oft ungedankten Arbeit begleitet. Bis jetzt ist die Aktion erfolgreich, denn nach wie vor können die Bohrmaschinen nicht in den Eingeweiden des Nationalparks ihr Werk beginnen. Der geplante Autobahn–Bau durch den Nationalpark wird dadurch natürlich nicht beschleunigt und oft ist eine ordentliche Verzögerung ein Todesstoß für ein Projekt.
Montag, 27. November: Es ist knapp vor Mitternacht und wir treffen im (vom Basis–Informations–Camp) weit entfernten "2. Bohrloch–Camp" ein. Vorbei an AktivistInnen, die Nachtwache schieben, ein kurzer Tratsch mit Anrainern, die den AktivsitInnen Essen vorbeibringen und sich für das Engagement bedanken und immer wieder "Nachschub"–AktivistInnen, die noch mitten in der Nacht ihr Zelt aufschlagen. Nach einem "Mitternacht–Snack", den ein freiwilliger Fahrrad–Bote vom Basis–Camp mitgebracht hat, sind die letzten Zelte und Planen errichtet. Manche haben nicht einmal eine Matte als Untergrund und werden auf dem komplett unebenen Boden wohl keine sehr gemütliche Nacht haben – trotz (für die Jahreszeit) moderater Temperaturen. Die AktivistInnen, die dennoch schlafen konnten, wurden von den Bewachern (group 4) bzw. Baufirmen durch ein Hupen und viel lautes Redegewirr geweckt. Im anderen Camp lief überhaupt die ganze Zeit der Motor des Sicherheits–Team–PKWs (ob das legal ist?). Aber der Baufirma und der ASFINAG wird am Morgen bald klar: Ein Arbeiten ist hier nicht möglich. Die Bohrmaschinen sind umzingelt von Zelten, überall sind AktivistInnen verstreut. Die Partner–Firmen und Bauarbeiter der ASFINAG sind leider alle zu keiner Stellungnahme bereit. Endlich findet sich ein ASFINAG–Mitarbeiter, der uns ein Interview gibt. Es ist der Projektleiter–Stellvertreter – Herr Fromm. Ein an sich junger sympathischer Mensch, der leider (aber aus seiner Sicht natürlich verständlicherweise) kein Mitgefühl für die AktivistInnen und die stillstehenden Bohrgeräte hat. Aber immerhin gibt es von beiden Seiten keinerlei Feindseligkeiten. Im Gegenteil: Den nun "arbeitslosen" Arbeitern und Baufirmen–Angestellten werden Essen und Getränke angeboten. Auch wenn diese nettgemeinte Geste nicht erwidert wird, ist sie wohl für die friedliche Stimmung mitverantwortlich. Die Exekutive zeigt sich äussert freundlich, fast freundschaftlich. Hier hat es seit Hainburg einen spürbaren Sinneswandel gegeben. UmweltaktivistInnen werden nicht mehr als Feindbilder gesehen, denn die Polizisten merken, dass das "ganz normale" Menschen sind, die in ihrer Freizeit auch lieber gemütlich vor dem Fernseher sitzen oder ein heisses Bad nehmen würden, als hier in der Lobau zu frieren… Vor allem der friedliche, passive Widerstand wird wohl wahrgenommen. Und von Häupl ist ja zum Glück kein Eingreifen der Exekutive gewünscht, da er kein 2. Hainburg erleben möchte. Es sind die einfachen Dinge, die die AktivistInnen, die hier vielfach seit 1. November praktisch täglich da sind, vermissen. Neben dem Wunsch nach einem Bad oder einer Dusche zB. das Internet mit all seinen Möglichkeiten. Kofler Michael von einer Bürgerinitiative harrt aber dennoch aus und hofft, dass die ASFINAG die Bohrarbeiten einstellt und zuerst die bereits entnommenen Proben analyisiert werden. Ausserhalb des Nationalparks wurden ja bereits Probebohrungen gestartet…
Ein beklemmendes Gefühl umschleicht uns beim Verlassen des Camps. Soviele haben sich über die Unterstützung und Solidarität gefreut. Soviele setzen ihre persönliche (Job– und finanzielle) Existenz auf‚s Spiel, um hier täglich auszuharren, Informationsmaterial zu verteilen, sich vor rollende Bohrmaschinen zu schmeissen oder einfach Essen von einem Camp zum Anderen zu transportieren. Kariere und Geld, 2 der wichtigsten Prestige–Faktoren unserer Gesellschaft opfern diese Menschen für ihre Ideale. Jede(r) Einzelne verdient unsere bestmögliche Unterstützung. Wir werden immer wieder weiter vor Ort berichten. Bis dahin wünschen wir allen AktivistInnen weiterhin soviel Tapferkeit und Durchhaltevermögen wie bisher.
Bild 1: Noch um Mitternacht werden Zelte aufgestellt. Rund ums Bohrfahrzeug "kuscheln" sich die Zelte zusammen.
Bild 2: Im Basis–Camp ist Mülltrennung Pflicht schließlich sind hier Umweltschützer am Werk und da geht man am besten mit gutem Vorbild voran.
Bild 3: Engagierte Köche sind rund um die Uhr im Einsatz und sorgen für abwechslungsreiche Mahlzeiten.
Bild 4: Abwaschen muss trotzdem jede(r) selbst…
Bild 5: Von früh…
Bild 6: … bis spät in der Nacht sind freiwillige "Essensboten" unterwegs.
Bild 7: Mitten in der Nacht ein Zelt aufbauen geht gemeinsam gleich viel einfacher…
Bild 8: Ob bei Tag oder bei Nacht: Wichtige Zufahrtsstrassen werden immer bewacht.
Bild 9: Nicht die Lobauautobahn wird gebaut, sondern der Damm erneuert.
Bild 10: Zutritt verboten… ASFINAG–Fahrzeuge werden durch friedlichen aber bestimmten passiven Widerstand nicht in den Nationalpark gelassen.
Bild 11: Ein Camp bei einer Bohrmaschine bei Tag
Bild 12: Ein anderes Camp bei einer 2. Bohrmaschine. Hier wurde versucht, die Bohrung störungsfreier zu gestalten, indem begonnen wurde, einen Zaun rund um das geplante Bohrloch aufzustellen, wären…
Bild 13: … den Lobau–Betonierern da nicht ein paar hartnäckige Aktivisten mit Zelt (und Gitarre) dazwischen gekommen….
Bild 14: … immer wieder wichtig zur AktivistInnen–Motivation: Der Essensnachschub – nachhaltig mit Muskelkraft transportiert
Montag, 27. November: Es ist knapp vor Mitternacht und wir treffen im (vom Basis–Informations–Camp) weit entfernten "2. Bohrloch–Camp" ein. Vorbei an AktivistInnen, die Nachtwache schieben, ein kurzer Tratsch mit Anrainern, die den AktivsitInnen Essen vorbeibringen und sich für das Engagement bedanken und immer wieder "Nachschub"–AktivistInnen, die noch mitten in der Nacht ihr Zelt aufschlagen. Nach einem "Mitternacht–Snack", den ein freiwilliger Fahrrad–Bote vom Basis–Camp mitgebracht hat, sind die letzten Zelte und Planen errichtet. Manche haben nicht einmal eine Matte als Untergrund und werden auf dem komplett unebenen Boden wohl keine sehr gemütliche Nacht haben – trotz (für die Jahreszeit) moderater Temperaturen. Die AktivistInnen, die dennoch schlafen konnten, wurden von den Bewachern (group 4) bzw. Baufirmen durch ein Hupen und viel lautes Redegewirr geweckt. Im anderen Camp lief überhaupt die ganze Zeit der Motor des Sicherheits–Team–PKWs (ob das legal ist?). Aber der Baufirma und der ASFINAG wird am Morgen bald klar: Ein Arbeiten ist hier nicht möglich. Die Bohrmaschinen sind umzingelt von Zelten, überall sind AktivistInnen verstreut. Die Partner–Firmen und Bauarbeiter der ASFINAG sind leider alle zu keiner Stellungnahme bereit. Endlich findet sich ein ASFINAG–Mitarbeiter, der uns ein Interview gibt. Es ist der Projektleiter–Stellvertreter – Herr Fromm. Ein an sich junger sympathischer Mensch, der leider (aber aus seiner Sicht natürlich verständlicherweise) kein Mitgefühl für die AktivistInnen und die stillstehenden Bohrgeräte hat. Aber immerhin gibt es von beiden Seiten keinerlei Feindseligkeiten. Im Gegenteil: Den nun "arbeitslosen" Arbeitern und Baufirmen–Angestellten werden Essen und Getränke angeboten. Auch wenn diese nettgemeinte Geste nicht erwidert wird, ist sie wohl für die friedliche Stimmung mitverantwortlich. Die Exekutive zeigt sich äussert freundlich, fast freundschaftlich. Hier hat es seit Hainburg einen spürbaren Sinneswandel gegeben. UmweltaktivistInnen werden nicht mehr als Feindbilder gesehen, denn die Polizisten merken, dass das "ganz normale" Menschen sind, die in ihrer Freizeit auch lieber gemütlich vor dem Fernseher sitzen oder ein heisses Bad nehmen würden, als hier in der Lobau zu frieren… Vor allem der friedliche, passive Widerstand wird wohl wahrgenommen. Und von Häupl ist ja zum Glück kein Eingreifen der Exekutive gewünscht, da er kein 2. Hainburg erleben möchte. Es sind die einfachen Dinge, die die AktivistInnen, die hier vielfach seit 1. November praktisch täglich da sind, vermissen. Neben dem Wunsch nach einem Bad oder einer Dusche zB. das Internet mit all seinen Möglichkeiten. Kofler Michael von einer Bürgerinitiative harrt aber dennoch aus und hofft, dass die ASFINAG die Bohrarbeiten einstellt und zuerst die bereits entnommenen Proben analyisiert werden. Ausserhalb des Nationalparks wurden ja bereits Probebohrungen gestartet…
Ein beklemmendes Gefühl umschleicht uns beim Verlassen des Camps. Soviele haben sich über die Unterstützung und Solidarität gefreut. Soviele setzen ihre persönliche (Job– und finanzielle) Existenz auf‚s Spiel, um hier täglich auszuharren, Informationsmaterial zu verteilen, sich vor rollende Bohrmaschinen zu schmeissen oder einfach Essen von einem Camp zum Anderen zu transportieren. Kariere und Geld, 2 der wichtigsten Prestige–Faktoren unserer Gesellschaft opfern diese Menschen für ihre Ideale. Jede(r) Einzelne verdient unsere bestmögliche Unterstützung. Wir werden immer wieder weiter vor Ort berichten. Bis dahin wünschen wir allen AktivistInnen weiterhin soviel Tapferkeit und Durchhaltevermögen wie bisher.
Bild 1: Noch um Mitternacht werden Zelte aufgestellt. Rund ums Bohrfahrzeug "kuscheln" sich die Zelte zusammen.
Bild 2: Im Basis–Camp ist Mülltrennung Pflicht schließlich sind hier Umweltschützer am Werk und da geht man am besten mit gutem Vorbild voran.
Bild 3: Engagierte Köche sind rund um die Uhr im Einsatz und sorgen für abwechslungsreiche Mahlzeiten.
Bild 4: Abwaschen muss trotzdem jede(r) selbst…
Bild 5: Von früh…
Bild 6: … bis spät in der Nacht sind freiwillige "Essensboten" unterwegs.
Bild 7: Mitten in der Nacht ein Zelt aufbauen geht gemeinsam gleich viel einfacher…
Bild 8: Ob bei Tag oder bei Nacht: Wichtige Zufahrtsstrassen werden immer bewacht.
Bild 9: Nicht die Lobauautobahn wird gebaut, sondern der Damm erneuert.
Bild 10: Zutritt verboten… ASFINAG–Fahrzeuge werden durch friedlichen aber bestimmten passiven Widerstand nicht in den Nationalpark gelassen.
Bild 11: Ein Camp bei einer Bohrmaschine bei Tag
Bild 12: Ein anderes Camp bei einer 2. Bohrmaschine. Hier wurde versucht, die Bohrung störungsfreier zu gestalten, indem begonnen wurde, einen Zaun rund um das geplante Bohrloch aufzustellen, wären…
Bild 13: … den Lobau–Betonierern da nicht ein paar hartnäckige Aktivisten mit Zelt (und Gitarre) dazwischen gekommen….
Bild 14: … immer wieder wichtig zur AktivistInnen–Motivation: Der Essensnachschub – nachhaltig mit Muskelkraft transportiert
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