Energiewende finanzieren: Milliardenersparnis durch günstigere Kapitalkosten möglich
Die deutsche Energiewende wird teuer: Bis 2035 sind Investitionen von 780 bis 1.035 Milliarden Euro notwendig , das ist mehr als doppelt so viel wie in der vergangenen Dekade. Doch nicht nur die Höhe der Investitionen entscheidet über die Kosten. Auch die Frage, wie diese finanziert werden, bietet laut einer neuen Analyse von McKinsey erhebliches Einsparpotenzial.
Den größten Investitionsbedarf gibt es bei der Strominfrastruktur. Dafür werden bis 2035 zwischen 680 und 910 Milliarden Euro benötigt, etwa die Hälfte davon für den Ausbau erneuerbarer Energien. Weitere Milliarden fließen in Wärme-, Gas- und Wasserstoffinfrastruktur.
Deutschland habe grundsätzlich kein Kapitalproblem, so die Analyse. Problematisch sei vielmehr der bislang begrenzte Zugang zu privatem Infrastrukturkapital. Während etwa in Großbritannien rund 54 Prozent der Infrastrukturinvestitionen privat finanziert werden, spielt privates Kapital in Deutschland bislang eine deutlich kleinere Rolle.
Ein wichtiger Hebel sind laut McKinsey langfristig stabile und kalkulierbare Einnahmen. Sie machen Energieinfrastruktur für Versicherungen, Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren attraktiver.
Auch kleinere Projekte könnten gebündelt werden. Von den knapp 900 deutschen Energieversorgern haben rund 500 eine Bilanzsumme von weniger als 50 Millionen Euro. Fonds oder gemeinsame Plattformen könnten solche Projekte zu größeren, für Investoren interessanteren Portfolios zusammenfassen.
Besonders groß ist das Einsparpotenzial bei der Kapitalstruktur. Eine stärkere Nutzung von Fremdkapital könnte bei geeigneten Risiken die Finanzierungskosten reduzieren. Allein eine Verringerung der Eigenkapitalquote von 60 auf 40 Prozent könnte zwischen 2025 und 2035 9 bis 11 Milliarden Euro einsparen.
Weitere 4 bis 5 Milliarden Euro wären durch gebündelte Finanzierung nach internationalen Vorbildern möglich. Insgesamt errechnet McKinsey damit ein Einsparpotenzial von 13 bis 16 Milliarden Euro bis 2035. Umgelegt auf die Haushalte entspricht das rund 30 bis 35 Euro pro Haushalt und Jahr.
Werden die Finanzierungsmodelle auch auf die Refinanzierung bereits bestehender Anlagen angewendet, könnte zusätzlich ein Potenzial von 10 bis 20 Milliarden Euro entstehen.
Die Botschaft der Analyse ist damit klar: Eine günstigere Energiewende beginnt nicht erst bei der Technologie, sondern bereits bei ihrer Finanzierung. Wenn Politik, Energieversorger und Investoren neue Modelle für die Finanzierung von Netzen, Speichern und erneuerbaren Energien entwickeln, könnte das die Kosten der Transformation dauerhaft senken.
Der Energiewende-Index von McKinsey bietet alle sechs Monate einen Überblick über den Status der
Energiewende in Deutschland. Feedback und Rückmeldung dazu sind ausdrücklich erwünscht. Einen
detaillierten Überblick über den Index und die 15 untersuchten Indikatoren finden Sie unter
www.mckinsey.de/energiewendeindex