Elektroautos: Globaler Markt auf Rekordkurs
Damit würde bereits mehr als jeder vierte Neuwagen (27 Prozent) weltweit elektrisch fahren. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei rund 9 Prozent.
Langfristig erwartet BloombergNEF, dass bis 2035 bereits über die Hälfte aller verkauften Pkw elektrisch sein werden. Gleichzeitig wurde die Prognose jedoch zum zweiten Mal in Folge leicht nach unten korrigiert, vor allem wegen politischer Rückschritte in den USA und einer etwas langsameren Marktdynamik in China.
China bleibt das Zentrum der globalen E-Mobilität. Bereits 2025 entfielen 63 Prozent aller weltweiten E-Auto-Verkäufe auf den chinesischen Markt. Im Inland machen Elektrofahrzeuge inzwischen fast zwei Drittel aller Neuwagenverkäufe aus.
Auch künftig wird China eine Schlüsselrolle spielen: Bis 2030 soll das Land weiterhin mehr als die Hälfte der globalen EV-Nachfrage stellen. Möglich wird das durch eine hoch entwickelte Batterieindustrie, starke lokale Hersteller und aggressive Preiskonkurrenz.
Besonders dynamisch entwickeln sich inzwischen die Schwellen- und Wachstumsmärkte. In Südostasien und Lateinamerika steigt die Nachfrage deutlich. Sie ist oft schneller als in den USA oder in manchen Teilen Europas.
Einige Beispiele aus dem Bericht:
- In Singapur war bereits 2025 rund die Hälfte aller Neuwagen elektrisch
- In Vietnam lag der Anteil bei etwa 39 Prozent
- In Thailand hatten E-Fahrzeuge rund 27 Prozent Marktanteil, stark geprägt durch chinesische Hersteller
- In der Türkei hat sich der Absatz innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt
In vielen dieser Länder spielen günstige chinesische Modelle, lokale Industriepolitik und der Wunsch nach geringerer Abhängigkeit von Ölimporten eine zentrale Rolle. Die geopolitischen Spannungen der USA mit dem Iran haben das Segment weiter verstärkt.
Während der globale Trend nach oben zeigt, entwickeln sich einige Industriemärkte schwächer.
In den USA erwartet BloombergNEF für 2026 einen Rückgang der E-Auto-Verkäufe um rund 19 Prozent. Gründe sind der Rückbau politischer Förderungen sowie die Abschwächung regulatorischer Vorgaben für Emissionen.
Auch in Europa bleibt die Lage gemischt: Zwar hat sich der Markt nach einer Schwächephase nun stabilisiert, aber teilweise hohe Fahrzeugpreise bremsen die breite Marktdurchsetzung derzeit noch. In großen Märkten wie Deutschland, Italien und Großbritannien liegen die Preise für batterieelektrische Fahrzeuge noch rund 17 Prozent über vergleichbaren Verbrennern, auch wenn sich diese Lücke zuletzt deutlich verringert hat und in Zukunft weitere Anpassungen erwartet werden.
Ein zentraler Treiber der Entwicklung bleibt der Preisverfall bei Batterien. Trotzdem bleibt die Produktion in Europa und in Nordamerika teurer als in China, das von Skaleneffekten, äußerst günstiger Finanzierung und einer stark integrierten Lieferkette profitiert.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Automobilindustrie, erschwinglichere Modelle anzubieten, vor allem im Segment um 25.000 Euro, das als entscheidend für den Massenmarkt gilt.
Der wachsende E-Auto-Bestand verändert auch die globale Energienachfrage deutlich. Laut BloombergNEF könnte der Straßenverkehrssektor bereits 2029 seinen Höhepunkt beim Ölverbrauch erreichen.
Bis 2040 könnten durch Elektrifizierung und Effizienzgewinne weltweit 25,8 Millionen Barrel Öl pro Tag eingespart werden, was ein massiver struktureller Einschnitt für den Ölmarkt ist.
Parallel steigt der Strombedarf stark an: Der weltweite EV-Fuhrpark könnte bis 2040 über 2.700 Terawattstunden verbrauchen, was erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien, Stromnetze und Ladeinfrastruktur erfordert.
Neben dem klassischen Pkw-Markt gewinnen weitere Bereiche immens an Bedeutung:
- Elektrische Busse sind bereits in vielen Ländern über 50 Prozent der Neuzulassungen
- E-Vans erreichen bis 2030 voraussichtlich rund ein Drittel Marktanteil
- E-Lkw bleiben zwar in manchen Ländern noch zurück, wachsen aber in regulierten Märkten wie Europa und China stark
- Robotaxis wie die von Waymo fahren bereits deutlich höhere Jahresdistanzen als klassische Carsharing-Flotten
Gleichzeitig rückt die Netzintegration von E-Autos stärker in den Fokus. Fahrzeuge werden zunehmend als mobile Speicher betrachtet, die Strom zurück ins Netz oder ins Haus liefern können (bidirektionales Laden).
Der globale E-Auto-Markt bleibt klar auf Wachstumskurs. Aber die Entwicklung verläuft zunehmend asymmetrisch: Während China und viele Schwellenländer die Transformation beschleunigen, bremsen politische Unsicherheiten und Kostenprobleme in den USA und in Teilen Europas die Dynamik etwas ab.
Die langfristige Richtung geht jedoch eindeutig zu einer elektrifizierten globalen Fahrzeugflotte.