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Die Alpen–Smaragdlibelle ist Libelle des Jahres 2023

01.01.2023
©  Franz–Josef Schiel / Die männliche Alpen–Smaragdlibelle
©  Franz–Josef Schiel / Die männliche Alpen–Smaragdlibelle
Berlin – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (Libellenkundler, GdO) haben die Alpen–Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) zur Libelle des Jahres 2023 gekürt. Die Alpen–Smaragdlibelle ist eine in ganz Deutschland seltene Großlibelle. Sie zählt zu den Verliererinnen des Klimawandels und ist vom Aussterben bedroht.
Diese Art ist nicht einfach zu bestimmen und wird aufgrund ihrer Seltenheit und der Unzugänglichkeit ihrer Lebensräume auch nicht häufig beobachtet. Anhand der Kopfzeichnung, Merkmalen im Flügelgeäder und der Form der Hinterleibsanhänge beim Männchen und des Legeapparates beim Weibchen kann die Alpen–Smaragdlibelle von ähnlichen verwandten Arten wie z.B. der Arktischen Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) unterschieden werden.
Die Alpen–Smaragdlibelle hat ein über den Polarkreis nach Norden reichendes Verbreitungsgebiet, das von Norwegen über Sibirien bis in den Norden Japans im Osten reicht. In Deutschland kommt diese „kälteliebende“ Art daher nur in Lagen über 750 Meter Meereshöhe in Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Bayerischem Wald und Schwarzwald sowie in den bayerischen Alpen vor.
In den Mittelgebirgen kommt die Art nahezu ausschließlich in Zwischen– und Hochmooren vor. Wesentliche Larvalgewässer sind dort primäre Kleinstgewässer wie Schlenken und Rüllen, aber auch Sekundärgewässer wie angestaute Gräben. Wichtig ist, dass diese Gewässer nicht oder allenfalls kurzzeitig austrocknen. In den höheren Lagen der Alpen werden auch größere Gewässer wie Weiher und Kleinseen besiedelt. Der Lebenszyklus der Art ist mehrjährig. Die kurze Schlupfperiode beginnt in Deutschland im Mai und nur in hohen Lagen erst im Juni, die Flugzeit dauert außer in den Hochlagen meist nur bis in den August an.
Die Gefährdungsursachen sind neben der Seltenheit der spezifischen Lebensräume die starken Auswirkungen des Klimawandels auf die Larvalhabitate (Lebensräume der Larven), vor allem deren Austrocknung, Verlandung und eine für die Larven schädliche Temperaturerhöhung. Erschwerend ist die starke Isolation der Vorkommen (vertikal und horizontal, da in den Mittelgebirgen kein Ausweichen nach oben möglich ist). Diese Wirkungen bedingen und verstärken sich gegenseitig und in Kombination mit der ohnehin schon gegebenen Seltenheit besteht daher in den Mittelgebirgen eine sehr große Aussterbewahrscheinlichkeit.
Notwendig zum Schutz und zur Erhaltung dieser z.B. nicht direkt durch die FFH–Richtlinie geschützten Art ist ein fortgeführter intensiver Schutz der Lebensräume. Dieser kann aber nur erfolgreich sein, wenn gesamtgesellschaftlich der Klimakrise begegnet wird und die schon längst klar definierten Ziele erreicht werden. Bei der Alpen–Smaragdlibelle wird dies sehr deutlich, da schon angelaufene und zunächst gut funktionierende Maßnahmen zur Verbesserung und Revitalisierung der Moorlebensräume durch die Trockenheit der letzten Jahre konterkariert werden und es unsicher ist, wie diese Habitate sich weiter entwickeln werden.
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01.01.2023 | Autor*in: holler
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