Die Alpen brauchen eine Stimme: CIPRA macht Klimawandel, Mobilität und Gletscherschwund hörbar
Von Liechtenstein aus verbindet das Netzwerk Menschen und Organisationen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Ziel ist es, komplexe Entwicklungen verständlich zu vermitteln, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und damit Veränderung anzustoßen.
„Unsere Aufgabe ist es, Wissen und Erfahrungen zu teilen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen“, sagt Jakob Dietachmair, Geschäftsleiter von CIPRA International. „Nur so entstehen tragfähige Lösungen für einen nachhaltigeren Alpenraum.“
Wenn der Gletscher verschwindet, beginnt die Diskussion
Wie dringend diese Kommunikation ist, zeigt der Blick auf die Gletscher. Das aktuelle Themenheft „SzeneAlpen: Nach dem Gletscher“ beschäftigt sich mit den Folgen des fortschreitenden Gletscherschwunds und der Frage, wie Gesellschaften mit einer Landschaft umgehen können, die sich grundlegend verändert.
Auch der Podcast „Stimmen entlang der Via Alpina“ setzt auf persönliche Geschichten. Menschen entlang des internationalen Weitwanderwegs kommen zu Wort und erzählen von ihrem Leben, ihren Erfahrungen und ihren Perspektiven auf den Alpenraum.
Damit setzt CIPRA bewusst nicht nur auf Zahlen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Persönliche Geschichten sollen Wissen greifbar machen und den Blick auf die Menschen hinter den großen Alpenthemen lenken.
Wasser wird zur Zukunftsfrage
Ein zentraler Schwerpunkt war 2025 auch die zunehmende Bedeutung der Ressource Wasser. Beim ZukunftsForum Alpen 2025 in Schaan diskutierten mehr als 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Alpenländern über die Herausforderungen rund um das knapper werdende Wasser.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Regionen. Klimawandel, steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und schwindende Gletscher beeinflussen Wasserversorgung, Landwirtschaft, Energieerzeugung, Tourismus und Ökosysteme gleichzeitig.
Die CIPRA versteht sich dabei als Plattform, die unterschiedliche Interessen zusammenbringt – und damit einen Beitrag leisten will, aus Konflikten gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Nachhaltige Mobilität statt Verkehrskollaps
Auch die Mobilität gehört zu den zentralen Themen der CIPRA. Gerade im sensiblen Alpenraum treffen hohe Verkehrsbelastungen auf begrenzten Raum und besonders verletzliche Natur- und Lebensräume.
Mit Stellungnahmen, politischer Arbeit und konkreten Projekten setzt sich das Netzwerk deshalb für eine nachhaltigere Mobilität im Alpenraum ein. Dabei geht es nicht nur um technische Lösungen, sondern auch um die Frage, wie Mobilität künftig organisiert werden kann und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind.
Inklusion, Bodenschutz und Beteiligung
Der Jahresbericht zeigt gleichzeitig, dass Alpenschutz weit mehr umfasst als Klimaschutz. Beim Erasmus+-Jugendprojekt „Via Alpina Youth“ wurden inklusive Bergerlebnisse entlang des Weitwanderwegs ermöglicht.
Die Projekte „Ground:breaking“ und „Listen“ beschäftigen sich mit Bodenschutz, Entsiegelung und Beteiligung. Eine zentrale Erkenntnis: Beteiligung beginnt mit dem Zuhören.
Auch die nationalen und regionalen CIPRA-Vertretungen setzen eigene Schwerpunkte – von Energiewende und Klimaschutz bis hin zu Biodiversität.
Gemeinsam für einen lebenswerten Alpenraum
Für Liechtensteins Regierungschef-Stellvertreterin und Umweltministerin Sabine Monauni ist Zusammenarbeit entscheidend: „Nur durch gemeinsames Handeln können wir unseren Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum langfristig erhalten.“
Genau hier sieht CIPRA ihre Rolle: Wissen bündeln, Erfahrungen austauschen, Debatten anstoßen und Menschen miteinander verbinden.
Denn die Herausforderungen im Alpenraum machen nicht an Grenzen halt. Was mit dem Rückgang eines Gletschers beginnt, kann Auswirkungen auf Wasser, Landwirtschaft, Energie und Tourismus weit über das betroffene Tal hinaus haben.
Der neue Jahresbericht zeigt deshalb auch: Wer die Zukunft der Alpen gestalten will, muss nicht nur handeln – sondern miteinander reden, zuhören und Wissen teilen. Die weiteren Aktivitäten und Projekte von CIPRA International aus dem Jahr 2025 sind im digitalen Jahresbericht zusammengefasst.