Deutschlands größte DC-gekoppelte PV-Anlage entsteht in Baden-Württemberg
Die Anlage befindet sich aktuell im Bau und soll nach Fertigstellung eine installierte Leistung von 11,6 Megawatt Peak (MWp) erreichen. Ergänzt wird sie durch eine Batteriekapazität von 20 Megawattstunden (MWh), verteilt auf 1.660 einzelne Speichermodule. Diese sind in sogenannten „SigenStacks“ organisiert – stapelbaren Einheiten, die direkt in die PV-Unterkonstruktion integriert werden.
Im Unterschied zu herkömmlichen Großprojekten setzt das Konzept auf eine dezentrale Speicherarchitektur. Anstelle großer Batteriecontainer werden die Speichermodule direkt bei den Solarmodulen installiert. Das reduziert nicht nur den Flächenverbrauch und vermeidet zusätzliche Bodenversiegelung, sondern vereinfacht auch die Installation: Die Systeme können ohne schwere Kräne montiert werden.
Ein zentraler technologischer Vorteil des Projekts liegt in der sogenannten DC-Kopplung. Während bei klassischen Anlagen Strom mehrfach zwischen Gleich- und Wechselstrom umgewandelt werden muss, bleibt er hier zunächst im Gleichstromsystem. Überschüssige Energie wird direkt in den Batterien gespeichert und erst bei der Einspeisung ins Stromnetz umgewandelt.
Das steigert die Effizienz und ermöglicht gleichzeitig eine bessere Nutzung der vorhandenen Netzanschlüsse. Obwohl der Netzanschlusspunkt auf 8,8 Megawatt begrenzt ist, kann die Anlage mehr Strom erzeugen. Überschüsse werden zwischengespeichert und später – je nach Nachfrage – ins Netz eingespeist.
Unterstützt wird dieses System durch intelligente Steuerung: Eine integrierte KI analysiert Netzbedarf und Marktpreise, um den optimalen Zeitpunkt für die Einspeisung zu bestimmen. Dadurch lassen sich zusätzliche Erlöse erzielen und die Wirtschaftlichkeit der Anlage deutlich steigern.
Ein weiterer Vorteil der DC-Technologie liegt in ihrer netzentlastenden Wirkung. Da mehr Strom lokal gespeichert und flexibel eingespeist werden kann, sinkt der Bedarf an zusätzlichem Netzausbau. Das könnte langfristig auch Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher reduzieren.
Die Umsetzung des Projekts erfolgt in enger Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen:
- Sigenergy liefert Speicherlösungen, Wechselrichter und elektrotechnische Komponenten
- Arausol übernimmt Planung, Bau und Unterkonstruktion
- Memodo sorgt für Beschaffung und Marktintegration
Der Netzanschluss der Anlage ist für Juli 2026 geplant.
Für die beteiligten Unternehmen hat das Projekt auch strategische Bedeutung. Es zeigt, dass sich moderne Energiesysteme im großen Maßstab effizienter, flexibler und umweltfreundlicher gestalten lassen – insbesondere durch die Kombination aus DC-Kopplung, dezentralen Speichern und intelligenter Steuerung.
Damit könnte das Projekt in Weissach im Tal zu einem Modell für zukünftige Photovoltaik-Großanlagen in Deutschland und Europa werden.
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