Deutschland: Biomasseausschreibung deutlich überzeichnet
Berlin - Die jüngste Biomasseausschreibung der Bundesnetzagentur (BNetzA) im Oktober hat ein großes Interesse ausgelöst: Für das ausgeschriebene Volumen von 813 Megawatt (MW) installierter Leistung gingen Gebote über insgesamt 940 MW ein. Trotz der kurzfristigen Erhöhung des Ausschreibungsvolumens blieb die Nachfrage damit klar über dem Angebot.
800 MW gesichert – wichtiges Signal für Versorgungssicherheit
Auch wenn 127 MW an Geboten unberücksichtigt bleiben mussten, zeigt sich die Branche erleichtert. Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB), bewertet das Ergebnis positiv:
„Hunderte Biogasanlagen haben einen Zuschlag und damit eine Perspektive für den Weiterbetrieb bekommen. Das ist ein starkes Signal für die Versorgungssicherheit: Biogas liefert über 800 MW gesicherte Leistung – wetterunabhängig und jederzeit verfügbar. Diese Kapazitäten sind für die Energiewende unverzichtbar.“
Druck auf Betreiber bleibt hoch
Die Bioenergieverbände im HBB warnen jedoch davor, das Ergebnis als ungetrübten Erfolg zu interpretieren. Viele Betreiber seien aufgrund der Wettbewerbssituation gezwungen gewesen, wirtschaftlich riskante Niedriggebote abzugeben. Besonders Anlagen, die in den vergangenen Ausschreibungen leer ausgegangen waren, sahen in der Oktober-Runde die letzte Chance auf eine Anschlussförderung.
Zudem gebe es weiterhin keine zufriedenstellenden Lösungen für kleine Bestandsanlagen oder für Anlagen, deren Vergütung bald ausläuft und die bisher keinen Zuschlag erhalten haben. Auch Probleme beim Netzanschluss seien nach wie vor ein Hemmnis.
Bereits Anfang des Jahres hatten die Verbände daher ein überarbeitetes Biomassepaket 2.0 vorgelegt. Gefordert werden darin unter anderem praxisnähere Flexibilitätsanforderungen sowie eine Erhöhung der Ausschreibungsvolumina ab 2027, um den Bedarf der Branche angemessen abzubilden.
Appell an die Politik: Potenzial der Biogasspeicherkraftwerke heben
Rostek mahnt, dass ein Kurswechsel notwendig sei, um Energieverluste zu vermeiden:
„Wenn wir das enorme Potenzial der Biogas-Speicherkraftwerke für ein flexibles und sicheres Stromsystem nutzen wollen, dürfen wir nicht hinnehmen, dass bei jeder Ausschreibungsrunde dutzende Terawattstunden Strom und Wärme verloren gehen. Wenn der Weg der mehrfachen Überbauung von Biogasanlagen als richtig anerkannt ist, müssen wir diesen Anlagen auch langfristig wirtschaftliche Perspektiven bieten.“
Zuschlagszahlen im Detail
Insgesamt 692 Gebote erhielten einen Zuschlag:
33 Zuschläge für Neuanlagen mit zusammen 63 MW
659 Zuschläge für Bestandsanlagen mit 752 MW
87 Gebote wurden ausgeschlossen. Die Gebotswerte reichten von 11,00 bis 19,48 ct/kWh. Der mengengewichtete Durchschnittszuschlagswert lag bei 18,11 ct/kWh – und damit klar unter dem Höchstwert für Bestandsanlagen von 19,43 ct/kWh.
Regional entfiel das größte Zuschlagsvolumen auf:
Bayern: 276 MW (266 Zuschläge)
Niedersachsen: 143 MW (122 Zuschläge)
Nordrhein-Westfalen: 94 MW (63 Zuschläge)
Mit dem Ergebnis der Oktober-Ausschreibung ist für viele Betreiber eine wichtige Hürde genommen – doch die Debatte um die zukünftige Ausgestaltung der Biomasseförderung erhält neuen Auftrieb.