Deutscher Umweltpreis 2026: Auszeichnung für Klimarecht und innovative Abwassertechnik
Die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den höchstdotierten Umweltpreisen Europas. Überreicht wird sie am 25. Oktober 2026 in Aachen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Die DBU würdigt mit Verheyen und Vossenkaul zwei Persönlichkeiten, die auf sehr unterschiedliche Weise an zentralen Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes arbeiten: Verheyen setzt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten dafür ein, dass Umwelt- und Klimaschutz rechtlich durchgesetzt werden. Vossenkaul entwickelt technische Lösungen für eine energieeffizientere und leistungsfähigere Abwasserreinigung.
„Beide leisten innovative Pionierarbeit und bringen den Umweltschutz voran“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.
Klimagerechtigkeit vor Gericht
Roda Verheyen nutzt das Recht als Instrument für Umwelt- und Klimaschutz. Die 1972 in Düsseldorf geborene und in Hamburg aufgewachsene Juristin beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit rechtlichen Fragen rund um Klimawandel und Umweltveränderungen.
Dabei geht es ihr nicht nur darum, bestehende Regeln anzuwenden. Verheyen arbeitet als Sachverständige, berät Politik und Zivilgesellschaft, wirkt an Gesetzesinitiativen mit und entwickelt juristische Strategien und Klagen.
Die DBU würdigt insbesondere ihren Einsatz dafür, Menschen, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, rechtlich Gehör zu verschaffen und gleichzeitig die Rechte künftiger Generationen zu berücksichtigen.
„Sie gibt Betroffenen des Klimawandels eine Stimme“, erklärt Bonde. Verheyen habe entscheidend dazu beigetragen, dass Umwelt- und Klimaaspekte von Gerichten angemessen berücksichtigt werden können. Ihre Rolle versteht die Juristin dabei als die einer „Möglichmacherin“: Angesichts der Klimakrise müsse der Staat handlungsfähig bleiben und seine rechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen.
Von der Garage zur Abwassertechnik der Zukunft
Der zweite Preisträger steht für eine ganz andere Art von Umweltinnovation. Klaus Vossenkaul gründete Membion 2012 gemeinsam mit dem Verfahrenstechnik-Ingenieur Dirk Volmering – zunächst buchstäblich als Garagenunternehmen.
Heute beschäftigt das Unternehmen rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Entwickelt wurde eine Membranbioreaktor-Technologie, die Abwasser besonders effektiv reinigen und dabei deutlich energieeffizienter arbeiten soll als bisherige Membransysteme.
Das Herzstück sind winzige Hohlfasermembranen: rund 1,60 Meter lange, dünne Röhrchen, die an Spaghetti erinnern. Ihre feinen Poren halten unter anderem Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime zurück. Am Ende des Reinigungsprozesses entsteht entsprechend klares Wasser.
Membranverfahren sind in der Abwasserreinigung grundsätzlich keine neue Technologie. Ihr großer Nachteil war jedoch davor unter anderem der vergleichsweise hohe Energiebedarf. Die Membranen müssen regelmäßig gereinigt werden, damit sie nicht durch Schlamm verstopfen.
Vossenkaul und sein Team haben diesen Prozess weiterentwickelt. Ziel war es, hohe Reinigungsleistung mit geringerem Energie- und Platzbedarf und damit auch wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit zu verbinden.
„GreenTech made in Germany“
Für DBU-Generalsekretär Bonde ist die Entwicklung ein Beispiel für deutsche Umwelttechnologie mit internationalem Potenzial. „Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum Exportschlager.“
Die Technologie wird bereits industriell eingesetzt, unter anderem beim Lebensmittelkonzern McCain. Noch größer ist das geplante Einsatzgebiet in der kommunalen Abwasserreinigung: In Wolfsburg-Stahlberg entsteht derzeit Deutschlands größte Membran-Kläranlage.
Die Technologie könnte damit genau zum richtigen Zeitpunkt kommen. Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie verlangt für bestimmte größere Anlagen und Anlagen in Risikogebieten künftig eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen.
Mehr sauberes Wasser bei weniger Energieverbrauch
Vossenkaul setzt dabei auf ein modulares System. Mehr als 1.600 Hohlfasermembranen werden in einem sogenannten Fußelement gebündelt. Die Elemente hängen in mannshohen Gehäusen und werden direkt in das Abwasser beziehungsweise den Klärschlamm eingetaucht.
Für die Reinigung der Membranen entwickelte das Unternehmen unter anderem den „JetSplash“-Effekt. Dabei werden die Membranen durch einen kurzen Luftstoß gereinigt. Das soll den Energiebedarf gegenüber herkömmlichen Verfahren reduzieren.
In der geplanten Anlage in Wolfsburg sollen künftig rund 3.000 solcher Fußelemente eingesetzt werden.
Das gereinigte Wasser könnte nicht nur Oberflächengewässer wie Flüsse, Seen und Talsperren entlasten. Es eröffnet auch Möglichkeiten für eine Wiederverwendung, etwa zur Bewässerung in der Landwirtschaft. Gerade angesichts zunehmender Hitze- und Dürreperioden gewinnt eine solche Mehrfachnutzung von Wasser an Bedeutung. Damit verbindet die Technologie zwei zentrale Umweltfragen: Gewässerschutz und einen sparsameren Umgang mit der Ressource Wasser.
Zwei Wege, ein Ziel
Mit der Auszeichnung von Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul setzt die DBU ein bewusstes Zeichen für die Breite modernen Umweltschutzes. Die eine Seite schafft rechtliche Voraussetzungen dafür, dass Klima- und Umweltziele verbindlich werden. Die andere entwickelt technische Lösungen, die diese Ziele praktisch umsetzbar machen.
„Innovative Lösungen entstehen dort, wo Menschen bereit sind, neue Wege zu gehen“, lautet die Botschaft hinter der diesjährigen Preisvergabe.
Der Deutsche Umweltpreis wird 2026 bereits zum 34. Mal vergeben. Ausgezeichnet werden Menschen, deren Leistungen beispielhaft zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Die Entscheidung über die Preisträger trifft das Kuratorium der DBU auf Empfehlung einer unabhängigen Fachjury aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen.