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Der Windfänger

20.03.2004

Otto Rötzer, Windkraftbetreiber und Motor für alle erneuerbaren Energien, ist der Held des Monats

© Weinviertler Energie – www.weinviertler–energie.at
© Weinviertler Energie – www.weinviertler–energie.at

zur Person

Otto Rötzer ist überall bekannt als erfolgreicher Windkraft–Unternehmer und Energiestammtisch–Gründer, der sich unermüdlich für alle erneuerbaren Energien einsetzt. Wie es dazu gekommen ist und was sich hinter ihm sonst noch verbirgt, gibt er für Sie exklusiv auf oekonews preis.

oekonews: Wann und wie begann Ihre Leidenschaft für Erneuerbare Energien?

Rötzer: 1972 begann ich kritisch zu denken, wie es mit den wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit weitergehen und wie die Erhaltung unseres Lebensraums gewährleistet werden kann. Bücher wie: „Grenzen des Wachstums vom Club of Rome und „Der zweite Planet„ waren Weichenstellungen für mich.

oekonews: Weichenstellungen wofür?

Rötzer: In der technisierten Welt entscheidet die Art der Bereitstellung der Energie über Gedeih oder Verderb unserer Zivilisation. Erkannt hab‚ ich die Verschmutzung, die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Treibhauseffekt und soziale Aspekte (mit welcher Arroganz die westliche Zivilisation gegenüber anderen Völkern vorgeht, durch zig–fachen Rohstoffverbrauch und enorme Schadstoffbelastungen). Die Frage ist: Wie gehen wir mit dieser Erkenntnis um?
Aus meiner christlichen Überzeugung und sozialen Einstellung kann ich die derzeitige überwiegende Form der Energie–Bereitstellung keinesfalls bejahen. Ich appelliere an die Lernfähigkeit der Verantwortlichen aufgrund der vielfach belegbaren ökologischen Risken den Umstieg auf die nachhaltige Form der Energieversorgung durch "Erneuerbare Energien" ernsthaft zu beschleunigen.
Es hat dann sehr gut getan, als diese damals neue Weltanschauung von Dr. Hermann Scheer (Eurosolar) bestätigt wurde. In weiterer Folge beschäftigte ich mich noch intensiver mit Erneuerbaren Energien.

oekonews: Welche Aktivitäten haben Sie aus den Erkenntnissen gesetzt?

1979 haben meine Gattin und ich das Haus übernommen, energetisch saniert (doppelt so gut wie die damaligen Mindest–Normen), gleichzeitig von einer Gas– auf eine Holzheizung umgestellt und einen Warmwasser–Sonnenkollektor installiert. Ab 1986 sammelten wir erste Erfahrungen mit einer Photovoltaik–Inselanlage, die noch heute in Betrieb ist. Die erste private Netzverbundanlage in Stockerau ging auf unserem Dach 1993 in Betrieb und leistet heute nach Erweiterungen 3,4 kWp. Die zweite private Stockerauer Netzverbund–Anlage ist erst dieses Jahr 2003 in Betrieb gegangen, wo unsere Firma bei der Aufstellung mitgewirkt hat. Im Jahr 1996 habe ich mit der Planung des Stockerauer Windparks begonnen.

oekonews: Woher nimmt man als Einzelperson die Kraft und Mittel für einen großen Windpark, der etwa 1200 Haushalte mit sauberem Strom versorgt?

Rötzer: Dank der Stockerauer Stadtgemeinde, die von Beginn an den Windpark stark unterstützte und mehr als 300 Interssenten von denen sich letztlich 104 Personen an dem Windpark beteiligten. Durch den einstimmigen Beschluß im Gemeinderat und die Aufklärung der Bürger hat es niemals Widerstand gegen dieses Projekt gegeben. Widerstand gibt es nur von den Mächtigen (gesetzlich bedingte Widerstände, keine Leitungskapazitäten etc.).

oekonews: Widerstand der Mächtigen?

Rötzer: Ja, in Stockerau wünschen sich die Bürger den Ausbau der Erneuerbaren Energie, speziell die Windkraft stößt leider an Grenzen der Gesetzgebung. Wichtig wäre, wenn der Bürger vor Ort das erste Sagen hat, mit Bürgerabstimmungen, die dann über den Gesetzen stehen. Die Entscheidung soll bei der Gemeinde liegen. Mit einem Wort: Direkte Demokratie.

oekonews: Was fällt Ihnen zu Nachhaltiger Mobilität ein?

Rötzer: Im September 2002 hat meine Familie ein Elektroauto angeschafft, einen Citroen Saxo Electrique. Seither sind wir ca. 11.500 Kilometer damit gefahren. 4 Führerscheinbesitzer in unserer Familie reissen sich um das E–Auto. Es gibt keine Gangschaltung, ist einfach zu bedienen und bietet jeden Komfort (el. Fensterhebung, keine Startprobleme, Servo–Lenkung, einfach Nutzer–freundlich). Wenn der Citroen 70.000 Kilimoter hält, hat er uns weniger gekostet, als ein vergleichbares Diesel–Auto. Und im laufenden Betrieb gibt‚s auch keine umweltrelevanten Entsorgungen (zb: kein Öl–Wechsel).

oekonews: Danke für das interview.

Für mehr Infos zum Stockerauer Windpark besuchen Sie die Homepage der Weinviertler Energie.
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20.03.2004 | Autor*in: pawek
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