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Das Klimaticket kommt: Sechs Bundesländer sind bereits an Bord

19.08.2021

Klimaministerin Gewessler setzt die Öffi–Revolution fort und macht mit günstigem Jahresticket das Umsteigen so attraktiv wie nie

© Adrian Malec Pixabay / Ökologischer Verkehr
© Adrian Malec Pixabay / Ökologischer Verkehr
Das Klimaticket für die Öffis in Österreich wird per 26.Oktober starten und Öffi–Fahren für alle günstiger machen.
"In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde die Finanzierung gesichert, es wurden alle gesetzlichen und vertriebsseitigen Grundlagen geschaffen und mit den Bundesländern, Verkehrsverbünden und Bahnunternehmen die notwendigen Verträge ausgehandelt. Bundesministerin Gewessler erlässt heute die nötige Verordnung, damit ist es fix: schon in wenigen Wochen werden die Menschen in Österreich günstig mit Öffentlichen Verkehrsmitteln mobil sein und so Klima und Geldbörse zugleich schonen." freut sich der grüne Verkehrssprecher, Hermann Weratschnig.
Nachdem nun die Verträge mit sechs Bundesländern unterzeichnet und die Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund Ostregion bereits weit fortgeschritten sind, ist es Zeit den großen Schritt in die Umsetzung zu machen. Das Klimaticket wird zum Start für 949 (statt 1095) Euro und mit Ermäßigungen für Reisende mit Behinderungen, jüngere Menschen bis 26 und Senioren und Seniorinnen – um 699 (statt 821) Euro kosten.
"Pendeln von St.Pölten nach Wien wird damit zum Beispiel auf einen Schlag um mindestens 400 Euro im Jahr günstiger, bei Teilnahme des VOR um über 600 Euro, Pendeln zwischen Bruck an der Mur und Graz wird um über 500 Euro im Jahr günstiger – das ist Entlastung, die man spürt. Wer vom Waldviertel, von der Oststeiermark oder vom Mostviertel mit der Bahn nach Wien pendelt, kommt schnell auf um die 1000 Euro Ersparnis im Jahr, ähnlich ist es in der Steiermark oder Oberösterreich. Und zusätzlich dazu sind noch beliebig viele Fahrten in ganz Österreich ohne einen Euro Aufpreis möglich. Auch wer öfter zwischen den Städten Österreichs unterwegs ist, wie etwa viele Studierende, wer die Öffis für Freizeit und Urlaub oder für berufliche Gelegenheitsfahrten nützt, wird profitieren." so Weratschnig.
Franz Gosch, der Obmann der Pendlerinitiative Österreich, meint in einer ersten Reaktion, dass positiv hervorzuheben ist, dass sich die Ministerin mit sechs Bundesländern geeinigt hat und dieses Ticket am Nationalfeiertag startet. „Wir hoffen, dass sich die fehlenden Bundesländer rasch an diese klimafreundliche Initiative anschließen. Gerade die Einbindung des VOR wäre wichtig, um die Pendlerinnen und Pendler aus der Ostregion auch entsprechend zu entlasten, sonst bleibt des Projekt eine Baustelle“, so Gosch.
Begrüßt wird das KlimaTicket Now von der ÖBB. Es ist unumstritten, dass die Bahn einer der wichtigsten Hebel für mehr Klimaschutz ist. Mit dem neuen Ticket kommt ein Angebot hinzu, um Bahnfahren noch attraktiver zu machen.
„Mit Beginn der Gültigkeitsdauer ist das KlimaTicket in allen Zügen der ÖBB gültig“, stellt Robert Lechner, Leiter der ÖBB Konzernkommunikation, klar. Basis dafür ist insbesondere das entsprechende KlimaTicket–Gesetz sowie eine ergänzende Verordnung des BMK.
Die Verkehrsverbund Ost–Region (VOR) GmbH, welche die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland einschließt und 53% der öffentlichen Verkehrsleistung in Österreich abdeckt und die Verkehrsverbund Steiermark GmbH (Verkehrsleistung 12%), sind derzeit noch nicht im Tarif des Klimatickets inkludiert. "Um das Klimaticket in Österreich einzuführen, kann es ohne entsprechende Vereinbarungen mit diesen Verkehrsverbünden keine ganzheitliche österreichische Lösung geben. Denn damit hätten 59 der österreichischen Bevölkerung keinen vernünftigen Zugang zur Verwendung des Klimatickets Österreich im Regional– und Nahverkehr. Dies wäre somit definitiv kein österreichweites Angebot, um alle am öffentlichen Verkehr teilnehmenden Personen zu erreichen." merkt die ARGE ÖVV – Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Verkehrsverbund–Organisationsgesellschaften OG, an.
„Dieser positive Schritt soll aber nicht verhindern, dass das ursprünglich geplante 1–2–3–Ticket, in dem in einem Bundesland um 365 Euro gefahren werden kann, verwirklicht wird. Denn nur wenn es das 1er und das 2er Ticket gibt, profitieren wirklich alle Pendlerinnen und Pendler vom günstigen Klimaticket“, so Gosch weiter.
Ausbau von Mikro–ÖV–Angeboten wichtiger denn je
Wichtig ist, dass neben der Reduzierung der Ticketpreise, auch das Angebot ausgebaut wird. Denn nur wenn eine gute Verbindung zur Verfügung steht, sind die Fahrgäste bereit auch öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
„Wir als Pendlerinitiative begrüßen das Ticket auch als wesentlichen Baustein für die Reduzierung der Umweltbelastung. Ebenso hervorzuheben ist, dass Arbeitgeber dieses Ticket steuerfrei als Jobticket zur Verfügung stellen können. Wir appellieren an die Arbeitgeber, auch diese Chance zu nutzen und so ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen“, sagt Gosch.
"Wir begrüßen die Idee, ein österreichweit gültiges Ticket für den öffentlichen Verkehr zu schaffen. Aus unserer Sicht braucht es allerdings dringend eine Attraktivierung und Verdichtung des Angebots für Pendler", betont ÖAMTC–Direktor Oliver Schmerold.
Das Institut für Verkehrsplanung (IVS) hat gemeinsam mit dem ÖAMTC in einer repräsentativen Pendlerstudie (durchgeführt im Juni 2020) herausgefunden, dass die Wahl des Verkehrsmittels kaum von der Tarifgestaltung, sondern vor allem von den Fahrzeiten abhängt. Soll ein breiter Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gelingen, muss also vor allem an Dichte und Angebot gearbeitet werden.
Ein Ergebnis der Studie zeigt, dass 72 Prozent der Pendler ausschließlich das Auto für den Arbeitsweg nutzen. 13 Prozent pendeln mit einer Kombination aus öffentlichen und anderen Verkehrsmitteln, neun Prozent zu Fuß, mit dem Fahrrad etc. Mit den Öffis fahren lediglich sechs Prozent der Pendler – eine Zahl, die es deutlich zu erhöhen gilt. "Pendeln ist vor allem ein ländliches Thema. Gerade dort ist aber das Angebot an öffentlichem Verkehr sehr begrenzt", erklärt der ÖAMTC–Direktor. "Konkret fordern wir für den ländlichen Raum daher den flächendeckenden Ausbau von Mikro–ÖV–Angeboten."
Der ÖVP–Verkehrssprecher, Abg. Andreas Ottenschläger, betont, dass aktuell Rekordsummen in den öffentlichen Verkehr in Österreich investiert werden. Er sagt: „Mit einem entsprechenden Angebot schaffen wir hier bewusste Anreize für viele Österreicherinnen und Österreicher, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern. Neben attraktiven Verbindungen und modernen Fahrzeugen ist natürlich auch der Preis ein wesentlicher Entscheidungsfaktor“, so Ottenschläger, und weiter: „Der Preis ist natürlich eine wesentliche Entscheidungsgrundlage.“ Die Gespräche mit den Bundesländern seien gut verlaufen, sechs von neun hätten bereits die entsprechenden Verträge unterschrieben: „Ich bin optimistisch, dass auch die so wichtige Ostregion zeitnah ins Boot kommen wird. Mit diesem Super–Öffi–Ticket übernehmen wir auch eine Vorreiterrolle in der Europäischen Union", meint der ÖVP–Verkehrssprecher.
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19.08.2021 | Autor*in: holler
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