Dankbarkeit wirkt - gesprochen wirkt sie am meisten
Für die Studie, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde, arbeiteten 36 Forschende aus verschiedenen Ländern zusammen. Mehr als 10.000 Menschen aus 34 Ländern nahmen an den Experimenten teil.
Das Ergebnis ist eindeutig: Alle sechs untersuchten Dankbarkeitsinterventionen zeigten eine positive Wirkung. Die Teilnehmenden berichteten unter anderem von mehr positiven Gefühlen, höherer Lebenszufriedenheit und größerem Optimismus. Gleichzeitig gingen negative Gefühle und Neid zurück. Auch das Empfinden sozialer und gegenseitiger Verbundenheit nahm zu.
Danke sagen wirkt am stärksten
Am wirksamsten war es, wenn die Teilnehmenden einer Person, der sie dankbar waren, eine Nachricht schrieben und diese tatsächlich abschickten oder mit ihr sprachen.
Die populärste Übung, selbst einfach darüber nachzudenken und fünf Dinge aufzuschreiben, für die man besonders dankbar ist, wirkte weit weniger. Auch ein Dankesbrief, der nie abgeschickt wird, hatte eine geringere Wirkung.
Weitere getestete Methoden waren etwa eine Form der Reflexion, bei der man darüber nachdenkt, was man von anderen erhalten und was man selbst gegeben hat, sowie Übungen, bei denen man sich vorstellt, wie das eigene Leben ohne bestimmte positive Erfahrungen aussehen würde. Auch ein Dankesbrief an Gott oder eine höhere Macht wurde untersucht.
Das Spannendste war: Dankbarkeit entfaltet anscheinend besonders dann viel Kraft, wenn sie über das eigene Nachdenken hinausgeht und soziale Beziehungen einbezieht.
Dankbarkeit ist mehr als ein gutes Gefühl
Die Studie liefert damit auch eindeutige Hinweise darauf, warum Dankbarkeit für menschliche Gesellschaften eine so wichtige Rolle spielen könnte. Sie ist nicht nur ein persönliches Gefühl, sondern zugleich ein soziales Signal.
Wer Dankbarkeit empfindet und ausdrückt, signalisiert einem anderen Menschen Wertschätzung. Gleichzeitig kann daraus die Motivation entstehen, selbst anderen zu helfen und zwar nicht zwingend der Person, von der man ursprünglich etwas erhalten hat oder die einen unterstützt hat.
So kann wirkliche Dankbarkeit eine Art soziale Kettenreaktion auslösen: Jemand hilft, dafür wird Dankbarkeit empfunden, und diese Dankbarkeit erhöht wiederum die Bereitschaft, anderen etwas Gutes zu tun.
Dankbarkeit funktioniert aber nicht überall gleich
Besonders interessant waren die sichtbaren kulturellen Unterschiede. Die Effekte der Übungen waren in Mexiko besonders deutlich, während sie in Norwegen kaum Wirkung zeigten.
Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass kulturelle Faktoren wie gesellschaftliche Normen, Machtdistanz, Religiosität und die Frage, wie strikt oder flexibel eine Gesellschaft mit sozialen Regeln umgeht, die Wirkung beeinflussen.
Damit stellt sich eine spannende Frage: Braucht Dankbarkeit je nach Kultur unterschiedliche Formen?
Eine Übung, die in einer Gesellschaft hervorragend funktioniert, könnte in einer anderen weniger passend sein. Die Forschenden wollen deshalb nun genauer untersuchen, wie Dankbarkeit in Ländern und Kulturen gefördert werden kann, in denen die bisher getesteten Methoden kaum Wirkung zeigen.
Ein kleines Experiment mit großer Wirkung?
Die Studie macht jedenfalls Mut, Dankbarkeit nicht als bloße Wellness-Übung abzutun oder etwas, das man gelernt hat und einfach weitergibt. Die Effekte traten rasch und messbar auf, auch wenn ihre Stärke von Intervention zu Intervention und von Land zu Land unterschiedlich war.
Die vielleicht einfachste Erkenntnis der Studie: Dankbarkeit sollte nicht nur im eigenen Kopf bleiben. Wer einem Menschen, der einem etwas bedeutet, tatsächlich sagt oder schreibt, warum man dankbar für ihn ist oder das, was er getan hat, stärkt man damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Beziehung zu den anderen Menschen
Manchmal braucht es dafür offenbar nicht mehr als ein ehrlich gemeintes:
Danke! Es muss einfach nur ausgesprochen werden!!