Clean-Energy-Handel erreicht Rekordniveau - trotz Zöllen und geopolitischer Krisen
London - Laut einem neuen Bericht von BloombergNEF (BNEF) stieg der globale Warenwert für Clean-Energy-Produkte auf 479 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 1 % gegenüber dem Vorjahr, trotz Handelskonflikten, Zöllen und geopolitischer Spannungen.
Nach einem Rückgang von 7 % zwischen 2023 und 2024 signalisiert der aktuelle Anstieg eine Stabilisierung der globalen Lieferketten im Bereich Energiewende-Technologien. Dazu zählen insbesondere:
- Solarmodule und Solarzellen
- Batterien und Energiespeicher
- Netz- und Strominfrastruktur
Bemerkenswert: Auch US-Zölle auf Teile der Clean-Tech-Industrie konnten den globalen Handelsfluss nicht entscheidend bremsen.
Ein zentrales Thema bleibt die massive Überproduktion, vor allem in China. Weltweit existiert laut BNEF inzwischen mehr als 200 % der Produktionskapazität, die eigentlich zur Deckung der aktuellen Nachfrage nötig wäre.
Diese Überkapazitäten führen zu:
- sinkenden Gewinnmargen für Hersteller
- starkem Preisdruck bei Batterien, Solar und E-Autos
- wachsender Konkurrenz auch außerhalb Chinas
Gleichzeitig entstehen neue Produktionszentren in Regionen wie Südostasien, Indien, der Türkei sowie in aufstrebenden Märkten wie Ägypten und Äthiopien.
Die aktuellen Konflikte im Nahen Osten haben die Verwundbarkeit fossiler Lieferketten erneut sichtbar gemacht. Besonders öl- und gasimportabhängige Länder in Asien und Afrika sind von Preissprüngen betroffen.
Laut BNEF führt das zu einem klaren Trend:
Höhere fossile Energiekosten erhöhen die Nachfrage nach Solarenergie, Batterien und Elektromobilität.
Beispiele wie Pakistan zeigen diesen Effekt deutlich: Dort boomten Solareinfuhren nach Energiepreisschocks massiv, und der Ausbau kleiner Solaranlagen erreichte 2025 neue Rekordwerte.
Der Bericht zeigt außerdem strukturelle Veränderungen im Clean-Tech-Handel:
- Solarhandel verlagert sich zunehmend auf Solarzellen statt fertige Module
- Indien entwickelt sich zu einem potenziellen Exportkonkurrenten Chinas
- Batterien werden verstärkt nicht nur für E-Mobilität, sondern auch für Energiespeicher im Stromnetz eingesetzt
Besonders stark wächst der Bereich stationärer Speicher: Er machte bereits 29 % aller Batterieexporte aus und legte um 64 % im Jahresvergleich zu.
Trotz hoher Produktion sinken die Preise nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren:
- Solartechnik bleibt zwar günstiger, der Preisverfall verlangsamt sich jedoch
- Batteriepacks fielen 2025 auf rund 108 US-Dollar pro kWh (nach 118 USD im Vorjahr)
- Windkraftanlagen wurden sogar leicht teurer
Gründe dafür sind unter anderem steigende Rohstoffpreise wie Silber und Batteriemetalle.
Der Clean-Energy-Handel zeigt sich damit widerstandsfähiger als viele erwartet hatten. Trotz geopolitischer Spannungen, Handelsbarrieren und Überkapazitäten wächst der globale Markt weiter, getragen von sinkender Technologieabhängigkeit von fossilen Energien und steigender Nachfrage nach Energieunabhängigkeit.
Laut BNEF ist genau diese Kombination aus Unsicherheit und technologischem Fortschritt ein entscheidender Treiber der weltweiten Energiewende.