Clean Air Forum 2025: Umweltverband fordert neue EU-Luftreinhalteziele nach 2030
Im Zentrum der Diskussion stand ein neues Berichtsdokument der Kommission zur Bewertung der Richtlinie über nationale Emissionsreduktionsverpflichtungen (NECD). Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten, Emissionen von fünf zentralen Luftschadstoffen zu senken. Doch die NECD endet faktisch 2030 - ohne Ziele für die Zeit danach. Damit droht eine Lücke zwischen europäischem Regelwerk und wissenschaftlich notwendigen Reduktionspfaden.
Die Bewertung zeigt zudem, dass die Umsetzung der bestehenden Vorgaben weiter stockt, trotz positiver Trends wie der Entkopplung von Emissionen und Wirtschaftswachstum. Patrick Child, Generaldirektor der EU-Generaldirektion Umwelt, verwies beim Forum auf die enormen Vorteile konsequenter Luftreinhaltepolitik: „Die gesundheitlichen Vorteile übersteigen die Kosten um das Vierfache“, aut dem Bericht der Kommission sogar um den Faktor 13.
Für das EEB ist daher klar: Europa kann nicht 2030 stehenbleiben. „Wir brauchen stärkere Verpflichtungen und wir brauchen sie jetzt“, betonte EEB-Generalsekretär Patrick ten Brink. Wer die wissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriere – etwa zu den Zusammenhängen zwischen Luftverschmutzung, Asthma, Krebs und vorzeitigen Todesfällen –, müsse die Konsequenzen verantworten.
Das EEB warnt außerdem, dass die bestehenden sektoralen Politiken nicht ausreichen, um die Ziele für Null-Schadstoff-Strategie und Klimaneutralität zu erreichen. Besonders Schifffahrt, Hausbrand und Landwirtschaft hinken weit hinter den notwendigen Reduktionen zurück.
Hinzu kommt: Die NECD lehnt sich an das internationale Göteborg-Protokoll an, dessen Überarbeitung frühestens 2028 abgeschlossen sein wird. Die EU dürfe daher nicht auf internationale Entscheidungen warten. Stattdessen solle sie eigene Reduktionsziele für die Zeit nach 2030 festlegen, um Gesundheit, Umwelt und Klima wirkungsvoll zu schützen und um mit einer ambitionierten Position die laufenden internationalen Verhandlungen zu prägen.
Während die Kommission derzeit auf Umsetzung setzt, fordert das EEB ein klares europäisches Emissionsreduktionsprogramm für die Jahre nach 2030, um Planungssicherheit zu schaffen und den Fortschritt nicht zu gefährden.
„Die Festlegung neuer Ziele muss über ein ordentliches EU-Gesetzgebungsverfahren erfolgen und auf einer fundierten Folgenabschätzung beruhen“, betonte Margherita Tolotto, Fachreferentin für Luft und Lärm beim EEB. Sammelgesetzgebungen, die bestehende Umweltstandards aufweichen, seien völlig unvereinbar mit den Erwartungen der Wissenschaft – und der Bevölkerung.
Das Clean Air Forum machte damit deutlich: Ohne langfristige Perspektiven droht die europäische Luftreinhaltepolitik ins Stocken zu geraten. Das EEB fordert die EU daher auf, jetzt die Weichen für die Zeit nach 2030 zu stellen.