Chinas Windwende: Rekordausbau und neue globale Kraftverhältnisse
China treibt den Boom an
Der größte Wachstumstreiber bleibt das chinesische Festland. Allein dort wurde erstmals die Marke von über 100 GW jährlichem Zubau überschritten. 95 Prozent der neuen Anlagen (161 GW) war Onshore-Windkraft, während Offshore-Projekte mit 8 GW deutlich zurückblieben.
Mit dem Boom verschieben sich auch die Kräfteverhältnisse in der Industrie: Acht der zehn größten Turbinenhersteller weltweit stammen nun aus China, die ersten sechs Plätze sind sogar vollständig in chinesischer Hand.
Angeführt wird das Ranking von Goldwind mit 29,3 GW installierter Leistung, gefolgt von Envision Energy mit 20,9 GW. Dahinter rangieren weitere chinesische Hersteller wie Mingyang, Windey, Sany und Dongfang Electric.
Der dänische Branchenriese Vestas bleibt zwar international stark aufgestellt und setzte Projekte in 28 Märkten um, fiel im globalen Ranking jedoch auf Platz sieben zurück – erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2013 liegt Vestas außerhalb der Top fünf.
Im Offshore-Bereich konnte sich hingegen Siemens Energy das zweite Jahr in Folge an der Spitze halten. Dennoch schwächelt dieser Sektor: Der Ausbau ging 2025 um rund ein Drittel zurück und erreichte nur 8,1 GW, unter anderem wegen Projektverzögerungen und politischer Unsicherheiten. Außerdem sind Windenergieprojekte am Land meist einfacher umsetzbar.
Noch dominieren chinesische Hersteller ihren Heimatmarkt: 93 Prozent der neu installierten Kapazität entfielen 2025 auf China selbst. Doch die Exportoffensive nimmt langsam aber stetig Fahrt auf – die internationalen Auftragsvolumina haben sich laut Bericht zuletzt verachtfacht.
Mit günstiger Produktion und schnellen Lieferzeiten drängen chinesische Anbieter verstärkt in neue Märkte in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten – und setzen etablierte Wettbewerber unter Druck.
Auch außerhalb Chinas wächst der Markt vehement weiter: Hier stieg der Ausbau um 17 Prozent auf 43 GW. Besonders bemerkenswert ist der Anteil des Ausbaus von Indien, das erstmals die USA und Deutschland überholte und damit zum größten Windenergiemarkt außerhalb Chinas wurde.
Die Zahlen zeigen: Windenergie bleibt eine zentrale Säule der globalen Energiewende. Gleichzeitig verschiebt sich das industrielle Machtgefüge deutlich in Richtung China, ähnlich wie bei Solarstrom.
Mit Rekordzubauten, wachsender Exportstärke und technologischer Skalierung entwickelt sich das Land zunehmend zum Taktgeber der globalen Windindustrie – mit spürbaren Folgen für Märkte, Preise und Wettbewerb weltweit.