Bioökonomie als neuer Schwerpunkt: Circularity-Auftrag geht erneut ans Climate Lab
Im Mittelpunkt des neuen Programms stehen die transformative Bioökonomie und die Kreislaufwirtschaft als Antworten auf aktuelle ökologische und wirtschaftliche Krisen. Ziel ist es, Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft stärker miteinander zu vernetzen und konkrete Projekte für eine postfossile, kreislauffähige Wirtschaft zu entwickeln.
„Hier werden Nägel mit Köpfen gemacht. Egal ob aus Gesinnung oder aus Sachzwang – wir brauchen Menschen, die sich begeistern lassen, Kreislaufwirtschaft in funktionierende Geschäftsmodelle zu übersetzen“, erklärt Thomas Jakl vom BMLUK.
Beim Auftaktevent im Climate Lab wurden die neuen thematischen Schwerpunkte vorgestellt. Neben der Kreislaufwirtschaft rückt nun insbesondere die Bioökonomie stärker in den Fokus.
Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie gemeinsam denken
Bereits seit 2022 arbeitet das Climate Lab im Auftrag des Bundes an den Themen Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft. Mit dem neuen Auftrag wird dieser Ansatz um den Schwerpunkt Bioökonomie erweitert.
„Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie gehören zusammen gedacht und umgesetzt. Nur so kann das volle Potenzial einer nachhaltigen Wirtschaft gehoben werden“, betont Projektleiterin und Circularity-Expertin Helene Pattermann vom Climate Lab.
Bioökonomie beschreibt eine Wirtschaftsweise, die auf nachwachsenden und biologisch abbaubaren Ressourcen basiert, statt auf fossilen Rohstoffen. Entscheidend sei dabei das Zusammenspiel mit der Kreislaufwirtschaft, um Stoffströme langfristig ressourcenschonend und effizient zu gestalten.
„Wir brauchen keine Dekarbonisierung, eine Defossilisierung reicht uns völlig aus“, sagt Thomas Timmel, Geschäftsführer der BioBASE. Kohlenstoff bleibe schließlich ein zentraler Baustein jeder Bioökonomie – entscheidend sei vielmehr, woher dieser stamme und wie er genutzt werde.
Mehr als nur „das Gleiche in Grün“
Die Beteiligten betonen, dass Bioökonomie nicht bedeute, fossile Rohstoffe einfach eins zu eins durch biogene Alternativen zu ersetzen. Gefragt sei vielmehr eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaftsweise.
„Eine lineare Wirtschaftsweise funktioniert weder mit fossilen noch mit nachwachsenden Rohstoffen dauerhaft“, erklärt Martin Greimel, Leiter des Zentrums für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien.
Auch Franz Sinabell vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) verweist auf die zentrale Rolle der Natur als Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung. Während Kennzahlen wie BIP, Beschäftigung oder Wertschöpfung sichtbar seien, würden ökologische Voraussetzungen und externe Kosten oft ausgeblendet.
Wertstoffe besser nutzen und vernetzen
Ein zentrales Anliegen des neuen Programms ist es, Angebot und Nachfrage bei biogenen Roh- und Reststoffen besser zusammenzuführen. Dafür müsse sichtbar werden, welche Ressourcen an welchen Orten verfügbar sind und wie sie kaskadisch genutzt werden können.
Dazu startet das Climate Lab heuer zwei Schwerpunktprojekte: Eines untersucht das Potenzial der Wiederverwendung von Bauteilen bei Sanierungen, ein weiteres entwickelt gemeinsam mit BioBASE neue Nutzungsmöglichkeiten für biogene Reststoffe.
Neue Formate für Zusammenarbeit
Begleitend organisiert das Climate Lab neue Netzwerk- und Dialogformate wie das „Circularity & Bioeconomy Frühstück“ oder die „Circularity Dialoge“. Themen sind unter anderem nachhaltige Beschaffung, Bioraffinerien und die Rolle von Logistik als Enabler der Transformation.
„Bei uns kommen Überzeugungstäter:innen zusammen, die die konkrete Umsetzung von Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie vorantreiben“, sagt Climate-Lab-Geschäftsführerin Barbara Inmann. „Das Climate Lab blickt mit Tatendrang in die Zukunft.“