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Biokunststoffe erfahren starken Wachstumsschub im Jahr 2006

29.11.2006

Branche sieht sehr gute Perspektiven – Weitere Investitionen zur Kapazitätsausweitung notwendig

Brüssel– Die Biokunststoffindustrie erfährt im Jahr 2006 eine teilweise boomartige Marktentwicklung in Europa. Dies schließt der Industrieverband European Bioplastics aus einer aktuellen Umfrage unter seinen 66 Mitgliedern. Der Verband, der die Interessen der Biokunststoffindustrie in Europa vertritt, hatte seine Mitglieder hinsichtlich der Marktentwicklung befragt. Im Mittelpunkt standen dabei neue Produkte und Anwender, das Umsatzwachstum sowie die Aussichten für das nächste Jahr. Insbesondere bei Bioverpackungen erwarten Hersteller im Jahr 2006 Zuwächse von zum Teil mehr als 100% im Vergleich zum Vorjahr. Zahlreiche europäische Handelsketten reagieren mit Bioverpackungen auf die wachsende Zahl von Konsumenten, die sich um fossile Ressourcen und den Klimawandel sorgen. Nach Umfrage des Verbandes rechnen die Unternehmen der Branche für das Jahr 2007 mit einer weiterhin stark positiven Entwicklung.
Die Biokunststoffindustrie berichtet in einem vorzeitigen Jahresrückblick auf das Jahr 2006 von einem starken Schub bei der Nachfrage. In allen Produktbereichen ist das Interesse der Anwender gewachsen. Bei Folienverpackungen aus Biokunststoffen kann angesichts des erheblichen Wachstums fast schon von einem beginnenden Boom gesprochen werden. Die Gründe für diese neue Entwicklung liegen nach Ansicht der Unternehmen im Wesentlichen in drei Aspekten: Das gestiegene Umweltbewusstsein vieler Verbraucher, die wachsende Bereitschaft von Unternehmen eine nachhaltige Entwicklung durch aktives Handeln zu unterstützen und der starke Anstieg von Rohstoff– und Energiepreisen. "Biokunststoffe werden als innovative Lösung und Ausweg angesehen", folgert Harald Kaeb, Vorsitzender des Verbands. Ãhnlich wie Biolebensmittel oder Bioenergie sind Biokunststoffe ein Resultat des Bewusstseinswandels in der Wirtschaft und Gesellschaft.
Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie die biologische Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit vieler Biokunststoffprodukte stellen heute wirkungsvolle Verkaufs– und Nutzungsargumente und dar. Durch die fortschreitende technische Entwicklung gelingt es zudem immer besser die speziellen Materialeigenschaften von Biokunststofffolien in Anwendungsvorteile zu übersetzen. Dazu zählen die oft sehr gute Bedruckbarkeit ohne Vorbehandlung, der besondere Glanz oder die Barriereeigenschaften gegenüber Gasen, Ölen und Fetten. Diese Vorteile lassen sich besonders beim Verpacken von frischen Lebensmitteln nutzen. Produkte wie Tragetaschen, die auch als Bioabfallsäcke zuhause verwendbar sind, sowie Cateringartikel und Mulchfolien profitieren nach Gebrauch von der möglichen biologischen Abfallverwertung.
Am deutlichsten wird der Trend in Grossbritannien sichtbar: Im Pionierland für Bioverpackungen in Europa hatte eine führende Supermarktkette im September angekündigt 500 Produktlinien auf Bioverpackungen umzustellen. Ihr Ziel ist es damit 4.000 Tonnen fossile Kunststoffe pro Jahr einzusparen. Andere britische Handelsketten wollen nun ebenfalls ihr Sortiment erweitern. Bioverpackungen sind mittlerweile in ganz Europa in den Regalen des Lebensmittelhandels zu finden.
Der Verband European Bioplastics hat eine Zusammenstellung von Umfrageergebnissen publiziert, aus der Neuheiten der Produktentwicklung sowie die Entwicklung der Produktionskapazitäten hervorgehen. Die Zahl der Produkte, der Produzenten wie auch der Anwender hat sich gleichermaßen erhöht. Biokunststoffe sind damit auf dem besten Weg um mittelfristig den Sprung vom bisherigen Nischendasein zu einer breiten Markteinführung zu schaffen.
Noch liegt der Marktanteil von Biokunststoffen am gesamten Kunststoffverbrauch in Europa bei unter einem Prozent. In ersten wichtigen Anwendungsgebieten haben Biokunststoffprodukte nach langer Entwicklungs– und Erprobungsphase nun die Marktreife erreicht. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für ein dynamisches Wachstum. Durch die wachsende Nachfrage werden in der Biokunststoffindustrie bereits weltweit Kapazitäten aufgebaut. Der Investitionsbedarf zur Ausschöpfung des sichtbar gewordenen Anwendungspotenzials ist jedoch weitaus größer.
Angesichts eines Zeitbedarfs von mindestens zwei Jahren bis Fertigungsbeginn und hoher Kosten können Investoren nicht nach kurzfristigen Kriterien entscheiden. Damit stellt sich die Frage, ob Massnahmen zur Unterstützung der Markteinführung nicht auch für "nachwachsende" Produkte geschaffen werden sollten. Der heute als Wachstums– und Innovationsmotor angesehene Bereich der erneuerbaren Energien und Kraftstoffe wurde in Europa so erst möglich gemacht. Erneuerbare Produkte werden dagegen bisher nicht gefördert. Durch geeignete Maßnahmen ließe sich nicht nur die gewünschte nachhaltige Entwicklung beschleunigen. Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas würde bei wichtigen Innovationen wie der Biokunststofftechnologie weiter verbessert.
Nach Umfrage des Verbandes rechnen die Unternehmen der Branche auch für das Jahr 2007 mit einer stark positiven Entwicklung.
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29.11.2006 | Autor*in: holler
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