Bericht: Fossile Energien treiben Globalen Süden in die Schuldenfalle
Ein neuer internationaler Bericht zeichnet ein alarmierendes Bild der wirtschaftlichen Lage vieler Staaten im Globalen Süden. Die zentrale Botschaft: Fossile Brennstoffe sind nicht nur Klimatreiber – sie verschärfen auch massiv die globale Schuldenkrise.
Der Bericht „Spillover Effects: The Fossil Fuel-Debt Trap in the Global South“ wurde von der Fossil Fuel Treaty Initiative, der MENAFem-Bewegung und Oil Change International veröffentlicht. Er zeigt anhand von Fallstudien aus Kolumbien, Ägypten, Guyana, Jordanien und Sri Lanka, wie eng die Abhängigkeit von fossilen Energien mit wachsender Staatsverschuldung verbunden ist.
Die Zahlen sind dramatisch: Die Auslandsschulden des Globalen Südens erreichten 2024 einen Rekordwert von 8,9 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig mussten die betroffenen Länder mehr als 415 Milliarden Dollar allein für Zinszahlungen aufbringen. In vielen Staaten fließt inzwischen mehr Geld in den Schuldendienst als in Gesundheit, Bildung oder Klimaschutz.
Laut dem Bericht zwingt dieses System viele Länder dazu, weiter auf Öl, Gas und Kohle zu setzen, um dringend benötigte Einnahmen zu erzielen. Doch genau diese Abhängigkeit mache ihre Volkswirtschaften noch anfälliger für globale Krisen, Preisschwankungen und neue Schulden.
Importierende Länder geraten durch steigende Energiepreise unter Druck, während exportierende Staaten stark von schwankenden Rohstoffmärkten abhängen. Hinzu kommen die enormen Kosten der Klimakrise: Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen verursachen bereits heute Schäden in Milliardenhöhe – vor allem in Ländern, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben.
Die Autoren sprechen deshalb von einer strukturellen Ungerechtigkeit. Fossile Brennstoffe würden Reichtum konzentrieren, politische Abhängigkeiten verstärken und dringend notwendige Investitionen in nachhaltige Entwicklung blockieren.
Besonders kritisch sehen die Organisationen neue Öl- und Gasprojekte. Da die globale Nachfrage nach fossilen Energien langfristig sinken dürfte, drohten viele Investitionen zu sogenannten „stranded assets“ zu werden – also wirtschaftlich wertlosen Anlagen, die Staaten mit hohen Schulden zurücklassen.
Der Bericht fordert deshalb einen grundlegenden Umbau des internationalen Finanzsystems. Reiche Industrieländer sollen öffentliche Finanzierungen für fossile Projekte stoppen, Schulden erlassen und den Ausbau erneuerbarer Energien im Globalen Süden mit Zuschüssen statt neuen Krediten unterstützen.
Auch die Vereinten Nationen werden aufgefordert, verbindliche Regeln für Schuldenrestrukturierungen zu schaffen. Gleichzeitig sollen Staaten des Globalen Südens ihre Energieversorgung stärker auf erneuerbare Energien und regionale Zusammenarbeit ausrichten.
„Die Schuldenkrise ist auch eine fossile Krise“
Für die Autorinnen und Autoren ist klar: Die globale Schuldenkrise lässt sich nicht lösen, ohne die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu überwinden.
„Fossile Brennstoffe und Schulden verstärken sich gegenseitig“, heißt es im Bericht. Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle sei deshalb nicht nur eine Frage des Klimaschutzes – sondern auch der wirtschaftlichen Gerechtigkeit und politischen Stabilität.