Beachtliche Zuwachsraten bei erneuerbaren Energien in Osteuropa
Die grüne Welle hat endgültig den Osten des Kontinents erreicht. Mit ehrgeizigen Plänen zur Stromerzeugung aus alternativen Quellen, beispielsweise über die energetische Nut–zung von Biomasse, melden sich mittlerweile alle neuen und angehenden EU–Staaten Mittel– und Osteuropas zu Wort. So will Polen als größtes Neumitglied bis 2010 laut ei–nem nationalen Plan 7,5 Prozent seines Elektroenergieverbrauches über regenerative Ressourcen abdecken; 2020 sollen es sogar 14 Prozent sein. Zum Teil noch weit darüber liegen analoge Vorhaben bis 2010 in Lettland (49,3), der Slowakei (33,6), Slowenien (31). Deutliche Sprünge bei der Nutzung von Biomasse, Wind–, Sonnen– und Wasserkraft sowie Erdwärme bis zum Ende des Jahrzehnts planen auch Tschechien (auf 8 Prozent), Litauen (7), Estland (5,1) und Ungarn (3,6).
Tschechien höhere Einspeistarife als Österreich
Sämtliche dieser Länder hätten bereits entsprechende Fördermaßnahmen beschlossen, informiert der Dresdner Bioenergie–Experte Dr. Markus Reichel, der mit seiner Firma INERCONSULT die umweltpolitische Entwicklung in Mittel– und Osteuropa verfolgt und dieses Insiderwissen auch zur Leipziger Energiemesse enertec vom 8. bis 11. März 2005 präsentieren wird. Als Beispiele nennt Reichel garantierte Abnahmepreise sowie „Grüne Fonds„ zur Finanzierung solcher Projekte. In Tschechen und Litauen existierten zudem Programme zur Förderung des Einsatzes von Biotreibstoffen, in Slowenien regele dies bereits ein Gesetz, so der Fachmann.
Damit eröffnet sich in diesen Ländern nach Ansicht aller Marktbeobachter ein gewaltiger Markt für Know–how und Technik aus dem Westen. Dr. Stephan Schwarzer, Abteilungslei–ter für Umwelt– und Infrastrukturpolitik bei der Wirtschaftskammer Österreich, spricht dies–bezüglich von „sieben fetten Jahren„, die namentlich in Slowenien, Ungarn, der Slowakei, Tschechien sowie Polen bereits begonnen hätten. Nach seiner Einschätzung entfällt dabei ein hoher Investitionsbedarf auf Anlagen zur Ausbeutung regenerativer Energiequellen. In der Slowakei, Slowenien, Polen und Rumänien betreffe dies vor allem die Biomasse–nutzung, in Bulgarien, Slowenien und Kroatien auch Kleinwasserkraftwerke und in Tschechien zunehmend die Windkraft. Mit umgerechnet 9,38 Cent je kWh zahle Prag hier bereits höhere Einspeisetarife als etwa Österreich.
Damit eröffnet sich in diesen Ländern nach Ansicht aller Marktbeobachter ein gewaltiger Markt für Know–how und Technik aus dem Westen. Dr. Stephan Schwarzer, Abteilungslei–ter für Umwelt– und Infrastrukturpolitik bei der Wirtschaftskammer Österreich, spricht dies–bezüglich von „sieben fetten Jahren„, die namentlich in Slowenien, Ungarn, der Slowakei, Tschechien sowie Polen bereits begonnen hätten. Nach seiner Einschätzung entfällt dabei ein hoher Investitionsbedarf auf Anlagen zur Ausbeutung regenerativer Energiequellen. In der Slowakei, Slowenien, Polen und Rumänien betreffe dies vor allem die Biomasse–nutzung, in Bulgarien, Slowenien und Kroatien auch Kleinwasserkraftwerke und in Tschechien zunehmend die Windkraft. Mit umgerechnet 9,38 Cent je kWh zahle Prag hier bereits höhere Einspeisetarife als etwa Österreich.
Polen setzt auf Biomasse und Biogas
Polen lenkt dagegen ein besonders Augenmerk auf die Strom– und Wärmegewinnung aus Biomasse und Biogas. „Insbesondere die Beschickung der Fernheizungssysteme und Heizkraftwerke mit Holz, Holzabfällen und Biogas wird deutlich zunehmen„, ist der War–schauer Energieexperte Dr.–Ing. Stanislaw Derlatka überzeugt. Ganze Städte und Regionen würden künftig Energie und Wärme aus Kesseln beziehen, in denen Biomasse ver–edelt wird, darunter auch Sägemehl und Holzspäne. Denn laut offiziellen Statistiken pro–duziert Polens Holzindustrie jährlich 9,4 Millionen Kubikmeter Holzabfälle, die polnische Landwirtschaft zudem 25 Millionen Tonnen Stroh und 12 Millionen Tonnen Heu. Im staatli–chen Forstsektor werden darüber hinaus mangels Nachfrage rund zwei bis 2,5 Millionen Kubikmeter Holz jährlich nicht gefällt.
Biomasse–Energieerzeugung: 800–fache Steigerung von 2001 bis 2010 in Polen
Polens nationaler Biomassefachverband kalkuliert deshalb mit einem momentanen ener–getischen Potential bei Holz von 31 Terawattstunden (TWh), bei agrarischen Nutzpflanzen von 31 TWh und bei Deponiegas von 38 TWh. Bis 2010 soll sich in Polen auf diesem We–ge die Energiegewinnung aus Biomasse gegenüber 2001 um das 800–fache erhöht ha–ben. Ein Garant dafür bestehe darin, so der Verband, dass in Polen für wenig Geld Holz–abfälle auf dem Markt erhaltbar seien. Zunächst erfordere dies aber einen immensen Technologietransfer in seinem Land, betont Derlatka. Nach seiner Überzeugung werde dabei ein beträchtlicher Teil aus Deutschland kommen, wobei polnische Firmen vor allem an Partnerschaften mit ausländischen Anbietern interessiert seien, beispielsweise in Form von Joint–Ventures.
Auch finanziell sind die Weichen für die Vorhaben offenkundig gestellt. Zum einen fördert die EU zwischen 2003 und 2006 Investitionen in Polens Sektor für erneuerbare Energien mit 540 Millionen Euro, zum anderen stellen gegenwärtig sowohl der Staat als auch priva–te Unternehmen hohe Summen zur Ausweitung dieses Energiesektors bereit. Laut Derlat–ka hat Polen effektive Finanzierungsinstrumente wie Steuern und Abgaben entwickelt, mit denen es 95 Prozent aller Umweltausgaben selbst trägt. Auch über die internationale Stif–tung Ekofundusz flössen ansehnliche Mittel ins Land. Damit werde auch bei der Nutzung von Solarenergie sowie den in Polen sehr reichlich vorhandenen geothermischen Wasser–vorkommen ein Quantensprung erwartet. Nach Schätzungen von Experten könnten eines Tages erneuerbare Ressourcen die gesamte Energienachfrage des Landes decken.
Auch finanziell sind die Weichen für die Vorhaben offenkundig gestellt. Zum einen fördert die EU zwischen 2003 und 2006 Investitionen in Polens Sektor für erneuerbare Energien mit 540 Millionen Euro, zum anderen stellen gegenwärtig sowohl der Staat als auch priva–te Unternehmen hohe Summen zur Ausweitung dieses Energiesektors bereit. Laut Derlat–ka hat Polen effektive Finanzierungsinstrumente wie Steuern und Abgaben entwickelt, mit denen es 95 Prozent aller Umweltausgaben selbst trägt. Auch über die internationale Stif–tung Ekofundusz flössen ansehnliche Mittel ins Land. Damit werde auch bei der Nutzung von Solarenergie sowie den in Polen sehr reichlich vorhandenen geothermischen Wasser–vorkommen ein Quantensprung erwartet. Nach Schätzungen von Experten könnten eines Tages erneuerbare Ressourcen die gesamte Energienachfrage des Landes decken.
Slowakei: Förderung von Biomasse und Biogas
Auch in der Slowakei gewinnt die energetische Nutzung von Biomasse deutlich an Ge–wicht. Die Regierung kündigte an, vor allem für den Anbau „energetischer Agrokulturen„ die ökonomischen Rahmenbedingungen spürbar zu verbessern. Für ausländische Liefe–ranten von speziellen Kesselanlagen und anderen Ausrüstungen dürften sich somit in ab–sehbarer Zeit einige interessante Absatzchancen ergeben, heißt es dazu bei der Bundes–agentur für Außenwirtschaft (bfai) in Köln.
In Slowenien ist mittlerweile gesetzlich geregelt, dass ein halbes Prozent des BIP in Um–weltinvestitionen fließt. Mit einem Anteil erneuerbarer Energieträger von 8,1 Prozent am Primärenergieaufkommen gehört das Land bereits zum europäischen Spitzen–Sextett. Bis 2010 soll sich allein die energetische Nutzung von Biomasse auf zehn Prozent erhöhen. Hierzu plant Ljubljana 50 Fernwärmeprojekte auf Basis von fester Biomasse, vor allem Holz. Gegenwärtig erfolgen hierfür die Ausschreibungen. Neue Regelungen beschränken ab 2007 auch den Gülleaustrag und die Behandlung landwirtschaftlicher Abfälle. Darüber hinaus bieten die traditionell stark entwickelte Hopfenproduktion und Nahrungsmittelin–dustrie sehr gute Möglichkeiten für die Biogas–Erzeugung aus organischen Abfällen.
Einen Zukunftsmarkt dürfen nach Sicht des Umweltbundesamtes exportorientierte deut–sche Hersteller von Solaranlagen in Ungarn erwarten. Im Rahmen des Energiesparpro–gramms des Landes – des so genannten Szechenyi–Plans – will das Wirtschaftsministeri–um Investitionen zur Nutzung der Sonnenenergie finanziell fördern. Bereits 2001 wurde das Vorhaben mit 1,8 Millionen Euro unterstützt. Nach Expertenschätzungen sind in dem Land derzeit gut 50.000 Quadratmeter Solarzellen–Flächen installiert.
In Bulgarien sind einige Windkraftprojekte in Vorbereitung. Wegen der momentanen Ein–speisebedingungen entstehen sie vor allem an der bulgarischen Schwarzmeerküste sowie einigen sehr exponierten Gebirgsstandorten, wo sie sich rentabel betreiben lassen. Das nationale Energiegesetz schreibt den Netzbetreibern vor, den gesamten Solarstrom abzu–nehmen, allerdings sind noch keine Mindestpreise festgelegt. Eine Verbesserung dieser Situation werde jedoch für die Zukunft erwartet, heißt es hierzu beim Bundesumweltamt.
Die drei Ostseeanrainer Estland, Lettland und Litauen betreiben mittlerweile einen ge–meinsamen baltischen Elektrizitätsmark. Bereits im September 2001 gründeten vier Ener–gieunternehmen aus Estland und Deutschland den Estnischen Windkraftverband. Sie un–terstützen mit ihrem wirtschaftlichen Know–how die politischen Bemühungen der Tallinner Regierung zur Forcierung erneuerbarer Energiequellen. Auch Lettland will, um seine bis–herige Auslandsabhängigkeit auf dem Energiesektor zu verringern, verstärkt Biomasse, Wind– und Sonnenenergie nutzen. Diesem Ziel diente auch ein gemeinsames Ausbil–dungsprojekt deutscher, lettischer und finnischer Partner.
In Slowenien ist mittlerweile gesetzlich geregelt, dass ein halbes Prozent des BIP in Um–weltinvestitionen fließt. Mit einem Anteil erneuerbarer Energieträger von 8,1 Prozent am Primärenergieaufkommen gehört das Land bereits zum europäischen Spitzen–Sextett. Bis 2010 soll sich allein die energetische Nutzung von Biomasse auf zehn Prozent erhöhen. Hierzu plant Ljubljana 50 Fernwärmeprojekte auf Basis von fester Biomasse, vor allem Holz. Gegenwärtig erfolgen hierfür die Ausschreibungen. Neue Regelungen beschränken ab 2007 auch den Gülleaustrag und die Behandlung landwirtschaftlicher Abfälle. Darüber hinaus bieten die traditionell stark entwickelte Hopfenproduktion und Nahrungsmittelin–dustrie sehr gute Möglichkeiten für die Biogas–Erzeugung aus organischen Abfällen.
Einen Zukunftsmarkt dürfen nach Sicht des Umweltbundesamtes exportorientierte deut–sche Hersteller von Solaranlagen in Ungarn erwarten. Im Rahmen des Energiesparpro–gramms des Landes – des so genannten Szechenyi–Plans – will das Wirtschaftsministeri–um Investitionen zur Nutzung der Sonnenenergie finanziell fördern. Bereits 2001 wurde das Vorhaben mit 1,8 Millionen Euro unterstützt. Nach Expertenschätzungen sind in dem Land derzeit gut 50.000 Quadratmeter Solarzellen–Flächen installiert.
In Bulgarien sind einige Windkraftprojekte in Vorbereitung. Wegen der momentanen Ein–speisebedingungen entstehen sie vor allem an der bulgarischen Schwarzmeerküste sowie einigen sehr exponierten Gebirgsstandorten, wo sie sich rentabel betreiben lassen. Das nationale Energiegesetz schreibt den Netzbetreibern vor, den gesamten Solarstrom abzu–nehmen, allerdings sind noch keine Mindestpreise festgelegt. Eine Verbesserung dieser Situation werde jedoch für die Zukunft erwartet, heißt es hierzu beim Bundesumweltamt.
Die drei Ostseeanrainer Estland, Lettland und Litauen betreiben mittlerweile einen ge–meinsamen baltischen Elektrizitätsmark. Bereits im September 2001 gründeten vier Ener–gieunternehmen aus Estland und Deutschland den Estnischen Windkraftverband. Sie un–terstützen mit ihrem wirtschaftlichen Know–how die politischen Bemühungen der Tallinner Regierung zur Forcierung erneuerbarer Energiequellen. Auch Lettland will, um seine bis–herige Auslandsabhängigkeit auf dem Energiesektor zu verringern, verstärkt Biomasse, Wind– und Sonnenenergie nutzen. Diesem Ziel diente auch ein gemeinsames Ausbil–dungsprojekt deutscher, lettischer und finnischer Partner.