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Bad Ischl nach Tokio – Teil 6

12.04.2004

Gregor Sieböck aus Patagonien – ein aktueller Auszug aus seinem spannenden Reisetagebuch

© gea
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Im Süden von Chile

Ich bin unterwegs auf der Carretera Austral im südlichen Chile, immer entlang des Pazifiks hinauf in den Norden und die letzten Wochen waren sicherlich die härtesten auf meiner Wanderung bisher: ich kämpfte gegen Wind und Regen und gegen die Einsamkeit und da der Winter immer näher kommt lege ich nun jeden Tag große Distanzen zurück, 45 bis 55 km, um schneller vorwärts zu kommen; aber alles mal der Reihe nach…
Am ersten Tag auf dem Weg vom El Calafate nach Chalten, quer durch die windigen argentinischen Pampas war es sehr heiß und ich hatte fast kein Wasser. Ich dachte mir nicht, dass es schlimmer kommen könnte, doch es kam schlimmer. Am nächsten Tag begann es zu schütten, das erste Mal Regen seit 5 Monaten laut einem Straßenarbeiter, der in der Gegend wohnt. Die Schotterpiste verwandelte sich in Kürze in eine Schlammstraße, ich sank bis zu den Knöcheln in den Lehm ein, vorbeifahrende Autos spritzten mich an und bald war ich bis auf die Unterhose nass. Doch ich gab nicht auf und ging weiter: immer nur vorwärts. Am Abend, mitten in den Pampas fand ich keinen geschützten Zeltplatz und so riss mitten in der Nacht der Wind mein Zelt um: ich musste raus, alles abbauen in einer Eiseskälte und draußen übernachten. Das war alles andere als lustig und am nächsten Tag machte ich mich ziemlich erschöpft auf den Weg. Ich war in Gedanken versunken als ich plötzlich in der Ferne zwei Radfahrer sah. Als sie näher kamen blieben sie stehen, zwei Holländer. Wir waren froh über die willkommene Abwechslung und tauschten Informationen über den Weg aus {wenn ihr wollt könnt ihr auf ihrer Homepage ein Foto von mir anschauen; mit einem großen "Grinser" im Gesicht: www.franksoft.nl/za dort klickt ihr auf: 20040301_el_Calafate und auf Foto 1} In Gedanken an dieses nette Treffen wanderte ich weiter als plötzlich ein Reisebus mit deutschen Touristen stehenblieb: sie gaben mir ein frisches Butterbrot, einen Pfirsich und Wasser und irgendwie kam mir das wie ein königliches Mahl vor, dass ich nie vergessen werde! Diese beiden Treffen gaben mir Kraft weiterzuwandern und die brauchte ich auch, denn am nächsten Tag blies der Wind mit voller Kraft: er wirbelte Sand in die Luft und bald hatte ich Sand in den Augen, zwischen den Zähnen und in den Ohren; oft blieb ich stehen obwohl ich mit voller Kraft voranging oder ich wurde in den Straßengraben gedrängt. Fast hatte ich es schon aufgegeben, aber dann hatte ich es doch geschafft: Chalten, in nur 4 Tagen bin ich 220 km gewandert und da träumte ich dann nur mehr von Pizza, Bier und einem warmen Bett und irgendwie klappte alles. Ich fand eine nette Pension und traf zwei US–Amerikaner dort: James und Joe. Sie luden mich ein, auf Pizza und Bier und es war als ob ich alte Freunde wiedersehen würde; es war ein großartiger, unvergesslicher Abend, der mich für all die Strapazen der vergangenen Tage entschädigte.
Ich wollte bleiben, doch es war keine Zeit dazu; ich musste unbedingt das Schiff über den Lago San Martin erreichen, hinüber nach Chile und das fuhr nur einmal alle zwei Wochen. So ging es wieder hinaus in den Regen. Der Wind hatte mittlerweile eine orkanartige Geschwindigkeit erreicht und es regnete so viel, dass an mehreren Stellen die Flüsse über Ufer traten und die Straße überfluteten. Ich ging, immer nur vorwärts und als ich endlich das Boot erreichte traute ich meinen Augen nicht: es war noch wer dort; trotz dem widrigen Wetter: Roland, ein schweizer Radfahrer, der bereits 80.000 km rund um die Welt geradelt ist, Loic aus Französisch Guiana, der allmorgendlich die besten Chapatis buck, Kathrine aus den USA und zwei Spanier. Wir fuhren alle zusammen mit dem Boot hinüber nach Chile und dann reiste ich weiter zusammen mit Loic und Roland. Wir waren ein ungewöhnliches Gespann: Loic war mit Autostopp unterwegs, Roland auf dem Fahrrad und ich zu Fuß; ich versuchte mitzuhalten und schaffte es und irgendwie zahlten sich all die Anstrengungen aus: wir verbrachten ein paar nette Tage zusammen und in Cochrane machten wir ein großes Lagerfeuer. Roland erzählte G`schichteln von der Seidenstraße, Tibet und der Mongolei, Loic plauderte über das Leben in Französisch Guiana; und bei Bier, Wein, Bratkartoffeln und frischem Gemüse wurde das zu einem unvergesslichen Abend! Doch dann hieß es wieder Abschied zu nehmen und es ging alleine weiter; immer nach Norden, so schnell wie möglich um dem Winter zu
entkommen.
Die Carretera Austral ist eine riesige Herausforderung; mit vielen Facetten. Einmal machte ich Mittagspause, da setzte sich plötzlich der Berg hinter mir in Bewegung, eine Mure ging ab und die Steine donnerten den Hang herunter. Ich fühlte mich sicher, war ich doch mitten im Wald doch als die Steine immer näher kamen schulterte ich schnell meinen Rucksack und rannte; Sekunden dauerten eine Ewigkeit und plötzlich herrschte Stille; der Spuck war vorbei und die Steine kamen in einigen Metern Entfernung zum Liegen….Wie oft doch das Leben nur an einem seidenen Faden hängt.
Oder dann ist auch das Wetter; offiziell hat hier diese Woche der Herbst begonnen aber hier spricht niemand vom Herbst; Winter ist in aller Munde und heute als ich auf die Hügeln rings um Coyhaique blickte leuchtete schon wieder frischer Schnee von den Bergen. Es regnet viel, oft den ganzen Tag, verbunden mit Wind und meist komme ich völlig durchnässt am Abend an, das Zelt ist auch nass und im Dunklen koche ich Nudeln; der Stirnlampe ist es hier offensichtlich zu feucht und sie funktioniert nicht mehr. Dann schlafe ich todmüde ein und beim ersten Tageslicht heißt es wieder raus aus den Federn und weitermarschieren; bis zum Sonnenuntergang: 45, 50, 55 km; das ist alles andere als
lustig.
Doch nichtsdestotrotz gibt es immer auch schöne Erlebnisse: die wunderschöne Landschaft entlang des Weges, Gletscher, die bis ins Tal fließen, versteckte türkisblaue Lagunen oder üppiger Regenwald entlang der Straße. Dann sind da auch noch die unerwarteten Treffen: vorgestern lud mich ein Polizist auf er Polizeistation zu einer heißen Schokolade ein oder einmal teilte ein Holzarbeiter sein warmes Mittagessen mit mir: Kartoffeln mit Gemüse und ein Glas Rotwein; was für ein Leben! Ich lerne wieder die Kleinigkeiten mehr zu schätzen, wie ein warmes, trockenes (!) Bett nach vielen Nächten in Wind und Regen; ja und mit den vorbeifahrenden Autofahrern muss ich auch immer lachen. Manchmal bleiben sie stehen und fragen ob alles in Ordnung ist oder ob ich gerne mitfahren würde. Ich sage dann immer "Me gusta caminar" (Ich gehe gerne); auch wenn das nicht immer stimmt gerade wenn es in Strömen regnet; und so sind auch die Reaktionen der Autofahrer sehr unterschiedlich, sie reichen von "Aha" über "Aso" bis "Bueno" und ab und zu ist einem sogar schon ein "Estas loco" (Du bist ja verrückt) über die Lippen gekommen. Manchmal denke ich wirklich ich wäre verrückt: kurz vor Coyhaique, ich marschierte auf die Stadt zu, bei starkem Gegenwind, da hielt plötzlich eine hübsche Chilenin mit so wunderschönen, ausdrucksstarken Augen; sie sagte nur "Vamos" (Auf geht`s oder Gemma) und ich antwortete wieder "Me gusta caminar…" Als ich weiterwanderte und es zu allem Überdruss noch zu regnen begann dachte ich an die Worte von Alexis Zorba: "Ein Mann muss ein bisschen verrückt sein sonst wagt er es nie das Seil durchzureißen und in die Freiheit zu ziehen…"
Das Leben ist schön; wenngleich das Wandern oft eine riesige Herausforderung und Anstrengung ist; doch die vielen netten Begegnungen entlang des Weges wiegen oft die Strapazen wieder auf und vor allem lerne ich meine Lektion in Genügsamkeit.
Ich hoffe es geht Euch gut, ich denke oft an Euch, in schwierigen Situationen, wenn ich müde bin und nicht mehr weiterkann, dann lächle ich
und habe ich wieder Kraft. Ich freue mich auch immer sehr über Eure Emails, ich lese sie alle; manche drucke ich sogar aus und nehme mit auf den Weg; vielen Dank für Eure aufmunternden Worte!
Ich wünsche Euch alles Gute, genießt den Frühling und das Leben und macht ab und zu mal was Verrücktes; wie Alexis es so schön formulierte; es macht das Leben manchmal erst richtig lebenswert!
Bis bald und liebe Grüße aus dem fernen Patagonien!
Euer Gregor
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12.04.2004 | Autor*in: willfurth
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