Aus für die Dritte Piste: Ökologisch sinnvoll, ökonomisch vernünftig
VCÖ: Entscheidung spart CO₂ und Milliarden
Die Mobilitätsorganisation VCÖ begrüßt die Absage ausdrücklich. Aus ihrer Sicht ist der Verzicht auf die Dritte Piste sowohl ökologisch als auch ökonomisch geboten. Bereits 2017 hatte das Bundesverwaltungsgericht in seinem ablehnenden Erkenntnis festgehalten, dass eine dritte Landebahn jährlich rund 1,17 Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich verursachen würde – dazu kämen mehr Fluglärm und zusätzliche Schadstoffe.
Auch wirtschaftlich sei der Rückzug sinnvoll: Die ursprünglich mit 1,25 Milliarden Euro veranschlagten Baukosten hätten sich laut aktuellen Schätzungen mittlerweile auf rund zwei Milliarden Euro erhöht. Schon 2017 bewerteten Analysten der Raiffeisen Centrobank das damalige Nein zur Piste positiv – die Einsparungen würden die wirtschaftlichen Nachteile übertreffen.
Zudem stellt der VCÖ den häufig behaupteten Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und steigenden Passagierzahlen infrage. Eine im November veröffentlichte internationale Analyse zeigt, dass der Einfluss des Flugverkehrs auf das Wirtschaftswachstum deutlich geringer ist als lange angenommen.
Der VCÖ fordert nun verstärkte Investitionen in den europäischen Bahnverkehr: „Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen internationale Zugverbindungen rascher und deutlich ambitionierter ausbauen.“
Auch die Klimagerechtigkeitsgruppe System Change not Climate Change feiert die Entscheidung als wichtigen Meilenstein. „Die Absage der 3. Piste ist ein Erfolg für die Klimabewegung und die Anrainer*innen. Österreich hat ein Milliardengrab weniger“, sagt Sprecherin Barbara Bacher. Gleichzeitig übt die Gruppe Kritik daran, dass der Flughafen dennoch Ausbaupläne für die bestehenden Pisten entwickeln möchte.
Die Organisation fordert einen grundlegenden Umbau des Flugverkehrs: weniger Flüge, massive Investitionen in klimafreundliche Alternativen und sichere Zukunftsperspektiven für Beschäftigte. Seit ihrer Gründung 2015 unterstützt die Gruppe den langjährigen Widerstand der lokalen Bevölkerung gegen das Projekt.
Die jüngsten Zahlen unterstreichen laut Klimaaktivist*innen die Dringlichkeit eines Kurswechsels. Die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs erreichten heuer laut VCÖ – basierend auf dem in Österreich getankten Kerosin – mit 1,5 Millionen Tonnen CO₂ im Halbjahr einen neuen Höchststand. Berücksichtigt man den vom Umweltbundesamt empfohlenen Klimawirkungsfaktor von 2,7, ist der Flugverkehr für rund 12 Prozent der österreichischen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
System Change not Climate Change sieht in der Absage der Piste ein Signal, auch andere große Infrastrukturprojekte zu überdenken. „Jetzt ist ein guter Moment, fossile Monsterprojekte wie die Lobau-Autobahn oder die A26 endgültig zu stoppen. Sie alle stehen einem guten Leben für alle im Weg“, erklärt die Gruppe.
Stattdessen brauche es eine „politische Notlandung“: Umschulungen für Beschäftigte, Entsiegelung von Böden, eine Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene sowie eine konsequente Sicherung fruchtbarer Flächen.