Atomkraft nur mit Staatsgeld: Warum sich ČEZ aus Bohunice zurückzieht
Bratislava - Die aktuellen Verhandlungen zwischen dem tschechischen Energiekonzern ČEZ und dem slowakischen Staat über den Verkauf der Anteile an der Projektgesellschaft JESS zeigen einmal mehr ein zentrales Problem der Atomkraft: wirtschaftlich tragfähig ist sie nur mit massiver staatlicher Beteiligung.
ährend die slowakische Regierung den Bau eines neuen Reaktors im Atomkraftwerk Jaslovské Bohunice vorantreibt und aktuell direkt mit dem US-Konzern Westinghouse verhandelt, zieht sich ČEZ schrittweise aus dem risikoreichen Kerngeschäft in der Slowakei urück.
Offiziell wird der geplante Verkauf mit strategischen Überlegungen begründet. Doch die Aussagen des ČEZ-Sprechers sind eindeutig: Der Bau von Kernkraftwerken sei weltweit ohne grundlegende staatliche Beteiligung nicht möglich. Hohe Investitionskosten, lange Bauzeiten, unklare Endpreise und politische Risiken machen Atomprojekte für private oder halbstaatliche Unternehmen zunehmend unattraktiv.
Der buchhalterische Wert der ČEZ-Beteiligung an JESS liegt bei rund drei Milliarden Kronen – ob sich diese Summe je realisieren lässt, bleibt offen.
Dass die Slowakei den neuen Reaktor vollständig in staatlichem Besitz errichten will, unterstreicht diese Entwicklung. Atomkraft wird damit endgültig zu einem öffentlichen Finanzierungsprojekt, bei dem Gewinne privatisiert, Risiken jedoch sozialisiert werden. Den Schaden - die horrenden künftigen Kosten - zahlen die Stromkunden und die Bürger und Bürgerinnen mit!
Beratung durch internationale Investmentbanken wie Rothschild & Co. kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Unsicherheit enorm ist – selbst in einem Land, das bereits sechs Reaktoren betreibt.
Bemerkenswert ist außerdem, dass JESS parallel in erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Windkraft investiert. Gerade diese Bereiche gelten als deutlich kostengünstiger, schneller umsetzbar und wirtschaftlich planbarer als neue Atomkraftwerke. Der Rückzug von ČEZ aus dem nuklearen Kernprojekt wirkt vor diesem Hintergrund wie ein stilles Eingeständnis: Atomkraft ist weniger eine marktfähige Energieform als ein politisches Prestigeprojekt – teuer, riskant und ohne staatliche Dauerstütze kaum überlebensfähig. Energiemonopolitik wie man sie sich kaum vorstellen kann!!