Atom statt Wind: Tschechien blockiert die Energiewende
Bereits im vergangenen Jahr fiel der Windkraftausbau äußerst gering aus: In ganz Tschechien gingen lediglich fünf neue Windkraftanlagen mit insgesamt rund 13 Megawatt Leistung ans Netz. Für das laufende Jahr sind laut Medienberichten überhaupt keine neuen Anlagen geplant. Zum Vergleich: In Österreich wurden 2025 insgesamt 48 neue Windräder errichtet, die mit 285 Megawatt mehr als das Zwanzigfache der tschechischen Leistung erbringen.
Dabei liegt Tschechien beim Anteil von Windstrom schon jetzt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Lediglich rund ein Prozent des Stroms stammt aus Windenergie, während der EU-Schnitt bei etwa 19 Prozent liegt. Österreich – ebenfalls ein Binnenland – erreicht mit Windkraft bereits einen Anteil von rund 16 Prozent an der Stromerzeugung.
Statt den Rückstand bei den Erneuerbaren aufzuholen, richtet sich der politische Fokus in Tschechien zunehmend auf neue Atomprojekte. Besonders ambitioniert sind Pläne für sogenannte Small Modular Reactors (SMR) an bis zu 46 Standorten. Diese Reaktoren existieren jedoch bislang nur auf dem Papier. Selbst optimistische Einschätzungen der Atomindustrie gehen davon aus, dass ein erster SMR-Reaktor frühestens 2039 in Betrieb gehen könnte.
Kritiker:innen warnen daher vor einer energiepolitischen Sackgasse. Der einseitige Fokus auf Atomkraft verschiebe dringend notwendige Investitionen in erneuerbare Energien und verzögere die Energiewende um Jahrzehnte. Zudem wachse der Einfluss der Atomlobby, während bewährte und rasch verfügbare Technologien wie Windkraft politisch ausgebremst würden.
„Tschechien verschläft die Energiewende sehenden Auges“, kritisiert Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben!. Statt auf unrealistische Atomversprechen zu setzen, brauche es einen raschen, ehrlichen und flächendeckenden Ausbau der Windkraft – in Tschechien ebenso wie in der grenznahen energiepolitischen Debatte insgesamt.