Anteil erneuerbarer Energien in Österreichs Strommix steigt weiter
Wien - Der Anteil erneuerbarer Energieträger am in Österreich gelieferten Strom ist im Jahr 2024 weiter gestiegen. Laut dem aktuellen Strom- und Gaskennzeichnungsbericht der Regulierungsbehörde E-Control liegt der Anteil an erneuerbarem Strom mittlerweile bei 86,52 Prozent – ein Plus gegenüber 84,72 Prozent im Jahr 2023. Bereits 2022 lag der Wert bei 82,93 Prozent.
„Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort“, betont E-Control-Vorstand Alfons Haber. „Auch wenn die Stromkennzeichnung nicht direkt mit den tatsächlichen Erzeugungswerten vergleichbar ist, zeigt sie doch deutlich, dass der österreichische Strom immer grüner wird.“
Die Stromkennzeichnung basiert auf sogenannten Herkunftsnachweisen, die unabhängig von der tatsächlichen Stromerzeugung gehandelt werden können. Sie zeigen, aus welchen Energiequellen der gelieferte Strom rechnerisch stammt. Laut Haber weicht der Anteil der erneuerbaren Energien in der Kennzeichnung (86,52 %) vom Erzeugungswert (94 %) ab, weil Herkunftsnachweise als handelbare Zertifikate eingesetzt werden.
Der Bericht zeigt auch, dass der Anteil fossiler Energieträger im Strommix weiter zurückging – von 15,22 % im Jahr 2023 auf 13,42 %. Aus Kernenergie wurden wie in den Vorjahren keine Herkunftsnachweise verwendet.
Hauptquelle der erneuerbaren Herkunftsnachweise bleibt die Wasserkraft mit 61,98 %, gefolgt von Windkraft (12,86 %) und Sonnenenergie (7,52 %). Biomasse trägt 3,07 %, erneuerbare Gase 0,88 % bei.
Rund 49,45 % der Herkunftsnachweise wurden gemeinsam mit dem Strom beschafft – ein Wert, den Haber als Erfolg sieht: „Damit wird für Konsumentinnen und Konsumenten noch klarer nachvollziehbar, ob ihr Strom tatsächlich aus Österreich stammt.“
Insgesamt überprüfte die E-Control 131 Stromlieferanten. Davon lieferten 110 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Auch bei den eingesetzten Nachweisen zeigt sich eine klare Tendenz: 71,35 % stammen aus Österreich (2023: 68,02 %), während der Anteil ausländischer Nachweise auf 28,65 % sank. Wichtigster Herkunftspartner bleibt Norwegen mit 9,9 %, gefolgt von den Niederlanden mit 5,99 %.
Österreich gilt seit Jahren als europäischer Vorreiter bei der Strom- und Gaskennzeichnung. Um diese Rolle zu sichern, wird derzeit die Novelle der Stromkennzeichnungsverordnung 2025 vorbereitet. Sie soll unter anderem den Umgang mit großen Batteriespeichern regeln und mehr Klarheit schaffen. „Ziel ist, Transparenz zu gewährleisten – nicht Hürden für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen“, so Haber.
Weniger erfreulich fällt das Bild bei der Gaskennzeichnung aus. „Nach wie vor stammt der Großteil des gelieferten Gases aus unbekannter Herkunft – konkret 99,85 %“, erklärt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Nur 0,15 % des Gases wurden mit Herkunftsnachweisen belegt.
Immerhin steigt das Interesse an erneuerbaren Gasen: 17 Lieferanten wiesen Biomethan in ihrem Versorgermix aus, zehn davon boten sogar reine Biomethanprodukte an – ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. 2025 sollen zudem fünf neue Biomethananlagen in Betrieb gehen.
Urbantschitsch betont, dass auch die Gas-Kennzeichnungspflicht seit drei Jahren für alle Lieferanten gilt: „Erstmals wurden heuer Herkunftsnachweise für Wasserstoff eingesetzt – ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz.“
Die kommende Novelle zur Stromkennzeichnungsverordnung soll auch auf den Gasbereich wirken, insbesondere im Zusammenhang mit Wasserstoff. Urbantschitsch: „Wir wollen sicherstellen, dass es bei der Produktion von Wasserstoff kein Greenwashing gibt. Nur so bleibt das System glaubwürdig und verlässlich.“
Der vollständige Strom- und Gaskennzeichnungsbericht 2024 ist auf der Website der E-Control abrufbar .
www.e-control.at/stromkennzeichnungsbericht