Angesichts von Klima- und Budgetkrise: Kritik am geplanten Autobahnausbau wächst
Wien - Der in der Vorwoche präsentierte Plan zum massiven Ausbau von Autobahnen und Schnellstraßen sorgt für scharfe Kritik. Angesichts der sich zuspitzenden Klima- und Budgetkrise sei ein derartiger Ausbau „unverständlich und aus verkehrspolitischer Sicht kontraproduktiv“, erklärt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Während zentrale Schienenprojekte wie der U-Bahnausbau in Wien aus finanziellen Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben werden, sollen gleichzeitig weitere Milliarden in neue Straßeninfrastruktur fließen.
Dabei verfüge Österreich bereits über eines der am dichtesten ausgebauten Autobahn- und Schnellstraßennetze Europas – und stehe gleichzeitig vor einer kostspieligen Sanierungswelle. „Viele Straßen, Brücken und Tunnel sind in einem Alter, in dem sie einer umfassenden Generalsanierung bedürfen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Auch die Folgen zunehmender Extremwetterereignisse - etwa Starkregen, Muren oder Hitzeperioden - treiben die Kosten weiter in die Höhe.
Sanierung vor Neubau und Öffis vor mehr Autoverkehr
Der VCÖ fordert daher, dass Reparatur und Erhalt bestehender Infrastruktur Vorrang vor Neubau haben müssen – nicht zuletzt aus Gründen der Verkehrssicherheit. Zudem seien volkswirtschaftliche Alternativen zwingend mitzudenken. „Für eine fundierte Entscheidung hätte auch der Nutzen eines verstärkten Ausbaus des Öffentlichen Verkehrs geprüft werden müssen“, so Schwendinger.
Gerade hier sieht der Verkehrsclub akuten Handlungsbedarf: Engpässe in Ballungsräumen, unzureichende Anbindungen in vielen Regionen und ein steigender Mobilitätsbedarf erforderten einen „massiven und langfristig gesicherten Ausbau des Öffi-Angebots“. Nur so könne Österreich die notwendigen CO₂-Einsparungen im Verkehrssektor erreichen.
Klimaziele in Gefahr
it dem geplanten Straßenausbau droht laut VCÖ allerdings das Gegenteil: Mehr Autobahnen führten absehbar zu mehr Kfz-Verkehr – und damit zu steigenden Emissionen. „Damit Österreich seine Klimaziele erreicht, ist eine deutliche Verlagerung vom Auto auf den Öffentlichen Verkehr unverzichtbar. Die derzeitigen Pläne wirken jedoch wie ein Programm zur Verkehrszunahme“, warnt Schwendinger.
Während also Milliarden für neue Autobahnkilometer freigegeben werden, fehlen sie gleichzeitig beim öffentlichen Verkehr, mit langfristigen Folgen für Budget, Klima und Verkehrssicherheit.
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