Amazonas: Klimaschutz beginnt in den Städten
Ein neues Programm bringt deshalb Klimaschutz direkt auf kommunaler Ebene voran. Das Brazil Mutirão Program unterstützt 11 Städte im Amazonasgebiet dabei, Klimapläne zu entwickeln und konkrete Projekte umzusetzen. Dahinter steht eine Zusammenarbeit von Städten, brasilianischer Bundesregierung und internationalen Netzwerken.
Von der Klimastrategie zur konkreten Umsetzung
Zu den beteiligten Städten zählen unter anderem Altamira, Barcarena, Boa Vista, Cáceres, Parintins und Rio Branco. Sie arbeiten an lokalen Klimaplänen, mit denen Klimarisiken und Emissionsquellen erfasst und konkrete Prioritäten für Klimaschutz und Anpassung festgelegt werden.
Andere Städte setzen bereits konkrete Maßnahmen um. Ananindeua und Benevides entwickeln Konzepte für die Bewirtschaftung organischer Abfälle. Dabei geht es unter anderem darum, Methanemissionen zu reduzieren und organische Reststoffe stärker in eine Kreislaufwirtschaft einzubinden.
In Belém und Porto Velho liegt der Schwerpunkt auf nachhaltiger urbaner Mobilität. Geplant beziehungsweise entwickelt werden Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und zur Elektrifizierung von Fahrzeugflotten. Rio Branco verbindet wiederum die Erstellung seines Klimaplans mit einer Stärkung der kommunalen Abfallwirtschaft.
Damit verfolgt das Programm einen Ansatz, der über klassische Klimaschutzstrategien hinausgeht: Nicht nur Emissionen sollen reduziert, sondern Städte gleichzeitig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise gemacht werden.
Der Amazonas braucht starke Städte
„Der Amazonas steht im Zentrum der globalen Klimaagenda, aber seine Transformation hängt auch von der Fähigkeit der Städte ab, zu planen und zu handeln“, sagt Belén Jiménez, Senior Engagement Manager beim Global Covenant of Mayors for Climate & Energy (GCoM). Auf kommunaler Ebene würden Entscheidungen über Infrastruktur, öffentliche Dienstleistungen und Stadtentwicklung getroffen – und damit unmittelbar über die Lebensbedingungen der Bevölkerung.
Genau hier setzt das Mutirão-Programm an. C40 Cities und GCoM arbeiten dabei mit brasilianischen Kommunen, der Nationalen Bürgermeistervereinigung FNP sowie weiteren Partnern zusammen. Auch die brasilianischen Ministerien für Städte sowie für Umwelt und Klimawandel sind eingebunden.
Die Initiative versteht sich zugleich als Teil des Erbes der COP30, die 2025 in Belém stattfand. Die dort aufgebaute Zusammenarbeit zwischen nationalen und lokalen Ebenen soll nun in konkrete Projekte überführt werden.
Künstliche Intelligenz für kommunale Klimapläne
Bei der Planung kommt auch digitale Technologie zum Einsatz. Ein Beispiel ist der City Climate Compass, eine von C40 Cities und GCoM entwickelte Plattform, die Klimadaten, Informationen zu lokalen Emissionen und Klimarisiken sowie Künstliche Intelligenz miteinander verbindet.
Die Plattform soll Kommunen dabei unterstützen, Risiken zu erkennen, Handlungsmöglichkeiten zu vergleichen und Maßnahmen zu priorisieren. Sie wird bereits in 50 brasilianischen Kommunen eingesetzt. Zusätzlich wurde eine öffentlich zugängliche Datenbank mit Klimainformationen für Städte in ganz Brasilien aufgebaut.
Ein konkretes Beispiel ist erneut Rio Branco. Dort unterstützt der City Climate Compass die Entwicklung des kommunalen Klimaplans. Emissionsprofile, Klimarisiken und Verwundbarkeiten werden mit möglichen Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen verknüpft. Damit soll Klimapolitik stärker von einer reinen Bestandsaufnahme zu einem praktischen Instrument für politische Entscheidungen werden.
„Mit einem leichteren Zugang zu Informationen, Daten und neuen Technologien können Städte die Komplexität der Klimaherausforderungen in klarere Entscheidungen darüber übersetzen, wo und wie gehandelt werden soll“, erklärt Sandino Lamarca, Senior Data Manager bei C40 und GCoM.
Abfall, Verkehr und Klimaanpassung
Gerade in schnell wachsenden Städten Amazoniens können vergleichsweise klassische Maßnahmen eine große Klimawirkung entfalten. Eine bessere Abfallwirtschaft kann Methanemissionen reduzieren, nachhaltige Verkehrssysteme senken den Energieverbrauch und die Luftverschmutzung, während eine vorausschauende Stadtplanung die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Starkregen und anderen Klimafolgen erhöht.
Das Mutirão-Programm versucht deshalb, Klimaschutz mit konkreten Verbesserungen im Alltag der Bevölkerung zu verbinden.
Das Programm unterstützt inzwischen mehr als 50 brasilianische Kommunen und Bundesstaaten. Insgesamt sollen 20 finanzierungsreife Projekte unter anderem in den Bereichen nachhaltige urbane Mobilität und Abfallwirtschaft entwickelt werden. Hinzu kommen Unterstützung bei Klimafinanzierung, Datenzugang, Klimabudgetierung und einer inklusiven Klimapolitik.
Ein Modell für Klimaschutz auf mehreren Ebenen
Der Ansatz ist auch politisch interessant: Statt Klimaschutz ausschließlich auf nationaler Ebene zu organisieren, werden Bund, Länder beziehungsweise Bundesstaaten, Städte und internationale Netzwerke miteinander verknüpft.
Brasilien will damit zeigen, dass internationale Klimaziele nur dann Wirkung entfalten, wenn sie bis auf die lokale Ebene übersetzt werden. Gerade im Amazonasgebiet ist das von besonderer Bedeutung. Der Schutz des Regenwaldes, die Entwicklung der Städte und die Lebensqualität der Bevölkerung sind eng miteinander verbunden.
Der Amazon Day 2026 lenkt damit den Blick nicht nur auf den Wald selbst, sondern auch auf jene Orte, in denen ein großer Teil der Bevölkerung der Region lebt: die Städte. Dort entscheidet sich, ob Klimaschutz ein abstraktes politisches Ziel bleibt oder zu konkreten Veränderungen bei Verkehr, Energie, Abfallwirtschaft und Stadtentwicklung führt.