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Afrika ohne Solarenergie

02.05.2004

Im sonnigen Afrika kann sich kaum jemand Solarenergie leisten

ja © wu–wien
ja © wu–wien
Der einstige Star des Weltgipfels von Johannesburg steht funkelnd am Rande der Autobahn nach Pretoria. Ein riesiger Sonnenkollektor blitzt auf dem Gelände der Südafrikanischen Entwicklungsbank. Doch die Technik hat einen Schönheitsfehler: in seinem nur selten korrekt ausgerichteten Rund spiegelt sich öfter die Erde als die Sonne. Der wie ein Denkmal anmutende Solarkollektor hat Symbolcharakter für die Ausschöpfung der Solarenergie in Afrika.
Besucher wundern sich immer wieder, dass auf den Dächern in dem sonnenverwöhnten Kontinent nicht mehr Solarzellen zu sehen sind. "Das können sich nur Leute leisten, die eine Menge Geld haben", erläutert David Otieno von Kenias Umweltorganisation Solarnet. Dort nutzen schätzungsweise 200 000 Haushalte die Sonnenkraft. Mindestens 500 Euro muss man in Kenia investieren, um Sonnenlicht in elektrisches Licht umzuwandeln – etwa ein halbes durchschnittliches Jahreseinkommen. Ein Ladegerät für Mobiltelefone kostet etwa 36 Euro.
Kenias Nachbarland Äthiopien bekommt von der Sonne täglich so viel Energie frei Haus geliefert wie Deutschland in anderthalb Jahren verbraucht. "Mit Solarenergie werden vor allem Radios, Fernseher und Ladegeräte für Mobiltelefone betrieben", sagt Otieno und betont: "Aber das Potenzial dieser Energieform ist bei weitem nicht ausgeschöpft."
Das meint auch Beate Baethke, Solarexpertin der Deutschen Investitions– und Entwicklungsgesellschaft (DEG): "Im Süden Namibias haben Messungen ergeben, dass nur durch Sonneneinstrahlung auf jedem Quadratmeter 3000 Kilowattstunden pro Jahr produziert werden könnten – ein Vielfaches dessen, was in Kalifornien drin ist." Kein Wunder, dass die UN–Umweltbehörde UNEP die Nutzung der Sonnenenergie in Afrika fördert. Seit drei Jahren sammelt sie in Entwicklungsländern Daten zur Erforschung des Sonnen– und Windenergiepotenzials. Weltweit strahlt die Sonne immerhin 2850 Mal so viel Energie ein wie die gesamte Menschheit verbraucht.
In weiten Teilen Afrikas muss sich die Sonnenenergie dabei nicht einmal wie in Europa gegen traditionelle Energieträger durchsetzen. Oft reichen Stromnetze kaum über die Grossstädte hinaus. "Hier geht es nicht um die Frage: "Sonne oder Kohle?", sondern: "Sonnenenergie oder gar keinen Strom?"", erläutert der UNEP–Energieexperte Eric Usher. In Sambia etwa hätten nur fünf Prozent der Bevölkerung Elektrizität. Umwandlung von Sonnenenergie in Strom sei dabei die meistverbreitete Methode. Botswana dagegen ist führend bei der Solarenergie–Nutzung zum Erhitzen von Wasser. Usher: "Dort gibt es kaum ein öffentliches Gebäude, in dem das warme Wasser nicht von der Sonne erhitzt wurde."
In Südafrika fördert Deutschland die Elektrifizierung entlegener ländlicher Regionen seit Mai 2002 mit einem Darlehen über 15,8 Millionen Euro, um 27 000 Haushalte, Schulen und Gesundheitsstationen durch Solarstrom zu versorgen. Die Europäische Union hatte zuvor 12,5 Millionen Euro in die Solarenergie investiert. 1000 ländliche Schulen ohne Elektrizität sollten damit Strom erhalten. Das Projekt erlitt jedoch durch Diebstahl und vor allem Vandalismus einen herben Rückschlag.
Prof. Linda Chisholm vom nationalen Forschungsrat HSRC Südafrikas nennt noch einen weiteren Grund den schweren Stand der Solarenergie in Afrika: "Es gibt Hinweise, dass Solaranlagen in vielen ländlichen Gebieten als Stromquellen zweiter Klasse angesehen werden, die zu schwach und teuer sind und auch den begehrten Anschluss ans Stromnetz verhindern." Neben Akzeptanzproblemen sehen Experten auch herkömmliche Stromkonzerne als Hürde. Unwillige Regierungen gelten ebenfalls als grosses Hindernis für die Verbreitung alternativer Energieträger. "Die Politiker wollen alte Staatsmonopole schützen. Solarenergie ist vielen Regierung in Afrika suspekt", meint der Kenianer Otieno. Es gebe aber Hoffnung.
In Kenia seien Kollektoren bereits von der Steuer befreit, weiteres Zubehör soll bald steuerfrei zu haben sein. Auch Namibia beschreitet neue Wege. Beate Baethke: "Dort stellen vom Staat anerkannte Installateure für ihre Kunden den Antrag und es gibt dann Subventionen." Vor allem Dieselgeneratoren auf Farmen ohne Stromanschluss werden durch Photovoltaik–Anlagen mehr und mehr unterstützt.
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02.05.2004 | Autor*in: willfurth
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