Ab 31. Mai lebt Österreich von fossiler Energie aus Importen
Der Anteil heimisch erzeugter Energie am Gesamtverbrauch lag 2025 bei lediglich 41 Prozent. Rund 60 Prozent des Energiebedarfs müssen importiert werden. Während erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse vollständig im Inland erzeugt werden, ist die Abhängigkeit bei fossilen Energieträgern besonders hoch: Mehr als 90 Prozent des Erdgases, 95 Prozent des Erdöls und die gesamte Kohle werden importiert. Ein großer Teil stammt aus außereuropäischen Staaten wie Kasachstan, Libyen oder den USA.
Milliardenabfluss durch Energieimporte
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Abhängigkeit sind enorm. In den vergangenen zehn Jahren lagen die Netto-Ausgaben für Energieimporte durchschnittlich bei rund zehn Milliarden Euro jährlich. Im Krisenjahr 2022 verdoppelte sich dieser Betrag sogar auf 20 Milliarden Euro. Nach einem Rückgang auf acht Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 angesichts des Konflikts rund um den Persischen Golf erneut ein deutlicher Anstieg erwartet.
Allein Österreichs täglicher Rohölbedarf beträgt rund 170.000 Barrel. Bereits in den ersten drei Monaten der aktuellen Spannungen im Nahen Osten entstanden durch gestiegene Ölpreise zusätzliche Importkosten von rund 450 Millionen Euro.
„Die Abhängigkeit von Energieimporten kostet Österreich jedes Jahr Milliarden“, sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. „Erneuerbare Energien hingegen halten die Wertschöpfung im Land und stärken Versorgungssicherheit sowie wirtschaftliche Stabilität.“ Ziel sei dabei nicht völlige Autarkie, sondern „mehr Souveränität in Österreich und Europa“.
Verkehr bleibt größter Fossiltreiber
Besonders stark zeigt sich die Importabhängigkeit im Verkehrssektor. Von den 2025 verbrauchten 104 Terawattstunden Ölprodukten entfielen rund 85 Prozent auf den Verkehr. Diesel und Benzin bleiben damit zentrale Treiber des fossilen Energieverbrauchs.
„Gerade im Verkehr spüren wir diese Abhängigkeit unmittelbar – etwa an der Tankstelle“, erklärt Christoph Dolna-Gruber, Leiter Strategy & Development der Österreichischen Energieagentur. Geopolitische Krisen könnten künftig nicht nur Preise, sondern auch die Versorgungssicherheit beeinflussen.
Elektroautos als Schlüssel zur Energieunabhängigkeit
Als zentraler Hebel gegen die Importabhängigkeit gilt die Elektrifizierung des Verkehrs. Elektroautos benötigen deutlich weniger Energie als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor: Während E-Autos einen Wirkungsgrad von rund 75 Prozent erreichen, liegt dieser bei Dieselautos nur bei etwa 25 Prozent.
„Wenn wir bis 2040 den gesamten Verkehrssektor elektrifizieren, benötigen wir zusätzlich rund 18 Terawattstunden Strom“, sagt Angerer. „Das entspricht in etwa dem gesamten Ausbau erneuerbarer Energien zwischen 2010 und 2024.“
Die Entwicklung am Fahrzeugmarkt zeigt bereits deutlich in diese Richtung. In den Monaten März und April 2026 lag der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen bei rund einem Viertel. Bis Ende April wurden österreichweit 24.469 E-Pkw neu zugelassen – ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Gebrauchtwagenmarkt zieht nach. Laut der Plattform willhaben stiegen die Anfragen nach gebrauchten E-Autos im März 2026 im Vergleich zum Vorjahr um das 2,3-Fache.
E-Autos werden Teil des Stromsystems
Elektrofahrzeuge sollen künftig nicht nur Strom verbrauchen, sondern aktiv Teil des Energiesystems werden. Durch intelligentes Laden können Fahrzeuge dann geladen werden, wenn besonders viel erneuerbare Energie verfügbar ist. Das entlastet die Stromnetze und senkt Kosten.
„Wir haben mittlerweile 37.000 öffentliche Ladepunkte in Österreich und rund 200.000 private Wallboxen“, erklärt Ute Teufelberger, Geschäftsführerin der E-VO eMobility GmbH. „Damit ist die Ladeinfrastruktur auch im europäischen Vergleich sehr gut aufgestellt.“
Künftig könnten E-Autos durch bidirektionales Laden sogar Strom zurück ins Netz oder in Gebäude einspeisen. Ein modernes Elektroauto mit 80 Kilowattstunden Batteriekapazität könne ein Einfamilienhaus bei halber Ladung etwa drei Tage lang mit Strom versorgen.
Auch E-Lkw holen auf
Nicht nur Pkw, auch der Schwerverkehr steht laut Branchenvertretern vor einem Umbruch. Sinkende Betriebskosten und steigende Energiepreise machen elektrische Lkw zunehmend wirtschaftlich. Bis Ende 2025 waren in Österreich knapp 18.000 E-Lkw zugelassen, allein in den ersten vier Monaten 2026 kamen weitere 1.611 Fahrzeuge hinzu.
Forderung nach nationalem Elektrifizierungsplan
Für die Österreichische Energieagentur reicht es jedoch nicht, einzelne Förderungen oder Maßnahmen umzusetzen. Gefordert wird ein umfassender Elektrifizierungsplan, der Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung gemeinsam denkt.
„Die Elektrifizierung der Mobilität bringt enorme volkswirtschaftliche Vorteile – von geringeren Emissionen und weniger Lärm bis hin zu sinkender Importabhängigkeit“, sagt Dolna-Gruber.
Angerer fordert daher ein langfristiges Gesamtkonzept: „Nur das Zusammenspiel von erneuerbarer Erzeugung, Netzen, Speichern und flexiblem Verbrauch schafft das volkswirtschaftliche Optimum.“