© Juergen PM auf pixabay
© Juergen PM auf pixabay

"Farm to Fork"- und Biodiversitätsstrategie vorgestellt

Österreich muss ernsthaften Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten

Die EU-Politik zur biologischen Vielfalt und für gesunde Lebensmittel braucht eine neue Richtung. Dazu wurden diese Woche in Brüssel die Biodiversitäts- und die "Farm to Fork"-Strategien veröffentlicht. "Die Botschaft ist klar: Umwelt- und Landwirtschaftspolitik müssen Hand in Hand gehen, um die Versorgungssicherheit angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise sicherzustellen. Die heute veröffentlichten Strategien sind allerdings nur der Beginn", stellt Dagmar Urban, politische Referentin bei ARCHE NOAH, klar. "Damit die in der "Farm to Fork"- und Biodiversitäts-Strategie genannten Ziele Früchte tragen, braucht es konkrete, verpflichtende Maßnahmen und Geld für Vielfalt - vom Saatgut bis zum Teller", fordert ARCHE NOAH, Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt. Saatgut-Vielfalt leistet einen wesentlichen Beitrag zum Stopp der Biodiversitätskrise, von weniger Pestiziden auf dem Feld bis zu gesundem Essen auf dem Teller. Dieses Potential muss jetzt in Österreich und auf EU-Ebene genutzt werden.

Die COVID-Krise zeigt: Die große Frage für die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung wird die Widerständigkeit gegen Krisen sein. Vielfalt ist die wichtigste Grundlage für mehr Resilienz in der Landwirtschaft und eine Transformation hin zu einem System, das im Einklang mit der Natur arbeitet. Regional angepasstes Bio-Saatgut kann zum Beispiel eine große Rolle bei der Ökologisierung des Landwirtschaftssystems spielen: Es kommt ohne chemisch-synthetische Pestizide aus und kann sich besser an Klimaveränderungen anpassen. Ohne regionales Bio-Saatgut können die Ziele für eine gesunde Umwelt und für gesunde Menschen nicht erreicht werden, wie beispielsweise das in beiden Strategien erwähnte Ziel der Pestizid-Reduktion um 50 Prozent. Dafür müssen aber die politischen Rahmenbedingungen - von der Förderpolitik bis zum Saatgutrecht - passen.

Vielfältiges Saatgut spielt eine große Rolle für die Zukunft: Vielfalt auf den Äckern und in den Gärten ("farm") als Grundlage für vielfältige Lebensmittel auf unseren Tellern ("fork"). "Wir freuen uns, dass die EU-Kommission die zentrale Rolle von Saatgut in beiden Strategien anerkennt - leider folgen aus dieser Erkenntnis noch keine konkreten Maßnahmen", bedauert Dagmar Urban von ARCHE NOAH. "Die Situation bleibt angespannt: Das Recht auf Saatgut wird aufgrund der Patentierung von Pflanzen gefährdet und regionale, nicht standardisierte Sorten werden weiterhin in bürokratische Nischen verdrängt. Den schönen Worten müssen jetzt Taten folgen, um die Vielfalt von traditionellen und lokalen Sorten zu garantieren."

ARCHE NOAH fordert für die österreichische Umsetzung der Biodiversitätsstrategie ein klares Ziel: alle notwendigen Maßnahmen zu setzen, um die Biodiversitätskrise zu stoppen. Dafür braucht es einen Schwerpunkt auf den Erhalt der vielfältigen genetischen Ressourcen und der Vielfalt an Kultursorten. "Das Ziel der ‚Farm to Fork‘-Strategie muss den Ausgangspunkt für einen fundamentalen Wandel in der europäischen und österreichischen Landwirtschaftspolitik hin zu mehr Ökologie bedeuten", so Urban. "Vielfalt ist unsere Versicherung für die Herausforderungen von morgen, etwa für die Entwicklung von neuen Medikamenten oder die Anpassungen an ein verändertes Klima. Diese Vielfalt muss zurück auf die Felder, dann kann die Landwirtschaft ihren Beitrag für eine vielfältige Zukunft leisten!"

Rückfragehinweis: Dagmar Urban Politische Referentin ARCHE NOAH Tel.: +43 (0)676 931 81 80 E-Mail: dagmar.urban@arche-noah.at Axel Grunt Presse ARCHE NOAH Saatgutpolitik Tel.: +43 (0)680 23 79 245 E-Mail: kontakt@talkyourwalk.at Bildservice: Download unter www.arche-noah.at/presse-und-medien oder auf Anfrage unter johanna.gillinger@arche-noah.at. Wir haben eine umfangreiche Bilddatei.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/18491/aom

* * OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT * *

OTS0152 2020-05-20/13:51

EU-Kommission benennt Bio-Landwirtschaft als Eckpfeiler einer Ökologisierung der EU-Agrarpolitik

Die Bio-Landwirtschaft wird in den Strategien als wesentlicher Eckpfeiler der Umgestaltung zu einer nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft in der EU genannt. Demnach soll der EU-weite Bio-Anteil bis 2030 von derzeit 7,7 Prozent auf 25 Prozent gesteigert werden und unter anderem damit eine Reduktion des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pestiziden um die Hälfte erreicht werden. Gleichzeitig sollen Maßnahmen zur Stärkung des Absatzes von Bioprodukten gesetzt werden.

"BIO AUSTRIA begrüßt ausdrücklich die Verankerung der Bio-Landwirtschaft als zentrale Säule einer nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Dass die EU-Kommission erstmals konkrete Ziele für den Bio-Anteil in der Landwirtschaft etabliert und gleichzeitig Maßnahmen zur Marktentwicklung setzen will, ist ein positives Signal für die Umgestaltung der Landwirtschaft hin zu einer gleichermaßen ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit", betont BIO AUSTRIA-Obfrau und Biobäuerin Gertraud Grabmann.

Die Bio-Landwirtschaft ist ein bewährtes Modell der Landwirtschaft, das die Bedürfnisse der Bäuerinnen und Bauern und jene der Umwelt, des Klimas und auch der Gesellschaft gleichermaßen gut erfüllt. Bio ist der höchste gesetzlich geregelte Standard für nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Unter anderem sind in Bio chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger gänzlich verboten. Bio-Landwirtschaft leistet unter anderem dadurch tagtäglich einen wesentlichen Beitrag zu mehr Biodiversität, Klimaschutz, sowie für gesunde Lebensmittel und eine gesunde Umwelt.

Es sei daher "absolut richtig, den ökologischen Landbau als Eckpfeiler zu nehmen, um damit ein nachhaltiges, krisenfestes und enkeltaugliches Land- und Lebensmittelsystem für alle EU-BürgerInnen zu formen", so Grabmann. Entscheidend werde es nun sein, die Zielsetzungen der Biodiversitäts- und F2F-Stragie konkret umzusetzen, allen voran in der Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), um die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern für die Gesellschaft zu honorieren und ökologisch und ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft so auch wettbewerbsfähiger zu machen, so die Biobäuerin. "Österreich hat im Bereich der biologischen Landwirtschaft bereits viel erreicht. Dass die EU-Kommission diesen Weg auf europäischer Ebene nachzeichnen möchte, ist gleichzeitig als Bestätigung für Erreichtes sowie als Verpflichtung für die Zukunft zu sehen", so die BIO AUSTRIA-Obfrau.

Greenpeace: EU-Strategie für nachhaltige Landwirtschaft blendet Klimakiller Massentierhaltung aus

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert die Strategie der Europäischen Kommission für eine nachhaltige Landwirtschaft "Farm to Fork". Die Kommission legt darin keine Maßnahmen für das größte umweltpolitische Problem im Agrar- und Ernährungsbereich vor: die industrielle Massentierhaltung. Die Überproduktion und der Überkonsum von Fleisch in der Europäischen Union und in Österreich haben schon heute katastrophale Auswirkungen auf Umwelt, Klima, Tierwohl und die menschliche Gesundheit. Wenn die Überproduktion und der Überkonsum von Fleisch nicht reduziert werden, lässt sich jedoch weder das Klima noch die Artenvielfalt retten. Für eine zukunftsfähige Lebensmittelproduktion muss die Europäische Kommission jetzt endlich Maßnahmen zu Reduktion der industriellen Massentierhaltung in Europa setzen, fordert Greenpeace.

"Die industrielle Massentierhaltung ist der größte Klimakiller unserer Lebensmittelproduktion. Zusätzlich treibt der Soja-Hunger der europäischen Massentierhaltung die Zerstörung von Urwäldern weltweit voran - mit katastrophalen Auswirkungen für die Artenvielfalt. Solange die Europäische Kommission keinen Plan zur Reduktion der europäischen Massentierhaltung vorlegt, ist es unmöglich, die Ziele im Bereich Klimaschutz und Artenschutz zu erreichen", sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. Die Europäische Union importiert rund 33 Millionen Tonnen Soja pro Jahr. Grund für den hohen Import ist in erster Linie die industrielle Massentierhaltung in Europa: 87 Prozent des Sojas in der EU wird als Futtermittel für Nutztiere verwendet. Das hängt wiederum eng mit dem extrem hohen Konsum von Fleisch und Milchprodukten in Europa zusammen.

Auch Österreich muss hier seine Hausaufgaben machen. Über sechzig Prozent der Ackerflächen werden hierzulande dafür genutzt, um Tierfuttermittel - wie etwa Soja oder Futtermais - anzubauen, anstatt pflanzliche Lebensmittel direkt für uns Menschen. Trotzdem importiert Österreich jährlich nochmal 500.000 Tonnen Soja-Futtermittel, davon mindestens 350.000 Gentechnik-Soja aus Übersee für das oft wertvolle Wälder zerstört wurden. "Die Wissenschaft ist sich einig, dass die zunehmende Zerstörung von Naturräumen die Entstehung von neuen Pandemien immer wahrscheinlicher macht. Die Massentierhaltung befeuert also nicht nur die Klimakrise und das weltweite Artensterben, sondern schafft auch den Nährboden für die nächste Pandemie. Die Europäische Kommission muss der industriellen Massentierhaltung endlich den Riegel vorschieben" so Theissing-Matei.

Lebensmittelimporte müssen EU-Standards genügen

"Die Hauptlast des Klimaschutzes darf nicht von der Landwirtschaft getragen werden", sagen Alexander Bernhuber, Umweltsprecher der ÖVP im Europaparlament, und Simone Schmiedtbauer, Agrarsprecherin der ÖVP im EU-Parlament, anlässlich der Präsentation der Strategien. "Es ist seit jeher im Eigeninteresse der Bäuerinnen und Bauern, die Umwelt sowie das Klima zu schützen und die Artenvielfalt zu bewahren. Wenn der Green Deal neue Maßnahmen für die Landwirtschaft erlässt, so müssen diese realistisch sein und finanziell abgegolten werden", so die beiden EU-Abgeordneten.

Die EU-Kommission skizziert in den beiden Strategien Maßnahmen zulasten der Landwirtschaft. So sollen der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel deutlich verringert und 10% der Landwirtschaftsfläche stillgelegt werden. Ein weiteres Ziel ist, dass ein Viertel der EU-Agrarfläche biologisch bewirtschaftet wird. Ein Lichtblick: Die verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung soll kommen.

EU muss auf Eigenproduktion setzen - Ernährungssicherheit nicht importierbar

"Die Europäische Kommission hat mit der 'Farm-to-Fork'-Strategie und mit der Biodiversitätsstrategie zwei Säulen des Green Deal vorgestellt. Sie sollen Basis für sichere und qualitätsvolle Lebensmittel und eine intakte Umwelt sein. Wir begrüßen diese Initiativen und sind der Ansicht, dass sie wesentlich dazu beitragen können, die EU nach der Corona-Krise wieder voranzubringen. Jedoch müssen Ziele und Maßnahmen beider Strategien in sich widerspruchsfrei und mit anderen Bereichen, wie der Gemeinsamen Agrarpolitik, kompatibel sein. Die Eigenversorgung mit Lebensmitteln als Ziel ist zu begrüßen, die Reduktion von Eiweißimporten aus Übersee ebenso. Das steht aber im Widerspruch mit dem Plan, weitere landwirtschaftliche Nutzflächen aus der Produktion zu nehmen." so Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. "Mehr Nachhaltigkeit kann es nur gemeinsam mit der Landwirtschaft und in Partnerschaft mit den Konsumenten geben."


Artikel Online geschalten von: / Doris Holler /