© Rudy and Peter Skitterians auf pixabay.com
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EU-Biodiversitätsstrategie verschiebt sich nochmals

Neben der Farm-to-Fork-Strategie wird nun auch die Veröffentlichung der EU-Biodiversitätsstrategie auf den 29. April verschoben.

Der Brüsseler Behörde macht offenbar die Corona-Krise zu schaffen. Allerdings war die Biodiversitätsstrategie schon einmal verschoben worden. Wenn sich die EU mit ihrem Grünen Deal wirklich als Vorreiterin beweisen will, sollte die Strategie in dem Jahr, in dem sich die Weltgemeinschaft (aller Voraussicht nach) im Oktober auf einen neuen globalen Biodiversitätsrahmen einigen wird, zumindest gehaltvoll sein.

Das finden zumindest WWF, Rewilding Europe, BirdLife Europe, das deutsche Europäische Umweltbüro sowie WissenschaftlerInnen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Sie haben eine Reihe von Politikpapieren und Karten vorgelegt, die zeigen, wo, warum und wie die EU der Wiederherstellung der Natur in der künftigen EU-Biodiversitätsstrategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt Priorität einräumen sollte. Denn die natürlichen Lebensräume sind in weiten Teilen Europas durch Infrastrukturen, intensive Land- und Forstwirtschaft sowie das Verschwinden natürlich vorkommender Tierarten erheblich degradiert.

Eines der wichtigsten neuen Instrumente ist eine Reihe neuer Karten, die vorrangige Gebiete für die Wiederherstellung der Natur im Landschaftsmaßstab in der gesamten EU zeigen. Diese könnten die erforderliche Vernetzung zwischen den Natura-2000-Standorten in Europa ermöglichen. Durch die Integration einer Reihe verschiedener Datensätze können die Karten in Verbindung mit lokalen Daten verwendet werden, um politischen EntscheidungsträgerInnen bei der Planung und Durchführung der Wiederherstellung der Natur relevante Informationen zu bieten. Intakte und miteinander verbundene Ökosysteme sind die Voraussetzung für eine gesunde Widerstandsfähigkeit von Lebensräumen, die Arterhaltung und die Bewahrung von Leben.

Dass dies wichtig ist, auch um andere Krisen zu bewältigen oder zu verhindern, zeigt ein Bericht in Le Monde Diplomatique von Sonia Shah. Die Autorin knüpft die Verbindung zwischen dem weitreichenden Verlust natürlicher Lebensräume und dem Auftauchen neuartiger Viren und bezieht sich dabei auf zahlreiche Studien der vergangenen Jahre. Viele dieser Viren wie Sars, HIV oder Ebola sind tierischen Ursprungs, haben sich aber im menschlichen Organismus entsprechend verändert. "Durch die immer massivere Abholzung der Wälder und die wachsende Urbanisierung" haben die Menschen "diesen Mikroben Wege eröffnet, den menschlichen Körper zu erreichen". Auch auf Märkten kommen sowohl Tiere miteinander in Kontakt, die dies in freier Wildbahn niemals könnten, als auch Tiere mit Menschen. Damit würden Möglichkeiten geschaffen, Artgrenzen zu überschreiten; plötzlich kann ein relativ harmloser Erreger zu einem Problem für den neuen "Wirt" werden. Mücken vermehren sich in Pfützen kahlgeschlagener Wälder. Durch den Klimawandel viel zu warme Winter bedingen Zeckenplagen und die Zugvögel, die keine Rastplätze finden, rücken den menschlichen Siedlungen immer näher. Die Corona-Krise ist damit also nur ein weiteres Symptom der beiden anderen großen Krisen: dem Klimawandel und dem Verlust der Artenvielfalt und natürlicher Lebensräume.


DNR: Biodiversität: EU-Strategie verschoben



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Weitere Infos: EU Umweltbüro

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