© Bild von annca auf Pixabay
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Region Donau-Iller-Riss: Jugend hält Klimaschutz für wichtigste Herausforderung

Junge Menschen sind bereit, selbst mehr fürs Klima zu tun

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz halten junge Menschen in der Region Donau-Iller-Riß für die größte Herausforderung, der unser Land gegenübersteht. Das zeigt eine Studie unter mehr als 500 jungen Menschen, die Wissenschaftler der Hochschulen Biberach und Neu-Ulm im Sommer und Herbst 2019 durchgeführt haben. Die Befragten, überwiegend Studierende, sehen es vor allem als Aufgabe von Unternehmen, Städten und Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Die Politik soll mit Gesetzen für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Die Befragten sind aber auch selbst bereit, ihr Verhalten umzustellen und sogar mehr Geld für ein klimaneutrales Leben auszugeben.

Umwelt- und Klimaschutz stehen für über 70 Prozent der jungen Menschen in der Region ganz oben auf der Liste der drängendsten Herausforderungen – und das mit weitem Abstand vor Themen wie Vertrauensverlust in die Politik beziehungsweise Unzufriedenheit mit der Politik, Zuwanderung/Migration und soziale Sicherung beziehungsweise soziale Gerechtigkeit.

Im Vergleich zu früheren Befragungen hat das Thema damit immens an Bedeutung gewonnen. Die aktuelle Studie enthält auch Fragen aus einer Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aus dem Jahr 2016, in der ein Querschnitt der Bevölkerung ab 14 Jahren befragt wurde. Damals stand das Thema Zuwanderung/Migration an erster Stelle, gefolgt vom Bereich Kriminalität/Frieden/Sicherheit. Die Themen Umwelt- und Klimaschutz lagen mit weitem Abstand auf Platz drei.

„Die verschobenen Prioritäten liegen aber sicher auch daran, welche Themen in den Medien behandelt wurden,“ so Jens Boscheinen von der Hochschule Neu-Ulm, einer der beiden Wissenschaftler hinter der Studie. „2015 und 2016, zum Zeitpunkt der Befragung des Bundesumweltministeriums, war die Flüchtlingskrise das große Thema. Im vergangenen Jahr haben die Proteste von Fridays for Future die Debatte um den Klimawandel angeheizt.“

Befragte wünschen sich mehr Einsatz für Nachhaltigkeit von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Politik

Angesichts der Bedeutung des Themas Umwelt- und Klimaschutz finden über 90% der Befragten, dass sich vor allem Unternehmen, Städte und Gemeinden sowie Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Nachhaltigkeit beschäftigen sollten. Die Politik solle dazu beitragen, das Thema in der Gesellschaft zu verankern, zum Beispiel mit Gesetzen für Nachhaltigkeit.

Außerdem von der Politik gefordert: „Mehr handeln statt reden“. Für mehr als zwei Drittel der Befragten sollte Umweltschutz Vorrang für Deutschland haben – selbst, wenn er das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt. Dass die Kräfte des freien Marktes die nötigen Veränderungen ermöglichen werden, darauf vertrauen die jungen Leute kaum. Konkreten Maßnahmen stehen die Befragten allerdings unentschlossen gegenüber: Nur etwas mehr als die Hälfte von ihnen begrüßt zum Beispiel die Idee einer deutschlandweiten CO2-Steuer.

Ebenfalls gefragt sind Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, bemerkt Laurens Bortfeldt von der Hochschule Biberach: „Von den Bildungs- und Forschungseinrichtungen wünschen sich die Befragten mehr Aufklärung über Klimathemen, zum Beispiel als Inhalt von Vorlesungen und Unterricht. Außerdem sollen sie wissenschaftlich belegte Lösungsansätze und Fakten verarbeiten.“


Junge Menschen sind bereit, selbst mehr fürs Klima zu tun

Die jungen Menschen fordern aber nicht nur, sondern sind auch selbst zu handeln bereit: Über 80 Prozent finden, dass sich das eigene Umfeld mit dem Thema beschäftigen sollte und stimmen der Aussage zu: „Jede(r) einzelne von uns muss heute im eigenen Umfeld Verantwortung dafür übernehmen, dass wir für die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt erhalten“.

Dafür wären die Befragten sogar bereit, mehr zu zahlen: Über 70 Prozent halten es für vorstellbar, nach dem Ende ihres Studiums oder ihrer Ausbildung einen Teil ihres Einkommens für ein klimaneutrales Leben auszugeben – ein gutes Zehntel der Befragten würde sogar die Hälfte des späteren Einkommens dafür einsetzen. Nur gut drei Prozent wären dazu gar nicht bereit.

Handlungsmöglichkeiten sehen die Befragten vor allem im Bereich der Mobilität. Sie können sich vorstellen, die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad mehr zu nutzen und Autofahren und Fliegen zu reduzieren. In punkto Konsum und Essgewohnheiten schlagen sie zum Beispiel vor, regional und saisonal einzukaufen, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren und Müll und Plastik zu vermeiden.

Das Engagement bei Protesten wie den Fridays for Future-Demonstrationen fällt dennoch gering aus: Nur fünf Prozent der Befragten sind selbst schon bei einer Demonstration mitgelaufen – und das, obwohl fast die Hälfte von ihnen glaubt, dass die Fridays for Future-Bewegung die Zukunft verändern wird.

Zur Studie: Gemeinschaftsprojekt der InnoSÜD-Verbundpartner Hochschule Biberach und Hochschule Neu-Ulm

Durchgeführt wurde die Studie von Wissenschaftlern aus zwei Teilprojekten des InnoSÜD-Hochschulverbunds, Jens Boscheinen von der Hochschule Neu-Ulm und Laurens Bortfeldt von der Hochschule Biberach. Beide beschäftigen sich in ihren Teilprojekten aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Nachhaltigkeit. So entstand bei einem Treffen des InnoSÜD-Verbundes die Idee, gemeinsam eine Studie über Einstellungen junger Menschen zu Umwelt- und Klimaschutz zu starten.

Über 600 Studierende, Schüler*innen und Auszubildende im Alter von 10 bis 39 Jahren beteiligten sich an der Studie, darunter vor allem Studierende aus den Städten Biberach, Neu-Ulm, und Ulm sowie den angrenzenden Landkreisen. 507 der Online-Fragebögen konnten ausgewertet werden. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei circa 23 Jahren.


Artikel Online geschalten von: / holler /