© Klaus Ranger / Prof. Georg Gübitz, Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner, Dr. Doris Ribitsch
© Klaus Ranger / Prof. Georg Gübitz, Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner, Dr. Doris Ribitsch

acib und BOKU-Arbeitsgruppe für umweltfreundlichen Plastikabbau ausgezeichnet

Niederösterreichischer Wissenschaftspreis an Doris Ribitsch und Georg Gübitz

Tulln – Das Land Niederösterreich vergibt seit 1964 jährlich die Wissenschaftspreise in der Kategorie „Würdigungs- und Anerkennungspreis“, um besondere Leistungen von VertreterInnen unterschiedlichster Forschungsdisziplinen zu würdigen. Die Preise wurden gestern, Mittwoch, von Frau Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im feierlichen Rahmen einer Wissenschaftsgala im Auditorium Grafenegg verliehen.

Unter den diesjährigen Preisträgerinnen befinden sich Dr. Doris Ribitsch sowie Prof. Georg Gübitz von der Arbeitsgruppe Biomaterial & Enzyme Technology des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und des Instituts für Umweltbiotechnologie am Department IFA Tulln der Universität für Bodenkultur Wien. Die Biotechnologen wurden für ihre Arbeit über plastikabbauende Enzyme mit dem Anerkennungspreis bedacht. Er dient der Förderung von Wissenschafter*innen unterschiedlichster Disziplinen, welche mit ihrem Schaffen fachliche Anerkennung gefunden haben und durch ihre Forschungen in besonderer Weise das Land Niederösterreich als Wissenschaftsstandort in der öffentlichen Wahrnehmung positionieren.

Enzymdesign nach dem Vorbild der Natur

Ein Schwerpunkt der Forscher liegt auf dem Design neuer Enzyme, die in der Lage sind, Plastik abzubauen. Im Rahmen des Projekts Plastik BioCycling ist es der Tullner Arbeitsgruppe gelungen, Polyethylen-Flaschen (PET) und Textilabfälle mit der Hilfe von Enzymen in deren Grundbausteine zu zerlegen. „Die Wiedergewinnung der Polymergrundbausteine durch diese Biokatalysatoren erlaubt im Gegensatz zu herkömmlichen, etablierten Prozessen ein Recycling unter umweltfreundlichen Bedingungen, ohne die Verwendung von Chemikalien und hoher Energie. Zudem kann erstmals wirtschaftlich eine Mischung unterschiedlicher Kunststoffe bzw. Naturstoffe und Verbundmaterialien, sogar aus gemischten Abfallströmen, extrahiert werden“, erklärt Doris Ribitsch. Weitere Anwendungen der Forschungen, die aktuell zusammen mit fünf niederösterreichischen Firmen entwickelt werden, reichen von neuen Bioklebstoffen bis hin zu biobasierten Verkapselungen von Langzeitdüngemitteln. Die Arbeitsgruppe hat an über 30 EU-Projekten teilgenommen bzw. diese koordiniert und kann auf mehr als 350 Artikel und 25 Patente verweisen. Dadurch trägt sie wesentlich zum Erfolg des acib und BOKU-Forschungsstandorts IFA Tulln bei.

Energieeffiziente Zukunft

„Besonders hervorzuheben ist die hohe Relevanz des Forschungsthemas für unsere Zukunft. Umweltfreundliche Prozesse zur Wiedergewinnung von wertvollen Bestandteilen von Kunststoffen gewinnen immer mehr an Bedeutung“, unterstrich Mikl-Leitner die Wichtigkeit der acib-Forschungen im Auditoriumsgespräch des Abends, durch das Moderatorin Barbara Stöckl führte.

Im Zuge der Diskussion wurden zahlreiche Fragen beantwortet, wie etwa, dass „energieintensive Recyclingverfahren schon bald ganz ohne Energieeinsatz auskämen, sofern die Natur als Vorbild dient“, so Gübitz, Leiter des BOKU Departments für Agrarbiotechnologie IFA Tulln. Für den erfolgreichen Einsatz dieser Technologien und eine nachhaltigere Zukunft, sei für den Forscher ein Zusammenspiel von Forschung, Politik und ein bewussterer Umgang der Konsument*innen mit der Problematik unabdingbar. „Auf der einen Seite ist es wichtig, das Konsumverhalten zu reflektieren, auch einmal zu verzichten. Andererseits muss der Einsatz von Bioplastik attraktiver werden. Dazu braucht es Förderungen seitens der Politik, damit herkömmliches Plastik durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden kann. Denn der Umweltschutz betrifft uns alle.“

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Über acib

Das 2010 gegründete Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) entwickelt neue, umweltfreundlichere und ökonomischere Prozesse für die Industrie (Biotech, Chemie, Pharma) und verwendet dafür die Methoden der Natur als Vorbild und die Werkzeuge der Natur als Hilfsmittel. Das acib, eine Non-Profit-Organisation, ist ein internationales Forschungszentrum für industrielle Biotechnologie mit Standorten in Graz, Innsbruck, Tulln, Wien, Linz (AUT), Bielefeld, Heidelberg und Hamburg (GER) sowie Pavia (ITA), Barcelona (ESP), Rzeszów (POL), Ljubljana (SLO), Canterbury (NZL) und Hsinchu (TWN) und versteht sich als Partnerschaft von 150+ Universitäten und Unternehmen. Darunter bekannte Namen wie BASF, DSM, Sandoz, Lonza, G.L Pharma, Boehringer Ingelheim RCV, Jungbunzlauer, VALIDOGEN GmbH and Evonik.

Am acib forschen und arbeiten derzeit 250+ Beschäftigte an mehr als 175 Forschungsprojekten.

Eigentümer des acib sind die Universitäten Innsbruck und Graz, die TU Graz, die Universität für Bodenkultur Wien sowie Joanneum Research. Gefördert wird das K2-Zentrum im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch das BMVIT, BMWFW sowie die Länder Steiermark, Wien, Niederösterreich und Tirol. Das COMET-Programm wird durch die FFG abgewickelt.

Über die BOKU

Als „Universität des Lebens“ nimmt die BOKU eine besondere gesellschaftliche und politische Verantwortung wahr. Ihre Kernkompetenz liegt darin, Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung und damit zur Sicherung natürlicher Ressourcen zu erforschen und zu vermitteln. Das schätzen die rund 12.500 Studierenden, die eines der 8 Bakkalaureate bzw. über 30 Master-, Diplom- und Doktoratsstudien gewählt haben. Mehr Informationen auf www.boku.ac.at


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