© Avtar Kamani  pixabay.com
© Avtar Kamani pixabay.com

TU Berlin: Dreistufiger Aktionsplan für den Klimaschutz - Klimaprojekte für die Wissenschaftskommunikation

Forschungsprojekte für die Wissenschaftskommunikation im Rahmen der internationalen Aktionswoche „Covering Climate Now“

Forscher der TU Berlin Felix Creutzig spricht sich für stärkere Kooperation der internationalen Politik aus

Den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad zu beschränken und dadurch den Klimawandel zu verlangsamen, wird nahezu weltweit als zentrales Problem von hoher Dringlichkeit angesehen. Doch die globale Koordinierung glaubwürdiger Strategien wird durch die sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangs- und Interessenlagen der verschiedenen Staaten verhindert. In seiner jüngsten Veröffentlichung „The Mitigation Trinity: Coordinating Policies to Escalate Climate Mitigation“ in dem Journal „One Earth“ empfiehlt Prof. Dr. Felix Creutzig, Professor für Sustainability Economics of Human Settlements an der TU Berlin, einen dreistufigen Aktionsplan für eine sich gegenseitig verstärkende Klimapolitik. Kernelemente sind seiner Ansicht nach eine effektive CO2-Bepreisung, vorausschauende Investitionen in eine neue Infrastruktur, die auf kohlenstoffarme Technologien im Verkehr und Energiesektor setzt, sowie der Aufbau eines moralischen Impetus, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden.

Nötig sei ein politisches Rahmensystem, das ehrgeizige, globale Klimaschutzziele angreift und dabei nicht nur auf einzelne Maßnahmen, wie zum Beispiel die CO2-Bepreisung, fokussiert, sondern aufeinander aufbauende, unterschiedliche politische und finanzielle Instrumente nutzt. „Nur, wenn es gelingt, dynamische, sich gegenseitig verstärkende Anreize zu setzen, den Klimaschutz zu verstärken, lassen sich auch Entwicklungs- und Schwellenländer überzeugen, dem Kreis der globalen Klima-Koalition beizutreten“, so Felix Creutzig.

Vorausschauende Investitionen in eine neue Infrastruktur

Sein Vorschlag: Ein dreistufiger Aktionsplan sich gegenseitig verstärkender Maßnahmen. Grundvoraussetzung bleibt eine effektive CO2-Bepreisung in ausreichender Höhe - mindestens 40 Euro pro Tonne CO2 in 2020. „Eine CO2-Bepreisung alleine reicht aber nicht aus“, so Felix Creutzig. „Eine Infrastruktur, die auf fossiler Brennstofftechnologie beruht, führt dazu, dass die Nutzung dieser Infrastruktur billig ist und die Nutzung regenerativer Technologien teuer. Daher brauchen wir eine globale Politik, die vorausschauend in eine Infrastruktur investiert, die auf kohlenstoffarme Technologien wie zum Beispiel Fahrradstraßen, kompakte Städte oder den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs setzt.“

„Ein globaler Klimapakt ist aber nur dann erfolgreich, wenn auch Entwicklungs- und Schwellenländer ausreichend bezahlbare Energie aus erneuerbaren oder kohlenstoffarmen Technologien erhalten können“, so Felix Creutzig. Die erwarteten Kosten für den weltweiten Aufbau einer kohlenstoffarmen Infrastruktur für Transport und Energie werden voraussichtlich eine Billion Dollar pro Jahr überschreiten. Dies entspricht jedoch ungefähr Investitionen, die auch für den Aufbau konventioneller Infrastrukturen in den Bereichen notwendig wären.

Treibhausgasemissionen als moralisch zweifelhafte Handlungen deklarieren

Felix Creutzig schlägt vor, einen Teil des internationalen Klimafonds zu nutzen, um Fördermittel oder Kredite für den Infrastruktur-Umbau in Ländern bereitzustellen, die gerade erst dabei sind, eine CO2-Bepreisung einzuführen oder diese Bepreisung zu verstärken. Der Klimaschutz-Effekt könnte noch verstärkt werden, wenn diese über eine Art Auktion an Länder versteigert werden, die das größte Volumen in der CO2-Bepreisung oder den höchsten Anstieg der CO2-Steuer zusagen.

Dritter zentraler Punkt in der von Creutzig empfohlenen Dreistufigkeit für den Klimaschutz: Die Verschiebung dessen, was als politisch machbar gilt. „Politik wird häufig aus wirtschaftlicher Sicht analysiert. Menschen sind aber nicht nur durch wirtschaftliche Anreize, sondern auch durch ihre moralischen Pflichten motiviert. Treibhausgasemissionen können als moralisch zweifelhafte Handlung eingestuft werden, die die Generationengerechtigkeit gefährdet. Dies gilt insbesondere dann, wenn Alternativen zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen“, so Felix Creutzig. Als ein erfolgreiches Beispiel führt er die Divestment-Bewegung aus fossilen Energieunternehmen an, bei der sich Finanzinvestoren zunehmend aus der Finanzierung von Projekten im fossilen Energiebereich zurückziehen. „Es besteht Einigkeit darüber, dass diese Bewegung verändert hat, was moralisch angemessen ist, und so Investoren, politische Entscheidungsträger und die Medien beeinflusst hat.“

Weiterführende Informationen:
Die Veröffentlichung „The Mitigation Trinity: Coordinating Policies to Escalate Climate Mitigation“ kann abgerufen werden unter: www.cell.com/one-earth/fulltext/S2590-3322(19)30013-2#%20

GastautorIn: Stefanie Terp für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /