© Fridays for Future
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Offener Brief von Fridays for Future an die Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft

In einem STANDARD Interview, das am Montag, 2. 9. erschienen ist, hatte die Ministerin Schüler*innen, die die Klimastreiks besuchen, mit Maßnahmen wegen unerlaubten Fernbleibens gedroht

Sie plädierte für eine Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht ("etwa in Form von Exkursionen"), anstatt sich auf der Straße für die eigene Zukunft einzusetzen.

Die Fridays for Future antworten:


Sehr geehrte Frau Bundesministerin Iris Rauskala,

Sie stellen sich mit Ihren am 02.09. mit den im Standard publizierten Aussagen gegen die Zukunft der jungen Generation.

Sie meinen, die Klimakrise wäre nur einer unter vielen möglichen Gründen zum Streiken. In Wirklichkeit ist sie die größte Bedrohung der Menschheit, und die größte Bedrohung für die Zukunft unserer Generation. Als Bildungs- und Wissenschaftsministerin sollten Sie wissen, dass die Fakten über die fatalen Folgen der Klimakrise bereits seit Jahrzehnten bekannt sind - angemessene politische Handlungen, um diese aufzuhalten, bleibt uns die Politik jedoch nach wie vor schuldig.

Wir, die junge Generation, haben diese Entwicklung mit Entsetzen beobachtet und nehmen nun die Zukunft selbst in unsere Hand.

Die Wissenschaft der Welt mahnt uns seit langem: Um die Erderhitzung auf 1,5°C zu begrenzen und die Zukunft der jungen und aller kommenden Generationen zu sichern, brauchen wir sofort eine ambitionierte Klimapolitik. Über 26.800 anerkannte Wissenschaftler*innen allein im deutschsprachigen Raum stehen geschlossen hinter uns und unseren Forderungen. Diese Wissenschaftler*innen müssen nicht nur - wie Sie fordern -in die Schulen, sondern offensichtlich auch ins Parlament und in die Ministerien. Hier herrscht eine Bildungslücke.

Der Amazonas brennt. Die Arktis brennt. Die CO2-Emissionen steigen. Genau deshalb muss die Klimakrise ihren Einzug in den Lehrplan finden - aber ebenso in die Straßen, in die Wohnzimmer, an den Küchentisch und vor allem in die Politik! Dorthin, wo schon seit Jahrzehnten verabsäumt wurde, die Klimakrise mit angemessener Priorität zu behandeln.
Wir jungen Leute sehen uns gezwungen, auf die Straße zu gehen und von Politiker*innen lautstark einzufordern, ihrer Verantwortung endlich nachzukommen.

Sie meinen auch, es gäbe andere Möglichkeiten, wie man als Schüler*in oder Lehrer*in Umweltbewusstsein schaffen könnte, zum Beispiel sporadische Exkursionen. Gerade, weil ein bloßer Fokus auf Bewusstseinsbildung nicht ausgereicht hat, müssen wir jetzt andere Maßnahmen ergreifen, um die Politik zum Handeln zu bringen.

Glauben Sie uns, Frau Bundesministerin: wir jungen Menschen würden nichts lieber tun, als unbekümmert unsere Hausaufgaben zu machen - aber dafür muss die Politik erst ihre Hausaufgaben machen!

Sie kündigten an, es würde Konsequenzen geben, wenn Schüler*innen freitags von der Schule fernbleiben. Finden Sie nicht, dass es eine äußerst schiefe Optik hat, wenn Schüler*innen für ihr zivilgesellschaftliches Engagement im Sinne einer lebenswerten
Zukunft, Strafen angedroht bekommen, während klima- und zukunftsschädigendes Verhalten in Politik und Wirtschaft sogar gefördert wird?

Sehr geehrte Frau Bundesministerin, wollen Sie wirklich eine Debatte über die Verletzung der Schulpflicht führen? Wir laden Sie ein: führen Sie doch mit uns eine Debatte über die Verletzung unserer Grundrechte durch die Untätigkeit der Politik angesichts der Klima- und Umweltkrise! Kommen Sie zu einem unserer Streiks, lernen Sie uns kennen und erfahren Sie, wie wissbegierig und engagiert wir sind. Sprechen Sie mit uns „ Schulschwänzern”, nicht bloß über uns!

Sehr geehrte Frau Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft - wo stehen Sie eigentlich?

Mit erwärmenden Grüßen,

Fridays for Future Austria


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