© Biomasseverband
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Österreichische Wärmestrategie - Weiter wie bisher?

Ein kompletter Fossilausstieg macht Sinn. Wenn das wann nicht endlich in die nahe Zukunft geht, schaffen wir keinen rechtzeitigen Umstieg. In manchen Köpfen scheint dies noch nicht angekommen.

Wien- Dienstag im Kuppelsaal der TU Wien, Startschuss für den Beteiligungsprozess zur Erarbeitung der "Österreichischen Wärmestrategie". Gemeinsam mit rund 200 Stakeholdern aus Wirtschaft, Interessensvertretungen und dem Konsumentenschutz soll ein umfassendes Maßnahmenpaket erarbeitet werden und langfristig n die völlige Dekarbonisierung des Wärmemarktes in Österreich erreicht werden. "Die Österreichische Wärmestrategie soll Investitionen in die erneuerbare Wärmeerzeugung auslösen. Das Interesse an der Veranstaltung ist dementsprechend groß," freut sich Bundesministerin Elisabeth Köstinger.
"Wir müssen den Energiebedarf im Wärmesektor drastisch senken und die Wärmeversorgung auf erneuerbare Energieträger umstellen - Biomasse ist ein unverzichtbarer Bestandteil davon", so die Ministerin.

Ziel der Strategie ist es, den Wärmebedarf in Gebäuden und für Produktionsprozesse zu senken. Bis 2030 soll etwa die Sanierungsrate auf durchschnittlich 2% angehoben werden, ein wichtiges Ziel der Österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030. Weiters sollen Heiz- und Kühlsysteme auf erneuerbare Energieträger oder hocheffiziente Fernwärme umgestellt werden. Das bedeutet insbesondere den raschen Austausch der rund 700.000 fossilen Ölheizungen durch innovative Energiesysteme. Es gibt den "Raus aus dem Öl"-Bonus, mit dem man sich 5.000 Euro für den Umstieg von einem Öl-Kessel auf ein alternatives Heizsystem holen kann, als einen Anreiz. "Nun geht es darum, den Umstieg raus aus fossilen Energieträgern langfristig voranzutreiben", so Ministerin Köstinger.

Alle erforderlichen Technologien für einen Umstieg zur erneuerbaren Wärmeerzeugung stehen in Österreich schon marktreif zur Verfügung, allen voran hocheffiziente Biomasse-Heizsysteme, Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse sowie Technologien zur Nutzung von Sonnenenergie. "Biomasse-Anlagen versorgen rund 600.000 Haushalte in Österreich mit erneuerbarem Strom und ersetzen mit erneuerbarer Wärme ca. 200.000 Heizölanlagen. Ich hoffe auf die Vernunft der SPÖ, hier der Erreichung unserer Klimaziele nicht aus parteipolitischen Kalkül im Weg zu stehen", so Köstinger zur aktuellen Debatte rund um die Ökostrom-Novelle, die morgen im Bundesrat beschlossen werden soll.

Output des Prozesses zur Wärmestrategie soll ein Entwurf für einen Aktionsplan "Nachhaltige Wärme" sein, der bis Herbst 2019 fertig sein soll. Die Umsetzung der Wärmestrategie ist neben ihrer Relevanz für den Klimaschutz auch ökonomisch von höchster Bedeutung für Österreich. Die Maßnahmen der Wärmestrategie könnten, soviel ist fix, einen erheblichen Investitionsschub auslösen, der aufgrund der hohen heimischen Wertschöpfung zu einem wichtigen Anschub für die Konjunktur sein kann.

Ein Teilnehmer berichtet : "Gut angekommen ist eine Recherche zu OMV und Gaszprom. Sehr stark vertreten war vor Ort die fossile Lobby, die meinte dann versorgen wir die Gebäude halt mit grünen Gas anstelle von Erdgas. Hintergründe waren dazu leider nicht zu hören. Niemand von diesen Herren sprach an, dass man da komplett aus fossilen Energien aussteigen kann und muss. "
Im Vorfeld gab es schon Gespräche zwischen Bundesländern und dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit. Bei Erdgas: Dort, wo Fernwärme liegt, kein Anschluss an Gas. Ansonsten weiter wie bisher: Gas in Sanierung und in Neubau.. .das ist nichts Neues und nicht mehr zeitgemäß."

Die Realisierung der Dekarbonisierung am Wärmemarkt ist daher sowohl eine Herausforderung als auch eine große Chance zu sehen. Es ist notwendig zu erkennen, dass die Zeit uns davon läuft und das Handeln gegen den Klimawandel jetzt und heute und nicht nur langfristig irgendwann notwendig ist. Österreichisches Know-How dazu gibt es genug. Ein mutiges Vorgehen würde Österreich, das mit am Weltmarkt tätigen Vorreitern in diesem Bereich punkten kann, einfach nur gut tun. Wir zählen zu den Entwicklern vieler Komponenten für Energieeffizienz, wie z.B. Passivhauskomponenten, wir haben die weltbesten Firmen im Biomassebereich in Österreich. Was noch fehlt ist der Mut, umweltschädlichen Investitionen einfach rasch einen Riegel vorzuschieben.


Artikel Online geschalten von: / wabel /