50 Jahre Wohnpark Alt-Erlaa: Ikone des Wiener Wohnbaus feiert Jubiläum und startet klimafit in die Zukunft
Nun wird die Großwohnanlage umfassend thermisch saniert und dekarbonisiert – mit 780 Tiefensonden, neuen Fenstern und Fassadendämmung.
Vor 50 Jahren war der Wohnpark Alt-Erlaa ein visionäres Wohnbauprojekt und vieles davon ist bis heute aktuell. Grünräume, großzügige Terrassen und Balkone, Gemeinschaftseinrichtungen, Nahversorgung, Freizeitangebote und öffentliche Verkehrsanbindung wurden von Beginn an zusammengedacht. Statt einer anonymen Großsiedlung sollte eine „Stadt in der Stadt“ entstehen.
Heute leben rund 9.000 Menschen in der von Architekt Harry Glück geplanten Anlage im Wiener Bezirk Liesing. Die Wohnzufriedenheit liegt laut den Betreibern bei mehr als 90 Prozent. Damit gehört Alt-Erlaa zu jenen Wohnbauprojekten, die auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung noch als Beispiel für qualitätsvollen und leistbaren sozialen Wohnbau gelten.
Zum 50-Jahr-Jubiläum geht der Blick deshalb nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne: Der Wohnpark soll umfassend saniert und für die kommenden Jahrzehnte klimafit gemacht werden.
3.182 Wohnungen werden saniert
Die GESIBA startet eines der größten thermischen Sanierungsprojekte Österreichs. Insgesamt 3.182 Wohnungen in den Blöcken A, B und C werden energetisch umfassend erneuert.
Rund 24.000 Fenster sowie Terrassen- und Loggiatüren sollen ausgetauscht, Fassaden erneuert und die Dämmung verbessert werden. Die Sanierungsmaßnahmen umfassen insgesamt rund 103.000 Quadratmeter. Damit soll der Heizwärmebedarf voraussichtlich um rund 50 Prozent sinken.
Besonders interessant ist das neue Energiekonzept: 780 Tiefensonden, die bis zu rund 150 Meter tief reichen, sollen künftig für eine klimafreundlichere Wärme- und Kälteversorgung sorgen. Damit wird die bestehende Wohnanlage Schritt für Schritt von fossilen Energieträgern unabhängiger.
Die Arbeiten sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein.
Klimaschutz trifft leistbares Wohnen
Gerade bei großen bestehenden Wohnanlagen liegt ein enormes Potenzial für die Energiewende. Anstatt Gebäude abzureißen und neu zu errichten, können durch thermische Sanierung, effiziente Energiesysteme und erneuerbare Wärme große Mengen Energie eingespart werden.
Alt-Erlaa zeigt dabei eine interessante Verbindung: Klimaschutz und leistbares Wohnen müssen kein Widerspruch sein. Die bestehende städtebauliche Qualität soll erhalten bleiben, während gleichzeitig Energieverbrauch und Emissionen deutlich reduziert werden.
„Wir feiern heute 50 Jahre Alt-Erlaa und gleichzeitig legen wir den Grundstein für die nächsten 50 Jahre“, betont AEAG-Vorstand Paul Steurer. Ziel sei es, die besonderen Qualitäten des Wohnparks zu bewahren und gleichzeitig dort zu investieren, wo Weiterentwicklung notwendig ist.
Eine Wohnbauidee, die ihrer Zeit voraus war
Alt-Erlaa steht dabei für ein Wohnbauverständnis, das heute wieder stärker an Bedeutung gewinnt. Die Planung von Harry Glück setzte nicht ausschließlich auf möglichst viele Wohnungen, sondern auf Lebensqualität, Grünräume und soziale Infrastruktur.
Vereine, Gemeinschaftsbereiche und Möglichkeiten zur Mitbestimmung prägen das Zusammenleben bis heute. Für den Bezirk Liesing ist der Wohnpark längst mehr als eine Ansammlung großer Wohnblöcke. Er ist ein eigener Stadtteil mit einer über Jahrzehnte gewachsenen Gemeinschaft.
Das macht Alt-Erlaa auch aus Sicht der aktuellen Stadtentwicklung interessant: Wie können bestehende Wohnquartiere so weiterentwickelt werden, dass sie gleichzeitig sozial, ökologisch und wirtschaftlich zukunftsfähig bleiben?
Mit der nun gestarteten Sanierung wird genau diese Frage praktisch beantwortet.
50 Jahre und bereit für die nächsten 50
Alt-Erlaa hat mit seinem Konzept bereits in den 1970er-Jahren gezeigt, dass sozialer Wohnbau mehr sein kann als die Bereitstellung von Wohnfläche. Heute kommt eine weitere Dimension hinzu: Der Gebäudebestand muss klimafit werden.
Mit 3.182 sanierten Wohnungen, rund 103.000 Quadratmetern Sanierungsfläche und 780 Tiefensonden soll die Wiener Wohnbau-Ikone nun energetisch für die Zukunft gerüstet werden.
Die Idee der „Stadt in der Stadt“ bekommt damit eine neue Facette: Nicht nur gut wohnen, sondern auch energieeffizient, klimafreundlich und langfristig leistbar.
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