40 Jahre Urananreicherungsanlage Gronau: Umweltverbände fordern sofortige Stilllegung
Gronau - Vier Jahrzehnte nach der offiziellen Inbetriebnahme der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau erneuern Umweltverbände und Anti-Atom-Initiativen ihre Forderung nach einer sofortigen Stilllegung der Anlage. Anlässlich des 40. Jahrestages verlangen unter anderem der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nordrhein-Westfalen (LNU), das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau die Aufhebung aller Betriebsgenehmigungen.
Die Urananreicherungsanlage nahm bereits am 15. August 1985 ihre Produktion auf, die offizielle Einweihung erfolgte am 12. Juni 1986 – nur wenige Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Schon damals wurde die Eröffnung von Protesten begleitet: Rund 300 Demonstrierende versammelten sich vor der Anlage, während der damalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber per Hubschrauber eingeflogen wurde.
Aus Sicht der Umweltverbände steht die Anlage im Widerspruch zum deutschen Atomausstieg. Während die letzten Atomkraftwerke längst abgeschaltet wurden, werde in Gronau weiterhin Uran für Kernkraftwerke in aller Welt angereichert – bislang ohne zeitliche Begrenzung.
Die Initiativen appellieren deshalb an die nordrhein-westfälische Landesregierung und insbesondere an Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, die atomrechtliche Aufsicht zu nutzen und die Stilllegung der Anlage voranzutreiben. Nach Angaben der Verbände gebe es Gutachten, die eine Aufhebung der Betriebsgenehmigungen rechtlich für möglich halten.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die eingesetzte Zentrifugentechnik. Sie dient zwar der Herstellung von Brennstoff für zivile Atomkraftwerke, kann grundsätzlich aber auch zur Produktion hoch angereicherten Urans für Atomwaffen genutzt werden. Die Umweltorganisationen verweisen darauf, dass Urananreicherungsanlagen deshalb im Krisenfall zu strategischen Zielen werden könnten.
Zudem kritisieren sie, dass die Anlage nicht gegen Flugzeugabstürze, militärische Angriffe oder Drohnenbeschuss ausgelegt sei. Die jüngsten Angriffe auf Urananreicherungsanlagen im Iran hätten die sicherheitspolitische Brisanz solcher Einrichtungen erneut verdeutlicht.
Auch die Entsorgung der anfallenden radioaktiven Materialien bleibt nach Ansicht der Initiativen ungelöst. Auf dem Gelände wird abgereichertes Uranhexafluorid (UF6) in großen Mengen in Containern unter freiem Himmel gelagert. Ein Endlager existiert bislang nicht.
Darüber hinaus wurde neben der Anlage ein Lager für rund 60.000 Tonnen Uranoxid errichtet, das bislang jedoch nicht genutzt wird. Zusätzlich ist ein weiteres Lager für ausgediente und kontaminierte Uranzentrifugen beantragt.
Kritisiert werden außerdem die regelmäßigen Urantransporte per Lkw und Bahn durch Nordrhein-Westfalen und andere Bundesländer. Die Initiativen warnen vor möglichen Risiken bei Unfällen und bemängeln, dass örtliche Einsatzkräfte häufig nicht vorab über die Transporte informiert würden.
Der Protest gegen die Gronauer Urananreicherungsanlage reicht bis in die 1970er- und 1980er-Jahre zurück. Der Arbeitskreis Umwelt Gronau engagiert sich seit 1981 gegen die Nutzung der Atomenergie, immer wieder kam es zu Demonstrationen, Mahnwachen und Blockaden gegen die Anlage und die damit verbundenen Urantransporte.
Ein fester Bestandteil des Widerstands sind die monatlichen Sonntagsspaziergänge an der Urananreicherungsanlage, die seit Ende 1986 jeweils am ersten Sonntag des Monats stattfinden. Auch beim nächsten Termin am 5. Juli 2026 wollen die Organisatoren nicht nur an vier Jahrzehnte Protestgeschichte erinnern, sondern zugleich ein Zeichen für die aus ihrer Sicht weiterhin notwendige Stilllegung der Anlage setzen.
Die Forderung nach der Aufhebung der Betriebsgenehmigungen bleibt dabei der zentrale politische Appell der beteiligten Umweltverbände und Bürgerinitiativen.