36 Prozent E-Autos in einem Monat: Was Portugal beim Umstieg auf Elektromobilität anders macht
Zum Vergleich: In Österreich erreichten reine Elektroautos von Jänner bis August einen Anteil von 25,2 Prozent, im August waren es 29,0 Prozent. Auch der österreichische Markt wächst kräftig: Die EV-Neuzulassungen lagen im August um 46,4 Prozent über dem Vorjahresmonat, im bisherigen Jahresverlauf um 31,1 Prozent.
Damit liegen beide Länder inzwischen auf einem hohen Niveau. In Portugal war im August jedoch bereits mehr als jedes dritte neue Auto elektrisch.
Vom Elektroauto zum normalen Auto
Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit des portugiesischen Wandels. Nicht nur reine Elektroautos wachsen stark: Betrachtet man Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen, kamen diese Antriebe in Portugal im August bereits auf 73,8 Prozent aller neuen Pkw. Für die ersten acht Monate waren es 68,9 Prozent. Der Verbrennungsmotor verliert damit bei den Neuwagen zunehmend seine dominante Stellung.
Das portugiesische Beispiel zeigt auch: Die Entwicklung der Elektromobilität hängt nicht allein vom Kaufpreis eines Autos ab. Entscheidend ist das gesamte Umfeld aus Steuern, Förderungen, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten.
Portugal macht das Elektroauto steuerlich attraktiv
Ein wesentlicher Unterschied liegt bei den laufenden Fahrzeugsteuern. In Portugal sind Elektrofahrzeuge vom ISV, der portugiesischen Fahrzeugsteuer bei der Zulassung, ausgenommen.
Noch wichtiger für die langfristigen Kosten: Reine Elektroautos sind auch vom jährlichen IUC, der portugiesischen Kfz-Steuer, befreit. Die portugiesische Finanzverwaltung bestätigt die Befreiung ausdrücklich für Fahrzeuge, die rein elektrisch oder mit nicht fossilen erneuerbaren Energien betrieben werden.
Damit ergibt sich für portugiesische E-Auto-Besitzer eine einfache Rechnung: Beim Kauf keine ISV – danach kein jährlicher IUC.
Österreich bietet auch einen Steuervorteil: Für reine Elektroautos fällt weiterhin keine NoVA an. Allerdings wurde die davor gegebene vollständige Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer 2025 beendet.
Bis zu 4.000 Euro Kaufprämie – aber nicht jederzeit
Portugal unterstützt den Umstieg zusätzlich mit direkten Förderungen. Im Förderprogramm 2025/26 konnten Privatpersonen für einen neuen vollelektrischen Pkw 4.000 Euro erhalten. Für bestimmte öffentliche bzw. soziale Einrichtungen gabes bis zu 5.000 Euro. Voraussetzung war aber unter anderem die Verschrottung eines mehr als zehn Jahre alten fossil betriebenen Fahrzeugs.
Auch beim Fahrzeugpreis gab es eine Grenze:
- maximal 38.500 Euro
- bei Fahrzeugen mit mehr als fünf Sitzen maximal 55.000 Euro
Das Förderprogramm der zweiten Phase hatte ein Gesamtbudget von 10 Millionen Euro. Die Antragsfrist lief vom 11. Juni bis 27. Juli 2026 und ist inzwischen geschlossen. Leider sind die Fördermittel immer in sehr kurzer Zeit vergeben. Die Kaufprämie sollte daher nicht mit einer aktuell jederzeit verfügbaren Förderung verwechselt werden. Der entscheidende Punkt ist vielmehr, dass Portugal über Jahre ein Bündel an Anreizen geschaffen hat.
Und dann ist da noch MOBI.E
Eine Stärke Portugals ist die Vernetzung der Ladeinfrastrukturbetreiber. Das Land hat mit MOBI.E ein nationales, vernetztes Elektromobilitätssystem aufgebaut. Die Planungen sahen für 2025 eine Größenordnung von rund 15.000 öffentlichen Ladepunkten vor; aktuell sind es rund 15.800. Langfristig soll das portugiesische Netz jedoch massiv weiter wachsen.
Bei einer Fahrt entlang der Autobahnen zeigt sich: Fast an jeder Tankstelle / Raststätte gibt es einen Schnelllader, der auch entsprechend ausgeschildert ist.
Interessant ist nicht nur die Zahl der Ladepunkte, sondern die Struktur:
Viele verschiedene Betreiber – ein gemeinsames nationales System.
Für E-Autofahrer bedeutet das wesentlich weniger Insellösungen als in vielen anderen Ländern. Ladepunkte verschiedener Betreiber können über das MOBI.E-System und angebundene Mobilitätsdienstleister genutzt werden. Gerade auf einer Reise durch Portugal fällt dieser Unterschied auf: Laden wird zunehmend zu einer normalen Infrastrukturleistung und nicht mehr zu einer Suche nach dem „richtigen“ Anbieter.
In unserem kleinen feinen Test der Ladeinfrastruktur in Portugall zeigt sich: Es braucht trotzdem noch ein wenig Anschub.
Mit der miio App, die alle MOBI.E Ladestationen enthält, war es für uns nicht überall sofort möglich, die jeweilige Schnellladestation freizuschalten. Gleich beim ersten Versuch hatten wir Pech: Durch schlechte Internetverbindung oder andere Fehler ging es mit der App nicht. Wahrscheinlich wäre das Laden mit eine mioo-Karte möglich gewesen, da ein Portugiese mit seiner miio Karte sofort freischalten konnte. Als Österreicher im Elektroauto war es jedoch nicht möglich, die Karte von miio zu bestellen. Die Bestellung funktioniert leider nur mit einer portugiesischen, spanischen oder französischen Telefonnummer bzw. Adresse. Anscheinend wurde angenommen, dass niemand aus anderen Ländern nach Portugal fährt.
Zum Glück hatten wir einige andere Ladekarten mit, die uns zwei Mal retteten, An manchen Stationen funktionierten jedoch auch diese nicht.
In Österreich war das Laden für uns in den letzten Monaten nur ein einziges Mal ein Problem. Hier mussten wir insgesamt 3 x zu anderen Stationen wechseln. Aber: Das war nie in einer Ballungsregion und wir fuhren ein kleineres E-Fahrzeug mit nur 300 km Reichweite. Die miio App hat außerdem ein PREPAID System, das im Vorfeld aufgeladen werden muss, oder es gibt ein Abo, das günstigeres Laden möglich macht.
Auch Österreich baut kräftig aus
Österreich kann beim Ladenetz besonders punkten: Nach der E-Control-Bestandsaufnahme vom Februar 2026 gab es österreichweit rund 37.500 Ladepunkte an mehr als 14.700 Ladestellen. Niederösterreich lag mit mehr als 8.100 Ladepunkten vor Oberösterreich, Tirol und der Steiermark.
Ein Vorteil Österreichs ist außerdem das Ladestellenverzeichnis der E-Control, das Informationen über öffentliche Ladepunkte und deren Verfügbarkeit bereitstellt.
Portugal setzt dagegen stärker auf das zentral organisierte MOBI.E-System, das an sich eine wirklich gute Lösung ist.
Österreich punktet beim Dienstwagen
Beim Vergleich Portugal–Österreich wird deutlich sichtbar, dass die beiden Länder unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Österreich hat mit dem 0-Prozent-Sachbezug für reine Elektro-Dienstwagen einen sehr starken Anreiz für Firmenflotten geschaffen. Ab 1.Jänner 2027 wird jedoch schrittweise ein Sachbezug eingeführt, der bei maximal 48.000 Euro Anschaffungskosten (inkl. USt und NoVA) gedeckelt ist. Ein elektrischer Firmenwagen ist zwar für Arbeitnehmer finanziell auch dann noch etwas attraktiver als ein vergleichbarer Verbrenner, aber der Vorteil ist nicht mehr so groß wie jetzt.
Portugal setzt dagegen stärker auf steuerliche Vorteile für das Fahrzeug selbst, Kaufanreize und ein landesweit integriertes Ladenetz.
Damit entstehen zwei unterschiedliche Wege zur Elektromobilität: Portugal macht das Elektroauto für den privaten Fahrzeughalter attraktiv. Österreich setzt besonders stark auf den Firmenwagen.
Interessant ist auch das Laden zu Hause
Portugal hat 2026 nicht nur den Fahrzeugkauf, sondern auch private Ladeinfrastruktur gefördert. Für private Ladestationen waren im Förderprogramm 80 Prozent der Anschaffungskosten bis maximal 800 Euro vorgesehen. Zusätzlich konnten 80 Prozent der Kosten für die elektrische Installation bis maximal 1.000 Euro gefördert werden.
Damit konnten bis zu 1.800 Euro für Ladegerät und Installation unterstützt werden. Auch diese Förderung war allerdings kontingentiert und an die jeweilige Förderphase gebunden.
Was Portugal besonders interessant macht
Der portugiesische E-Auto-Boom lässt sich nicht auf eine einzelne Maßnahme reduzieren.
Es ist die Kombination:
- 0 Euro ISV für reine Elektroautos
- keine jährliche IUC
- zeitweise direkte Kaufprämien
- Förderung von Ladeinfrastruktur
- nationales, vernetztes MOBI.E-Ladesystem
- stark wachsendes Schnellladenetz
- hoher Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem (Zwischen Januar und August 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf dem portugiesischen Festland bei 74,9%)
Die Zulassungszahlen zeigen, dass diese Rahmenbedingungen einen raschen Markthochlauf forcieren.
Portugal als europäisches E-Mobilitätslabor
Besonders spannend ist deshalb der Vergleich:
Österreich hatte lange einen guten steuerlichen Rahmen für Elektroautos und erreicht 2026 ebenfalls einen Elektroautoanteil von mehr als 25 Prozent. Portugal zeigt nun aber, wie schnell ein Markt mit einer Kombination aus steuerlicher Entlastung, zeitlich begrenzten Kaufanreizen und einer möglichst unkomplizierten Ladeinfrastruktur wachsen kann.
36,1 Prozent BEV-Anteil im August sind dabei mehr als nur eine Momentaufnahme: Die Zahl der Elektroautos stieg gegenüber August 2025 um 65,2 Prozent!
Portugal könnte damit zu einem interessanten europäischen Beispiel dafür werden, wie Elektromobilität vom geförderten Nischenprodukt zum normalen Neuwagen wird. Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis: Nicht nur das Elektroauto muss funktionieren – das gesamte System rund um das Auto muss einfach klappen. Es ist zwar noch nicht alles ganz perfekt, aber die Geschwindigkeit, in der sich der portugiesische E-Mobility-Markt entwickelt ist rasant.