© Passirvhaus Austria/ Zahlreiche österreichische Experten vor dem Österreich-Stand
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Passivhaustagung: Nachhaltige Lösungen für Neubau und Sanierung im Mittelpunkt

Internationale Konferenz zum 25-Jahres- Jubiläum des innovativen Gebäude-Standards zurück in Darmstadt

© Passivhaus Austria/ Große Freude über die starke österreichische Beteiligung
© Passivhaus Austria/ Große Freude über die starke österreichische Beteiligung

Darmstadt - Für das Bauen der Zukunft gibt es schon heute eine bewährte Lösung: Der Passivhaus-Standard kombiniert hohe Energieeffizienz mit optimalem Komfort. Wie das funktioniert, haben Experten aus aller Welt am 22. und 23. April auf der Internationalen Passivhaustagung in Darmstadt gezeigt. Die Veranstaltung war zugleich ein Jubiläum – nur wenige Kilometer vom Kongresszentrum entfernt wurde vor 25 Jahren das erste Passivhaus gebaut. Eine auf der Tagung vorgestellte Studie belegt auf dieser Basis die Dauerhaftigkeit des Konzepts.

Ob Neubau oder Sanierung, Einfamilienhaus oder Büroturm – weltweit erfüllen inzwischen mehrere zehntausend Gebäude die Kriterien des hoch energieeffizienten Standards. "Was vor 25 Jahren als Experiment in unserer Stadt begann, ist heute aus dem internationalen Baugeschehen nicht mehr wegzudenken", sagte der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch. "Wir freuen uns daher sehr, dass die Passivhaustagung im Jahr des Jubiläums wieder zurück an den Ursprungsort dieser Erfolgsstory gekommen ist."

"Mehr als ein Drittel der in den Industrieländern verbrauchten Energie fließt in den Betrieb von Gebäuden, vor allem in die Beheizung. Beim Passivhaus ist dieser Verbrauch um etwa 90 Prozent verringert", so Prof. Dr. Wolfgang Feist, der das erste Passivhaus gebaut hat. Voraussetzung seien eine gute Wärmedämmung, dreifach-verglaste Fenster, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, eine luftdichte Gebäudehülle und Sorgfalt beim Vermeiden von Wärmebrücken. "Beim Pionier-Projekt in Darmstadt haben wir diese Prinzipien konsequent umgesetzt", meinte Feist. "Bis heute funktioniert dort alles wie am ersten Tag. Passive Systeme sind eben sehr wenig störanfällig."

Zusätzliche Investitionen werden bei einem Passivhaus durch die niedrigen Betriebskosten innerhalb weniger Jahre ausgeglichen. Der Heizenergieverbrauch bleibt aber natürlich auch danach gering. Für Bauherren ist das Prinzip daher auch wirtschaftlich interessant. Gleichzeitig leistet der Gebäude-Standard einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

"Die hohe Effizienz des Passivhaus-Standards ist eine ideale Ergänzung zur Nutzung von erneuerbarer Energie", erklärte der Autor Dr. Franz Alt, der zu den Vordenkern der deutschen Energiewende zählt. "Die Passivhaus-Bauweise ist ein wichtiger Baustein, um langfristig auch den Wärmebedarf unserer Wohnungen vollständig aus erneuerbaren Quellen zu decken", sagte Mathias Samson, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung.

"Es geht bei der Passivhaus-Bauweise nicht um die Frage, billig oder ökologisch zu bauen. Es geht darum, klug zu bauen, von vornherein nachhaltig zu planen", sagte Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). "Die Passivhaus-Bewegung war entscheidend, um in der EU eine Mehrheit für das Nearly Zero-Energy Building zu bekommen", ist Claude Turmes, der sich als Mitglied des Europäischen Parlaments für eine nachhaltige Energiepolitik einsetzt, überzeugt.

Auch zahlreiche österreichische ‎Passivhaus‬-Experten waren in Darmstadt vor Ort. Auf einem Gemeinschaftsstand, der von ADVANTAGE AUSTRIA Deutschland und Passivhaus Austria organisiert wurde, konnte man mehr über Passivhausentwicklungen aus Österreich erfahren. Mit dabei waren Bewiso, WIPPRO Türen/Doors, flattec vertriebs gmbH, eco. plus, LANG consulting, OeAD Housing, aap.architekten und J. Pichler GmbH.
Zusätzlich gab es gleich mehrere Vorträge über Projekt aus Österreich bei der Tagung zu hören. Nicht zufällig ist Österreich das Land mit der größten Passivhausdichte weltweit.

Insgesamt präsentierten auf der Internationalen Passivhaustagung in Darmstadt mehr als hundert Referenten aktuelle Projekte und Lösungsansätze, die den Gebäudesektor fit für die Zukunft machen. Im Bereich der energieeffizienten Bau-Komponenten lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Wohnungslüftung – in diesem Rahmen wurde auch der diesjährige "Component Award" vergeben. Zu den regionalen Schwerpunkten der Tagung zählten im Jubiläumsjahr unter anderem Nord-Amerika, China und die warmen Klimazonen.

Ergänzt wurde das Vortragsprogramm durch zahlreiche Workshops sowie durch Exkursionen zu Passivhäusern in Darmstadt und Umgebung – auch das weltweit erste Passivhaus im Stadtteil Kranichstein stand zur Besichtigung offen. Auf einer begleitenden Fachausstellung zeigten die wichtigsten Hersteller von Passivhaus-Komponenten ihre neuesten Produkte. In einem Passivhaus-Forum gab es ein buntes Programm mit Vorträgen und Aktionen für Bauherren und andere Interessierte.

Die vom Passivhaus Institut organisierte Internationale Passivhaustagung findet seit 1996 an jährlich wechselnden Orten statt. Seit der Premiere vor 20 Jahren war sie zum ersten Mal wieder zurück in Darmstadt. Mitveranstalter in diesem Jahr waren die Stadt Darmstadt, der Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Darmstadt und die Universität Innsbruck. Schirmherr war der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir.


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