Variobahn – eine neue Tram für München

2.4.2009
München will weitere Fahrgäste von den Vorteilen der Öffis überzeugen

Deutlich mehr Kunden fahren mit der Münchner Tram, seit sie erfolgreich beschleunigt und modernisiert wurde. Daher feiert die Variobahn Premiere auf Münchens Schienen. Bereits heuer werden die ersten 4 Züge ausgeliefert, bis Ende 2011 sollen insgesamt 14 neue Züge der Variobahn in Betrieb sein. Die großen fünfteiligen Gliederzüge bieten 221 Fahrgästen Platz und ersetzen auch die letzten drei älteren Trambahnen aus den sechziger Jahren.

Hersteller der Variobahn ist die Stadler Pankow GmbH mit Sitz in Berlin. Das Investitionsvolumen für die 14 Münchner Züge umfasst gut 40 Millionen Euro. Die Herstellerbezeichnung Variobahn soll das Fahrzeugkonzept symbolisieren: Es handelt sich um ein so genanntes „Multigelenkfahrzeug in Modulbauweise“. Der Zug besteht aus relativ kurzen angetriebenen Fahrwerksmodulen und dazwischen hängenden so genannten „Sänften“. Sowohl die Zahl dieser Module als auch ihre Breite und Länge lässt Variationen zu; damit sind bei gleicher Grundausstattung unterschiedliche Fahrzeuge für unterschiedliche Netze möglich. Die Tram muss also nicht für jede Stadt völlig neu konzipiert werden. Das erhöht die Stückzahlen und senkt dadurch die Kosten.

Die Münchner Variante der Variobahn besteht aus fünf Wagenteilen, hat also drei Antriebsmodule und zwei lange „Sänften“. Sie ist knapp 34 Meter lang und bietet 221 Fahrgästen Platz (75 Sitz- und 146 Stehplätze).

Komfort und angenehmes Ambiente

Münchens historisch gewachsenes Netz lässt nur eine Fahrzeugbreite von 2,30 Metern zu. Umso mehr galt alle Aufmerksamkeit der Fachleute der optimalen Raumnutzung und der Herstellung eines möglichst großzügigen Raumgefühls. Einige Beispiele:
Die Eingangsbereiche an den Türen 2 bis 6 wurden bewusst ohne Sitzplätze als Multifunktionsbereiche gestaltet, um einen raschen Fahrgastwechsel an den Haltestellen zu unterstützen und ausreichend Platz für „Kind und Kegel“ zu schaffen: 5 von 6 Türbereichen sind damit für das Hinterstellen von Kinderwagen geeignet . Große, weit heruntergezogene Seitenscheiben lassen den Innenraum der Variobahn hell und geräumig erscheinen. Sie bieten eine Sicht nach draußen, die es so bisher nicht gab.


Test mit autonomer Energieversorgung

Die Variobahn kommt auf eine Motorleistung von insgesamt 360 kW: Der Antrieb erfolgt getriebelos mittels acht wassergekühlter Radnabenmotoren mit einer Leistung von jeweils 45 kW (knapp 500 PS), die direkt auf die Räder übertragen wird. Sie sorgen für eine sehr gute Beschleunigung. Selbstverständlich speisen die Variobahnen – wie bereits die R-Züge und die U-Bahnen vom Typ B und C – beim Bremsen einen Teil der Energie zurück ins Netz. Überschüssige Energie verpufft also nicht als Wärme, sondern kann von anderen Zügen zum Anfahren genutzt werden. Alle Münchner Variobahnen sind für die Nachrüstung mit einem Energiespeicher vorbereitet. Einer der ersten vier Züge wird Ende des Jahres zu Testzwecken erstmals mit einer völlig neu entwickelten Hochleistungsbatterie ausgestattet. Mit diesem Speicher soll es auch möglich sein, rund 1.000 Meter ohne Oberleitungen zurückzulegen.

Die Variobahn ist übrigens bereits ein Erfolgsmodell: Weitere Fahrzeuge dieses Typs verkehren in den Städten Bochum, Chemnitz, Duisburg, Helsinki, Mannheim, Nürnberg und Sydney. Weitere Bestellungen liegen inzwischen für Potsdam, Graz und Bergen (Norwegen) vor.

MVG-Chef Herbert König: „Die Münchner Tram ist seit rund 15 Jahren wieder eine Erfolgsstory. Mit diesen neuen Zügen wollen wir ein neues Kapitel dieser Story eröffnen:
Wir haben sie gekauft, weil wir viel mehr Fahrgäste haben als jemals vorhergesagt. Und wir erwarten, dass die Variobahn im weiter wachsenden München weitere Kunden überzeugen wird.“

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